Schweiz droht bei Euro-Crash jahrelange Rezession

Der Schweizer Think Tank BAK aus Basel erwartet selbst im günstigsten Fall gravierende wirtschaftliche Folgen für die Schweiz, sollte die Euro-Zone auseinanderbrechen. Wenn dagegen nur Griechenland austritt, sehen die Analysten kaum Gefahren für die Schweiz

Selbst bei recht günstigen Annahmen bezüglich der potenziellen Rückwirkungen auf das Finanzsystem wären die negativen wirtschaftlichen Effekte eines Euro-Crashs massiv. Zwar ist ein alleiniger Austritt Griechenlands für die Schweiz relativ gut verkraftbar, die davon ausgehende Ansteckungsgefahr auf andere Euro-Staaten oder das globale Finanzsystem bringen aber ein erhebliches zusätzliches Risiko mit sich.

In der Schweiz würde ein Zerfallen der Euro-Zone zu empfindlichen Wachstumseinbußen führen. Zu diesem Ergebnis kommt der Schweizer Think Tank BAK Basel. BAK hat die Möglichkeiten einmal relativ nüchtern analysiert. Allerdings gehen die Schweizer von einer relativ geringen Beschädigung des globalen Handels im Crash-Fall aus – eine Annahme, die umstritten ist, weil unklar ist, ob die Wellen von Verunsicherung und Panik nicht doch deutlich höher schlagen würden, wenn der Euro wirklich zerbricht.

Die BAK-Modellrechnungen ergeben, dass die Veränderungsrate des Schweizer Bruttoinlandsprodukts in den ersten beiden Jahren nach Ausbruch der Krise um jeweils etwa 4 Prozentpunkte unter dem Szenario ohne Euro-Crash liegen würde. Der Wirtschaftseinbruch würde sich zunächst im Außenhandel niederschlagen. Vor allem die Nachfrage aus den fünf möglicherweise austretenden Krisenländern (Griechenland, Spanien, Italien, Portugal, Irland) bräche massiv ein. Deren Anteil an den Schweizer Exporten liegt zusammen bei knapp 14 Prozent. Angesichts der Rezession im gesamten Euro-Raum werde auch die Nachfrage von weitaus gewichtigeren Handelspartnern wie Deutschland zunächst spürbar zurückgehen.

Eine gewisse stabilisierende Wirkung geht nach Einschätzung der BAK-Analysten davon aus, dass im als realistisch angenommenen Szenario vor allem eine Krise der Eurozone und kein Zusammenbruch der globalen Handelsketten wie im Jahr 2009 unterstellt wird. Insgesamt resultiert für die Schweiz in den ersten beiden Jahren des „Euro-Break-Up“ gegenüber dem Basisszenario ein kumulierter Exportrückgang von über 10 Prozentpunkten. Hinsichtlich des Wechselkurses wird wiederum unterstellt, dass die SNB den Mindestkurs von 1.20 Franken zum Euro verteidigen kann, auch wenn dafür erhebliche Interventionen nötig sein dürften.

Nach dem schweren Wirtschaftsschock würden sich die Perspektiven für die Schweizer Wirtschaft im dritten und vierten Jahr nach Ausbruch der Krise zusammen mit der erwartenden Erholung in Europa wieder aufhellen. Trotz dieses dynamischeren Verlaufs liegt das Niveau der gesamtwirtschaftlichen Leistung im Jahr 4 nach dem Crash, aber immer noch um rund 4 Prozent unterhalb des Szenarios ohne Crash. Die gesellschaftliche Dimension dieses unzureichenden Aufholprozesses wird an der zum Ende des Simulationszeitraums immer noch um rund 2 Prozentpunkte höheren Arbeitslosenquote deutlich.

Bei den Auswirkungen eines Austritts von Griechenland bei gleichzeitigem Weiterbestehen der Euro-Zone in ihrer bisherigen Form unterscheidet die BAK-Analyse zwischen direkten und indirekten Effekten auf die Schweiz. Bei den direkten Kosten eines griechischen Zahlungsausfalls ist von einem überschaubaren Rahmen auszugehen. Die Schweizer Exportbranchen sind von der griechischen Entwicklung direkt nur geringfügig tangiert, da der Anteil Griechenlands an den Gesamtausfuhren der Schweiz mit gegenwärtig rund 0.6 Prozent eine klar untergeordnete Rolle spielt.

Gewichtiger sind hingegen die indirekten Folgen und Zweitrundeneffekte eines Griechen-Austritts. An erster Stelle ist hier die Verschlechterung der Auftragslage zu nennen, da die zu erwartende Wachstumsdelle in der Eurozone natürlich auch die Nachfrage nach Schweizer Gütern bremst. Zudem wird sich die temporär ansteigende Unsicherheit auch in einem sinkenden Verbrauchervertrauen und einer abnehmenden Investitionsbereitschaft der Unternehmen niederschlagen.

Hinsichtlich des CHF/EUR-Kurses kommt es nach BAK-Einschätztung zunächst zu einer Verstärkung des Aufwertungsdrucks, weshalb die SNB zu vermehrten Währungsinterventionen gezwungen sein werde. Die Analysten rechnen jedoch damit, dass die Schweizer Nationalbank weiterhin die Untergrenze von 1.20 CHF/EUR erfolgreich verteidigen kann. Unter der Voraussetzung, dass ein Kollaps des internationalen Finanzsystems ausbleibt, erwartet BAK Basel sogar eine Abwertung des Franken gegenüber einem Euro ohne Drachme.

Kommentare

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  1. jürgen schamützel sagt:

    Hallo,

    locker bleiben in einem jahr ist der Kurs : 1 Euro ……………..1,85 Schweizer franken

    das freut den kreditnehmer der sich nicht von den Banken verarschen lässt

    Mfg.

  2. jürgen sagt:

    der schweizer franken ist um 50 prozent überbewertet!

    ein kurs von 1 zu 1,70 wäre real ( 1 euro ist real 1,70 franken wert !!!!!)

    so sieht es aus

    jürgen

  3. Heinrich Elsigan sagt:

    These laut Nikolaus Kowall, der ich zustimme:
    Sind die Privatvermögen > Staatsschulden in einem € Land, ist die Bonität dieses Landes noch besser.
    [Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=aROOMxEHQ7s

    Gedankenexperiment:
    Transferieren jetzt wirklich fast alle Reichen der €-Zone und zwar fast all ihre privaten Vermögen in die Schweiz und wechseln von € in SWF und entziehen sich somit jediglicher Steuer der €-Zone, wird das wahrscheinlich zum Großteil durch Geldschöpfung der EZB kompensiert werden, damit das Land nicht heruntergeratet wird! Das würde nämlich wahrscheinlich passieren, wenn es dann mehr Staatsschulden in Summe als private Vermögen im Land gibt.
    Die Menge der SWF in der Schweiz entspräche dann aber nicht mehr der Wirtschaftskraft der Schweiz und seit dem Ende des Bretton Woods und mit Beginn der flexiblen Wechselkurse heisst das meiner Meinung nach wirtschaftlichen Regeln dann: *Inflation des SWF in der Schweiz*

    Bei starken SWF könnte nämlich ein großflächiger Transfer passieren und das hätte dann die erwartete Hyperinflation in Europas Ländern als Folge.

    Stimmen sie dem zu oder sind sie anderer Meinung?

  4. Haikubehindert sagt:

    Die Prognosen des BAK sind der Schönwetterdienst der Schweizer Wirtschaft.
    Bei negativen Prognosen ist man weit vorsichtiger als bei positiv zu erwartenden Entwicklungen.