Sicherer Hafen: Deutsche Staatsanleihen mit Negativ-Zinsen

Der deutsche Staat kann sich weiter über hervorragende Bedingungen am Schuldenmarkt freuen: Die Zinsen für kurzfristige Bonds erreichten bei der Auktion am Montag außerordentliche Negativzinsen. Die Investoren zahlen, um ihr Geld anzulegen.

Während Spanien und Italien erneut mit massiv steigenden Zinssätzen zu kämpfen haben (mehr hier), ist der deutsche Staat in einer hervorragenden Position, um sich am Anleihenmarkt frisches Geld zu besorgen. Bei der heutigen Auktion von sechsmonatigen Anleihen im Wert von 3,29 Milliarden Euro erreichte die Rendite einen Rekordwert von minus 0,034 Prozent. Somit zahlen die Investoren, sogar unabhängig von der Entwicklung der Inflation, dafür, ihr Geld im vermeintlich sicheren Hafen Deutschland anzulegen.

Im Juni lag die durchschnittliche Rendite für deutsche Papiere dieser Art bei 0,007 Prozent und im Januar bei minus 0,00122 Prozent.

Interessant: Auch französische Papiere waren gefragt, auch Paris konnte sich erstmals über Negativ-Zinsen freuen.

Die ersten Zeichen kurz vor dem Treffen der Eurogruppe sind alles andere als zuversichtlich. Am Montagmorgen stieg die Rendite für zehnjährige, spanische Anleihen auf 7.084 Prozent und durchbrach damit erneut die kritische 7-Prozent-Marke, die dauerhaft nicht als finanzierbar gilt. Aber auch die Renditen für fünfjährige (5.010%)und zweijährige Anleihen (6.359%) Spaniens haben wieder angezogen.

Die ersten scheinbar für Spanien und Italien positiven Gipfelbeschlüsse haben ihre Wirkung bei den Bonds für die Südstaaten dagegen verfehlt. Die Niederlande und Finnland stemmen sich vehement gegen die neuen Befugnisse des EMS (mehr hier) und Brüsseler Beamte sprachen vergangene Woche sogar davon, dass es keine Bankenrettung ohne staatliche Garantien geben werde (hier). Also wieder einer dieser Gipfel, die zu keiner großen Änderung beitragen. Auch Mario Draghis Senkung des Leitzinses um lediglich 0,25 Prozent wird von den Märkten nicht als positives Zeichen gewertet. Die geplanten, neuen Einsparungen von Mario Monti haben ebenfalls keine Auswirkungen auf den Anleihenmarkt.

Die Ursache für die weiterhin steigenden Zinssätze schiebt der der italienische Premier indes auf andere: „Der Anstieg (der Rendite, Anm. d. Red.) ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, darunter auch auf die Erklärung aus dem nordischen Staat, die ich persönlich für unangemessen halte“ – gemeint ist die Äußerung Finnlands zu einem möglichen Austritt, sollte der ESM Anleihen kaufen(hier). Solche Aussagen würden die Glaubwürdigkeit reduzieren, dass der Europäische Rat einstimmig Entscheidungen treffe, so Mario Monti am Sonntag in Aix-en-Provence. Am Montagmorgen legte die Rendite für zehnjährige italienische Anleihen wieder auf 6.141 Prozent zu.

Kommentare

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  1. Glaubenix sagt:

    Der Sinn des ESM ist vermutlich nur dass das Zinsnivau das Deutschland derzeit zahlt an das der Südstaaten angepasst wird, damit Deutschland wirtschaftlich nicht weiter „abzieht“ wie das zu guten alten DM-Zeiten der Fall war.

    Ob das wirklich den Märkten dienen soll, oder doch nur eine politisch beabsichtigte „Korrektur“ der Wirtschaftskraft Deutschlands darstellt?

    Alles höchst merkwürdig.

