Hollande zu Peugeot: Staat wird Stellen-Streichungen nicht akzeptieren

Francois Hollande hält die angekündigten Stellenstreichungen bei Peugeot für „inakzeptabel“. Der Umstrukturierungsplan müsse neu verhandelt werden. Die Regierung will den Standort Aulay als Industriestandort erhalten. Die französischen Autobranche soll besonders gestützt werden.

Die Ankündigung Peugeots, weitere 6.500 Stellen zu streichen und das Werk in Aulay am Stadtrand von Paris zu schließen (hier), setzt die französische Regierung massiv unter Druck. Schließlich sind die Sozialisten mit dem Versprechen in den Wahlkampf gezogen, die französische Industrie zu beleben und Fabrikarbeitsplätze zu schützen. Die Entscheidung Peugeots sei „inakzeptabel“ und der Umstrukturierungsplan „müsse neu verhandelt werden“, sagte Francois Hollande in einem Fernsehinterview anlässlich des französischen Nationalfeiertags.

Die Schließung von Aulay wäre die erste seit 20 Jahren dieser Art in Frankreich. Die Gewerkschaften forderten die Regierung bereits auf, die Pläne des Autoproduzenten zu stoppen. „Der Staat werde das nicht akzeptieren“, stimmte der französische Präsident in die Kritik der Gewerkschaften ein. Er gab jedoch zugleich an, dass er nicht in der Lage wäre, die Stilllegung Aulays zu stoppen. Aber „wir können sicherstellen, dass Aulnay ein Industriestandort bleibt“. Darüber hinaus verlangte er eine Garantie für die Zukunft des Peugeot-Werkes in Rennes – im Westen des Landes.

Die vor kurzem von französischen Unternehmen kritisierten hohen Arbeitskosten, die die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen, nannte auch Peugeot als einen der Gründe für die Entscheidung. Dies sei jedoch „zu einfach“, machte Francois Hollande deutlich. Vielmehr habe es im Unternehmen „strategische Entscheidungen gegeben, die nicht gut gewesen sind“. Und auch das Verhalten der Aktionäre, die sich selbst Dividenden ausgezahlt hätten, habe zu den Problemen beigetragen.

Peugeot müsse die geplanten Stellenkürzungen reduzieren, forderte Francois Hollande. Der Staat werde nicht einfach zusehen. Außerdem rügte der französische Präsident den Autoproduzenten, den Sanierungsplan absichtlich in der Amtszeit Nicolas Sarkozy zurückgehalten zu haben. Auch Finanzminister Pierre Moscovic sprach davon, das Ausmaß der Stellenkürzungen zu reduzieren. Der Staat könne in Verhandlungen gewisse „Hebel“ anwenden, sagte er der Zeitung „Le Parisien“.

Am 25. Juli wird die französische Regierung einen neuen Plan zur Unterstützung der nationalen Autoindustrie vorstellen. Die Konsumenten sollen dadurch dazu gebracht werden, sparsamere ,in Frankreich produzierte Autos zu kaufen. Immerhin, so Francois Hollande, sei die französische Autoindustrie führend in der Herstellung von Fahrzeugen mit umweltfreundlicherer und Hybrid-Technologie. „Wir sollten sicherstellen, dass solche Fahrzeuge einen Startvorteil haben.“ Kredite sollen zur Verfügung gestellt und die Forschung vorangetrieben werden. Aber auch staatliche Einrichtungen, Kommunen und Gemeinden sollen diese Autos verstärkt kaufen.

Hier das Interview in voller Länge und französischer Sprache

Kommentare

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  1. Andy sagt:

    Wahrscheinlich sollen die Aktionäre noch bezahlen, anstatt aus dem Gewinn Dividende zu beziehen. Die Arbeiter soll man auch bezahlen, damit sie Überproduktion auf Halde abliefern? Man muss wohl ein Sozi sein, um dieses Geschwätz zu kapieren…

  2. hugin sagt:

    ALLGEMEINES ABWIRTSCHAFTEN
    Politiker haben noch nie gewirtschaftet sondern immer nur AB-gewirtschaftet ! Die „Leistung“ der Politiker besteht hauptsächlich aus Wortschöpfungen: „Zukunftsinvestitionen“, „Innovationsschub“, „Technologieoffensive“, „Synergieeffekt“ und anderen nicht greifbarem Geschwafel. Unbedeutende Tatsachen werden mit imposannten Formulierungwen groß aufgeblasen, um von unlösbaren Problemen abzulenken. Politiker welche nur zu Festen winken, Orden und Ehrungen verteilen, sowie sich gegensweitig beweihräuchern brauchen wir nicht!

