Griechenland: Noch stärkerer Einbruch der Wirtschaft befürchtet

In diesem Jahr wird die griechische Wirtschaft um 6,9 Prozent schrumpfen und die Arbeitslosigkeit auf 23,6 Prozent ansteigen, warnt die griechische Stiftung für wirtschaftliche und industrielle Forschung. Die zwei Wahlen und die falsche Politik haben das Land noch tiefer in die Rezession geführt.

Der vorläufige Bericht der Troika hat bereits einige negative Entwicklungen in Griechenland bemängelt und die Auszahlung der nächsten Tranche auf Mitte September verschoben (hier). Die neue griechische Regierung steht vor großen Problemen. Einerseits hat Griechenland 210 geforderte Auflagen nicht umgesetzt und muss dafür nun auf weitere Finanzhilfen warten. Andererseits will die Regierung um Antonis Samaras unbedingt das ursprünglich ausgehandelte Sparprogramm neu verhandeln. Das Programm, das die Regierung für die desolate Situation im Land verantwortlich macht.

Wie schlecht Griechenland derzeit dasteht, zeigt die neueste Prognose der Stiftung für wirtschaftliche und industrielle Forschung (IOBE), deren ehemaliger Generaldirektor der neue Finanzminister Yannis Stournaras ist. Die Stiftung weist in ihrem Bericht darauf hin, dass sich die Rezession in diesem Jahr weiter verschärfen werde. So soll die griechische Wirtschaft 2012 um 6,9 Prozent sinken und die Staatsverschuldung auf 161,3 Prozent des BIP ansteigen. Im vorhergehenden Quartalsbericht, Anfang April, rechnete die IOBE noch mit einem Wachstumsrückgang von 5 Prozent. Zudem werde die Arbeitslosigkeit in diesem Jahr 23,6 Prozent erreichen (griechische Gewerkschaften rechnen sogar mit 30 Prozent – mehr hier). Das ist deutlich höher als die derzeitige Schätzung der EU-Kommission, die bei 19,7 Prozent liegt.

Die großen Unsicherheiten während der Parlamentswahlen und die noch nicht erreichten Ergebnisse der Verhandlungen mit den internationalen Gläubigern werden die schlechten Konjunkturaussichten des Landes begünstigen, so der Quartalsbericht. Nichtsdestotrotz wies der Vizepräsident der Stiftung, Raphael Moissis darauf hin, dass die Situation nicht unumkehrbar und Griechenland nicht dem Untergang geweiht sei. Je schneller Griechenland realisiere, so der IOBE-Präsident Ulysses Kyriakopoulos, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Landes gestärkt werden müsse, desto schneller werde das Land aus der Krise herauskommen. Das Land sei derzeit auf der Suche nach Lösungen für die falschen Probleme, fügte er hinzu.

In einem separaten Bericht warnte die IOBE zudem davor, dass die bei einem Scheitern der dringend benötigten Privatisierungen das BIP um weitere 1,7 bis 2 Prozent schrumpfen werde und zusätzliche 85.000 bis 90.000 Arbeitsplätze verloren gingen. Eine effiziente Nutzung der staatlichen Vermögenswerte könnte hingegen das BIP stützen und bei der Schaffung von fast 140.000 Arbeitsplätzen helfen, so der Bericht.

Kommentare

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  1. Richard sagt:

    „Je schneller Griechenland realisiere, so der IOBE-Präsident Ulysses Kyriakopoulos, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Landes gestärkt werden müsse, desto schneller werde das Land aus der Krise herauskommen. “

    Ah, die Griechen verfügen auch über eine Variante von Guido Westerwelle.

    Wettbewerbsfähigkeit stärken – prima Idee. Also Wirtschaftsstandort Deuts…äh, Griechenland retten!

    Wie könnte man das machen?

    Lohnzurückhaltung? Niedriglohnsektor? Abbau von Arbeiterrechten…äh, ich meine „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes“? Oder wie wäre es mit Zeitarbeit?

    Alles hervorragende Maßnahmen. Ist D super mit gefahren.

    Ok, die Renten sind weg, die Staatsfinanzen ruiniert, die Arbeitslosenstatistik ein running Gag und die Kinderarmut greift um sich, aber hey, sehn´ wir ´s positiv, dies ist der „Aufschwung“!

    Wie sagt Schäuble immer?