  2. tomorrow sagt:

    Die geringen Zinsen für sechsmonatige Anleihen, die nur mehr eine Art Überbrückungskredit darstellen, kann man nicht mit den Zinsen für langfristige Verbindlichkeiten vergleichen.
    Nach der Herabstufung Deutschlands und anderer EU-Staaten durch die Rating-Agenturen, ist es für alle teurer geworden, frische Schulden aufzunehmen um alte Löcher zu stopfen. Das Spiel der Finanz“Märkte“ wird durch die Fähigkeit in Brüssel, das Treiben zu unterstützen, teuer erkauft.
    Das Pokern geht weiter und bei den „Investoren“ klingelt die Kasse. Deutschland wird am Ende der Monopoly-Runde einen Kassensturz erleben, der sich gewaschen hat.
    Eines Tages kommt die Quittung, dann sind auch Negativzinsen für kurzzeitige Anleihen kein Thema mehr, denn den Letzten beißen die Hunde. Und sich politisch aus der Verantwortung ziehen, mit lapidaren Eingeständnissen von „einigen Fehlern“, gilt dann auch nicht mehr.
    Denn jeder kennt die Verursacher und Schuldigen dieser weittragenden Misere. Wenn jeder Cent verzockt ist und die Menschen vor dem Nichts stehen, möchte ich nicht deren Unmut darüber ertragen müssen.

    FG tomorrow

    • MIKEMT sagt:

      Planer, Verursacher, Schuldige und wie man sie sonst noch alle nennen möchte werden sich bis dahin abgesetzt haben und aus weiter Ferne den Untergang süffisant beobachten.

  3. rüdiger sagt:

    mit der enormen nachfrage nach deutschen anleihen und dadurch bedingt sogar negativ rendite spielen die bondmärkte ganz klar auf einen euro austritt deutschlands und evtl. auch frankreichs. sie wetten nicht darauf das deutschland so enorm in die haftung geht wie es der esm vorsieht und sich damit in seiner existenz gefährdet. der euro austritt der starken länder ist eine möglichkeit den euro als währung zu retten weil die dann im euro verbleibenen länder diesen so abwerten können das es zur wirtschaftleistung ihrer länder passt was ja jetzt nicht der fall ist und einer der hauptgründe für die aktuellen probleme.

    • frame sagt:

      Meiner Meinung nach sind die negativen Bondzinsen quasi das
      Spiegelbild der extrem hohen spanischen und italienischen Zinsen.
      Obwohl Spanien und Italien so hohe Zinsen bieten (müssen),
      können sie doch keine Käufer finden ( – außer der EZB).
      Stattdessen legen die Großanleger noch Geld drauf, um deutsche
      Staatsanleihen zu bekommen.

      Wonach riecht das wohl ?

      Diese Leute wissen was kommt, und sie wollen ihr Geld, soweit möglich,
      zumindest vorläufig in Sicherheit bringen. Dafür nehmen sie den
      negativen Zins, sprich geringe Verluste in Kauf.
      Im Umkehrschluß teilen sie uns dadurch mit, daß der Bankentod und
      Staatsbankrott der Südländer bereits eingetütet ist.

      Gute Nacht ! (…allegorisch)

  4. MIKEMT sagt:

    Auch hier gilt. Die reichen Staaten werden immer reicher. Die Armen werden immer ärmer. Ob sich die Deutschen über diese Entwicklung freuen können, mag man bezweifeln. Der Steuerzahler bekommt nämlich auch keine Zinsen und muss noch die Krise bezahlen. 2,78 % mehr Rente und gleichzeitig 10,5% mehr Pflegekosten ist da nur eines der Sahnehäubchen, die präsetiert werden und nicht gerade in eine rosige Zukunft weisen.
    Die Bevölkerung zahlt eine großzügige Bankenrettung. 90% retten 10%, die weder ein noch aus wissen mit ihrem Vermögen. Damit nutzt der Staat ausschließlich noch den Reichen. Das alles ist nicht von Ungefähr. Zwei Drittel des Kabinett Merkel stammen aus wohlhabenden Kreisen. Sie können sich in Otto Normalverbraucher nicht hinein denken.

  5. FDominicus sagt:

    Blöd, blöder Rudel… Ach ja nicht vergessen Gold wirft keine Zinsen ab eh und „Anleihen“ vom Bund? Äh nein, bitte liefern Sie Ihr Geld beim dt. FA ab.

    Das was die nordischen Staate anklingen lassen ist als unangemessen? Ich schlage Italien sollte Ihre Delebets schnellstens nach Brüssel deportieren.

  6. winfried trautsich sagt:

    Bin mal gespannt, ob Deutschland auch 7 % und mehr Zinsen
    zahlen muss, wenn der ESM-Vertrag beim BVG durchgewunken
    wird.

    LG 🙂

  7. Observer sagt:

    „Sicherer Hafen“ klar doch!