Keine Beruhigung am Anleihenmarkt: Italien und Spanien zahlen drauf, Deutschland verdient mit Bonds

Die Schlammschlacht um die Bewertung der Gipfel-Beschlüsse zeigt Wirkung: Die Zinsen für Spaniens zehnjährige Anleihen liegen wieder über sieben Prozent. Die Rendite für italienische Bonds klettert auf über sechs Prozent hinterher. Die Zinsen für kurzfristige, deutsche Bonds erreichten bei der heutigen Auktion außerordentliche Negativzinsen. Die Investoren zahlen, um ihr Geld anzulegen.

Die ersten Zeichen kurz vor dem Treffen der Eurogruppe sind alles andere als zuversichtlich. Am Montagmorgen stieg die Rendite für zehnjährige, spanische Anleihen auf 7.084 Prozent und durchbrach damit erneut die kritische 7-Prozent-Marke, die dauerhaft nicht als finanzierbar gilt. Aber auch die Renditen für fünfjährige (5.010%)und zweijährige Anleihen (6.359%) Spaniens haben wieder angezogen.

Die ersten scheinbar für Spanien und Italien positiven Gipfelbeschlüsse haben ihre Wirkung verfehlt. Die Niederlande und Finnland stemmen sich vehement gegen die neuen Befugnisse des EMS (mehr hier) und Brüsseler Beamte sprachen vergangene Woche sogar davon, dass es keine Bankenrettung ohne staatliche Garantien geben werde (hier). Also wieder einer dieser Gipfel, die zu keiner großen Änderung beitragen. Auch Mario Draghis Senkung des Leitzinses um lediglich 0,25 Prozent wird von den Märkten nicht als positives Zeichen gewertet. Die geplanten, neuen Einsparungen von Mario Monti haben ebenfalls keine Auswirkungen auf den Anleihenmarkt.

Die Ursache für die weiterhin steigenden Zinssätze schiebt der der italienische Premier indes auf andere: „Der Anstieg (der Rendite, Anm. d. Red.) ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, darunter auch auf die Erklärung aus dem nordischen Staat, die ich persönlich für unangemessen halte“ – gemeint ist die Äußerung Finnlands zu einem möglichen Austritt, sollte der ESM Anleihen kaufen (hier). Solche Aussagen würden die Glaubwürdigkeit reduzieren, dass der Europäische Rat einstimmig Entscheidungen treffe, so Mario Monti am Sonntag in Aix-en-Provence. Am Montagmorgen legte die Rendite für zehnjährige italienische Anleihen wieder auf 6.141 Prozent zu.

Während Spanien und Italien erneut mit massiv steigenden Zinssätzen zu kämpfen haben, ist der deutsche Staat in einer hervorragenden Position, um sich am Anleihenmarkt frisches Geld zu besorgen. Bei der heutigen Auktion von sechsmonatigen Anleihen im Wert von 3,29 Milliarden Euro erreichte die Rendite einen Rekordwert von minus 0,034 Prozent. Somit zahlen die Investoren, sogar unabhängig von der Entwicklung der Inflation, dafür, ihr Geld im vermeintlich sicheren Hafen Deutschland anzulegen.

Im Juni lag die durchschnittliche Rendite für deutsche Papiere dieser Art bei 0,007 Prozent und im Januar bei minus 0,00122 Prozent.

Kommentare

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  1. Cecylia sagt:

    Wir müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen“

  2. frame sagt:

    > Die Investoren zahlen, um ihr Geld anzulegen.

    Das ist nicht als eine euphemistische Umschreibung für :

    „Die Investoren zahlen, um ihr Geld vor dem GR/ES/IT-Anleihencrash
    in Sicherheit zu bringen.“

    Das bedeutet aber nur, das die deutsche Hütte noch nicht so lichterloh brennt
    wie die griechische, spanische und italienische. Aber sie brennt ebenfalls, auch
    wenn es kaum einer wahrnimmt …

    • Michele sagt:

      Es gibt keinen Anleihecrash. das was der private Finanzmarkt herausholt, wird vom Steuerzahler (insbesonders des deutschen…) über den ESM ect. zum Schuldendienst verwendet.

      Oder irre ich mich?

    • Michele sagt:

      Ein raffiniertes Geldkarussell ESM ect.. Dabei werden neue Mamutinstitutionen geschaffen mit ultrahochdotierten „Bänkergehältern“.

      Von Nichtverschwendung keine Spur… 🙂 🙂

      • Michele sagt:

        Scheins gibt es einen Wettlauf zwischen Hase und Igel, also zwischen Brüsseler Finanzmarkt und dem beits bestehenden privaten Finanzmarkt (oder umngekehrt). Mal sehen, wer zuerst ans Ziel kommt!?

        Der Steuerzahler ist in beiden Fällen beschi…. dran, kann nur achselzuckend zuschauen… 🙂

        Als Steuerzahler ist man inzwischen geneigt eine Hilfe zur Selbsthilfe nicht mehr abzulehnen… 😉

  3. guantanamera sagt:

    Die institutionellen Anleger sind ja nicht dumm. Sie kennen unser Geldsystem, haben es verstanden und die optimale Nutzung (um nicht zu sagen Ausbeutung) der Schwächen verinnerlicht.

    Zu denken gibt mir lediglich, dass spanische Anleihen tendenziell schlechter sein sollen als italienische. Italienische Anleihen waren in ihrer Geschichte noch nie das Papier wert, auf dem sie gedruckt waren. Man vergleiche mit den italienischen Zinssätzen vor Einführung des Euro.

  4. Andy sagt:

    Nein, SO dumm sind die „Investoren“ nicht, daß sie bezahlen, um Geld anzulegen. Sie wissen vielmehr, daß der Euro mit mathematischer Sicherheit verrecken MUSS.
    Da dann nominal in eine neue Währung (was auch immer, neue Mark, Taler oder sonstwas) umgestellt wird, die unmittelbar danach aufwerten wird (wahrscheinlich um 25% Minimum) sehen sie darin ihren Gewinn. Diese Investoren kommen aus dem Dollarraum und wittern das Geschäft ihres Lebens, denn 25%++ bekommt man nicht bei jedem Deal.

    • Elisabeth Wehmeier-Püthe sagt:

      Das ist sehr gut möglich, aber sie könnten sich trotzdem verrechnen. Schließlich ist Deutschland der größte Bürge im Euro-Raum und wenn die anderen pleite sind, dann sollen wir bluten.

      Die deutschen Politiker sind so saudumm, dass sie unser Steuergeld auch weiterhin pflichtschuldigst an’s Ausland überweisen werden während andere Staaten einfach ihre Schulden nicht mehr bezahlen und den Gläubigern (vor allem auch deutsche Banken) die lange Nase zeigen.

      Jedenfalls sind wir ganz schnell selber pleite und ob dann noch großartig Schulden zurückgezahlt werden können, noch dazu in einer Depression, im demographischen Wandel, in einer zunehmend fauler und dümmer werdenden Gesellschaft, mit Massen die weder leistungsfähig noch -willig sind, weil sie seit Jahren und Jahrzehnten alimentiert wurden und möglicherweise aus Frust, dass die soziale Hängematte gerissen ist, alles kurz und klein schlagen.

      Da sehe ich pechschwarz.