    „Wir sind auf einem gutem Weg!“

    • tomorrow sagt:

      Unsere Staatspolitiker wollen immer nur unser Bestes. Dafür gehört ihnen Respekt!
      Es muss einfach jedem klar sein, dass es uns in Westeuropa wirklich hervorragend geht. Bei uns ist die Not am kleinsten.
      Gemessen an einem Chinesischen Tagelöhner oder einer Sudanesischen Flüchtlingsfamilie.
      Das heißt im Umkehrschluss, es gibt für die Europäischen Bürger noch eine Menge Spielraum, ihre hohen Ansprüche nach unten anzupassen.
      Wohlan liebe Mitbürger, nehmt euch ein Beispiel an den Bauern in Fernost, denn ihr strebt gerade dazu, genauso zu leben.
      In einem Reich von Bauern und Lehensleuten. Der Anfang ist via Personalleasing bereits getan. Das bedeutet, genauso wenig Chance auf ordentliches Leben, wie ein Produktionsroboter Anspruch hat auf bezahlten Urlaub.

      Hoffentlich denken mehr und mehr Leute daran, dass viele Menschen das nicht wollen und vor den Folgen der verfehlten Politik gewarnt haben, wenn sie hungernde Mitmenschen von ihrer Tür verweisen.

      LG

  2. Hannes Rada sagt:

    quote
    Je schneller Griechenland realisiere, so der IOBE-Präsident Ulysses Kyriakopoulos, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Landes gestärkt werden müsse, desto schneller werde das Land aus der Krise herauskommen.
    unquote

    Die kapieren noch immer nicht, daß das Land mit dem Euro nicht wettbewerbsfähig sein kann, da der Aussenwert der Währung für GR viel zu hoch ist.
    Das ist das Grundübel warum Griechenland nach 10 Jahre Euro da steht, wo es jetzt steht. Wenn die weiterhin am Zwangseuro festhalten, wird das Land immer tiefer abrutschen….

  3. Stefan Wehmeier sagt:

    „Die zwei Wahlen und die falsche Politik haben das Land noch tiefer in die Rezession geführt.“

    Diese Hypothese beinhaltet den irrationalen Glauben, dass es eine „richtige Politik“ geben müsste, die ein Land nicht tiefer in die Rezession führt. Es gibt aber keine wie auch immer geartete Finanz- oder Wirtschaftspolitik, um einen sich selbst beschleunigenden Zusammenbruch des Geldkreislaufs (Liquiditätsfalle) und damit der Arbeitsteilung aufzuhalten, solange das Geld selbst fehlerhaft ist. Die „hohe Politik“ kann – stets auf Kosten höherer Staatsverschuldung – den Zusammenbruch nur bis zu einem gewissen Grad hinauszögern.

    Die Finanzkrise und die Krise der hohen Politik
    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-finanzkrise-und-die-krise-der-hohen.html

  4. neuer sagt:

    Der Zeitpunkt für effektive Privatisierungen ist längst verstrichen. Auch hier haben die griechischen Regierungen versagt. Jetzt kann es nur darum gehen, die Griechen aus dem Euro hinaus zu verhandeln.

  5. Uwe Rund sagt:

    Was soll man von einem Berich einer Institution halten, deren Präsident ein Grieche ist und deren Expraesident jetzt Finanzminister ist???

    • Tina sagt:

      Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast (Washington?).

    • gregor.domiz sagt:

      Was ist mit den Erdöl- und Erdgasvorkommen. Mein griechischer Bekannter hat bestätigt, dass es die gibt. Thema wurde vor einger Zeit noch normal in der griech. Presse behandelt. Seit der Krise ist Funkstille?

      • Vanessa_ sagt:

        Genau da wollen sie ran, die Raubritter der Troika! Wenn alles privatisiert ist, dann wird man die Griechen sich selbst überlassen.

        • Julia la prémiere sagt:

          Die wissen schon was sie tun. Die Regierenden sind versorgt, die koennen dann notfalls auch das Land verlassen. Im Gegenzug verspricht man im Euro zu bleiben. Die sind nicht duemmer oder klueger als andere.
          Die Laender sollen ausgeraubt werden. Spanien kommt nun dran.
          Das Ziel ist, die Menschen in die Verzweiflung zu treiben. Sind sie erstmal dort, gehen sie auch fuer einen Euro die Stunde arbeiten.Der Hunger wird sie treiben. Einklagen koennen die Menschen dann nichts mehr, denn alles ist verkauft. Der Kaeufer kann dann ganz gesetzmaessig Gott spielen.