  3. Bernd das Brot sagt:

    Wenn schon einer derart gezielt mit seinem Körper spricht, will er seine „wahre Körpersprache“, die ihn verraten kann, verdecken. Schauen wir uns den „Roten Kommissar“ Schulz an, oder Barroso, oder Lagarde. Die Körpersprache, die zur Tarnung und Verschleierung, vor unserem natürlichen, Unterbewußtsein, dienen soll, verrät diese Leute, letztendlich. Alle oben genannten, verfolgen ganz andere Ziele, als sie vorgeben.

  4. bendix sagt:

    Machen Sie sich einfach selbständig und gründen eine Firma. Sie können dann Autos bauen und produzieren und können Ihr Auto dann auch „Hollande“ nennen. Und natürlich könnten Sie auch die entlassenen Peugeot-Arbeiter einstellen. Ganz einfach, oder? Und bitte nicht vergessen, die EU – Fördermittel ( deutsches Steuergeld ) müssen Sie vor der Gründung Ihrer Firma beantragen, ist nur eine reine Formsache.

  5. Michele sagt:

    François Hollande: Kredite sollen zur Verfügung gestellt werden…

    Kredite sind nach Adam Riese Schulden. Das Schuldenmachen nimmt wie in ganz Europa den gewohnten Lauf… 🙂 🙂

    • Michele sagt:

      Bei Negativzinsen (real) stecken natürlich Geschenke darin. Doch irgenwann kommt der Zeitpunkt der Schuldentilgung!

  6. Sozialkritiker sagt:

    Der Staat kann das nicht akzeptieren. So so.

    Wenn der Staat in die Wirtschaft eingreift, ist das das Ende des Kapitalismus. Ganz einfach gesagt. Dann sitzen wir bald mitten im Kommunismus. Oder Faschismus.

    Tatsache ist, dass keiner der Autoriesen erklaeren will, warum deren neuen Kisten nach 10 Jahren zum Schrott gehoeren, Autos aus den 70er und 80er heute aber immer noch fahren.

    Dort muesste man mal ansetzen. Dann faellt die Neukarre alle 5-10 Jahre eben weg, und das Geld fliesst in sinnvollere Dinge. Oder die Profitmargen der Autoriesen werden kleiner, was auch nicht schlecht waere.

    Aber, bevor die Grossen das aendern, gehen sie lieber in den Untergang. Je mehr sie naemlich Personal abbauen, desto weniger setzen sie ihre Wagen ab. Eine ganz einfach zu verstehende Sache.

    Und da kann auch die Grande Nation nichts dran aendern.

  7. tomorrow sagt:

    Wenn die Kredite der Banken, bei negativen Aussichten auf die Europäische Wirtschafts- und Finanzstruktur nicht mehr ausreichen oder zu teuer sind, setzt man die öffentliche Hand unter Druck, in dem man damit droht, tausende Leute in die Sozialhilfe zu entlassen.
    Und schwupp, wie durch Zauberhand, sehen sich ehrbare Politiker in der Lage, einen Industriezweig mit Steuergeldern zu überschütten, dessen Innovationskraft seit Jahrzehnten auf niedrigem Niveau liegt und der sich durch Joint-Ventures und Auslandsinvestitionen bereits einen goldenen Handschlag auf Kosten der Allgemeinheit geholt hat. Man darf daran erinnern, dass die Fahrzeugindustrie EU-Investitionsgelder und Steuergeschenke in Milliardenhöhe „gesponsert bekam“ als gleichzeitig hierzulande zehntausende Arbeitsplätze gestrichen, sowie etliche weitere durch Roboter ersetzt wurden. Das GM/Opel-Dilemma läuft in Deutschland schon lange und besonders eindrucksvoll seit der Finanzkrise 2008. Andere Hersteller argumentierten schon weit vorher mit der Standortsicherung. Geblieben ist das gerade eben notwendigste Engagement auf Seiten der Hersteller, wobei die Kosten-Lasten auf die Zuliefererkette und wiedermal – die Allgemeinheit verteilt werden. So gesehen werden die Mechanismen der Umverteilungsstrategie deutlich, indem weiter Maßnahmen ergriffen werden, die lebensnotwendigen Löhne unter das sozialverträgliche Maß zu drücken. Weiteres Lohndumping führt zur „Aufstockung“ der Löhne. Weitere Hilfsmittel um die Lohn- und Nebenkosten zu senken, sind natürlich Werkverträge oder Leiharbeiter.
    Wie angenehm es ist, Automobilaktien zu besitzen und Dividenden zu erzielen, zeigt sich wie bei jedem Industriezweig, der durch Hilfsgelder der Krise trotzt.

    Aber so ist das in der Wertschöpfungskette. Wenige schöpfen die Werte ab und der große arbeitende Rest liegt an der Kette und ist erschöpft.