Italienische Schuldenagentur greift in Zinsentwicklung ein

Kurz vor dem Downgrade des Landes soll die Chefin der italienischen Schuldenverwaltung die großen Banken Intesa und UniCredit unter Druck gesetzt haben, Anleihen zu kaufen. Das Beispiel zeigt, dass die Libor-Manipulationen kein Einzelfall sind, sondern dass sich Politiker weltweit ziemlich schamlos in die Abläufe an den Märkten einmischen.

Es war eine unerwartet gute Auktion am vergangenen Freitag für das italienische Finanzministerium. Trotz der Herabstufung des Landes konnte Italien dreijährige Anleihen zu deutlich niedrigeren Zinssätzen als bei einer vergleichbaren Auktion Mitte Juni emittiert werden. Die italienische Zeitung MF-Milano Finanza berichtete am Dienstag über die Hintergründe der Auktion.

Der Zeitung zufolge soll die Direktorin der italienischen Schuldenverwaltung, Maria Cannata, italienische Banken zum Kauf von Staatsanleihen aufgefordert haben. 12 Stunden vor der Veröffentlichung informierte die Ratingagentur Moody’s Maria Cannata über das Downgrade. Die Direktorin soll daraufhin bei den großen italienischen Banken UniCredit und Intesa angerufen haben. Sie informierte die Banken über das drohende Downgrade und soll versucht haben, die Banken dahingehend unter Druck zu setzen, die Nachfrage der Auktion am Freitag zu stützen, damit die Zinssätze nicht aus dem Ufer laufen.

Maria Cannata dementierte nun die Vorwürfe der Zeitung. „Die Käufe der italienischen Banken haben im Einklang mit unseren Auktionen“ gestanden, sagte sie dem WSJ. Eine genaue Angabe, wie viele Anleihen die italienischen Banken gekauft haben, wollte sie allerdings nicht machen. Die Sprecher von Monte die Paschi, Intesa und UniCredit wollten weder den MF-Bericht noch die Aussage von Maria Cannata kommentieren.

Die Informationen, die sie von Moody’s erhalten habe, seien „absolut vertraulich“ gewesen, aber die Spekulationen seien „außer Kontrolle geraten“, sagte Maria Cannata dem WSJ. Der Herausgeber der MF, Osvaldo de Paolini, reagierte in einem Schreiben auf die Aussagen der Direktorin der Schuldenverwaltung: Der Bericht beruhe auf verlässlichen Quellen.

Wie die spanischen Banken unterstützen auch die italienischen Banken den Staat seit geraumer Zeit mit dem Kauf von Anleihen. Große Teile der EZB-Tender sind dafür draufgegangen. Die Verflechtung zwischen Staat und Banken, die die EU eigentlich durchbrechen will, spielt hier eine sehr große Rolle und bürgt zugleich ein Risiko für die Banken des Landes. Allein UniCredit hält italienischen Staatsanleihen im Wert von 40 Milliarden Euro, so der Geschäftsführer Federico Ghizzoni. Doch die finanziellen Mittel der Banken zur Stützung der Anleihen neigen sich dem Ende, was den direkten Schritt Maria Cannatas erklären könnte.

Es sind eben nicht nur die Banken, die die Zinsen manipulieren. Ähnlich wie im Falle Maria Cannate, hatte auch bei der Libor-Manipulation die Politik ihre Hände im Spiel. Aus einer Notiz des zurückgetreten Chefs von Barclays, Bob Diamond, ging hervor, dass er in einem Telefonat vom dem stellvertretenden Gouverneur der Bank of England, Paul Tucker, motiviert wurde, die Zinsmeldung von Barclays niedrig zu halten. Dieser soll gesagt haben, dass er die Anweisung zu dieser Anweisung von ganz oben erhalten habe (mehr hier).

Kommentare

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  1. Albatros sagt:

    Der Enthüller des LIBOR-Skandals, Robert Holmes,
    ist der Vater des Batman-Amokläufers.
    Hintergründe dazu unter:

    http://www.politaia.org/finanzterror/das-batman-massaker-und-seine-hintergrunde/

  2. otto936 sagt:

    Italienische Banken kaufen auf „Wunsch“ der italienischen Regierung italienische Anleihen die dann bei der EZB als „Sicherheiten“ hinterlegt werden um an neues Kapital zu kommen.
    Was im Endeffekt nichts anderes ist als das Geld gleich selbst zu drucken. Was für eine Ver….

    Und reichts trotzdem nicht – der Bundestag hilft gerne. Freunde helfen Freunden.

  3. Albert Albern sagt:

    Die Märkte müssen GEREGELT werden, genauso wie der Straßenverkehr!

    Und das OHNE Einmischung der Märkte – der Lobbyisten!

    Die Märkte mischen sich in die Politik ein, die Politik mischt sich in die Märkte ein, was soll der Chaos, nichts ist mehr heilig, die GESETZE werden mit Füßen getreten…

  4. Tom sagt:

    Wer hat’s erfunden ? Nein, nicht die Schweizer, sondern Herr Ponzi. 😉 Perfektioniert durch „Bernie“ Madoff. Aber letztendlich wird auch dieses Welt größte Kartenhaus in sich zusammenfallen, spätestens wenn Deutschland Pleite ist oder die „Bescheisser“ anfangen sich gegenseitig zu bescheissen. Zur Zeit ziehen sie ja noch am selben Strang.

  5. Wirtschaftsinteresse sagt:

    Aber der Goldpreis ist trotz paradox niedrigem Stand nicht manipuliert. Na klar.
    Wenn die Politik in diesem nachgewiesenen Maß Kurse manipuliert (auch wenn auf der Bankenseite große Bereitwilligkeit herrscht, weil man Angst vor dem Vergleichseffekt hat), dann machen die das mit absoluter Sicherheit auch beim Gold.

    Also ist der Goldwert viel höher als angegeben.

    Man kann das verteufeln oder als letzte gute (subventionierte) Einstiegschance sehen (vgl. Kursdeckelung des SFR durch die SNB). Denn so kriegt man umgerechnet mindestens die Mehrwertsteuer bzw. Umtauschgebühren wieder zurück.

    Mein gewährfreier Tipp:
    1) ab einem Vermögen von 200.000 EUR: 50% in (am besten selbstgenutzte) Immobilien, 25% in Gold, 22% in SFR und mindestens 6.000 EUR in bar.
    > Einschub:
    Allerdings bin ich mir über die Auswirkungen zu Immobilienwerten (nicht Preisen in EUR, das ist dann kein Wertmesser mehr) nicht ganz im Klaren. Vermutlich sind Immobilien in einer schweren Versorgungskrise ebenfalls niedrig. So dass der Wert erstmal ebenfalls enorm abfällt. Langsfristig aber wieder steigen wird. Der persönliche Wert einer sicheren Behausung muss persönlich berechnet werden. Bei einer Einschätzung des Vermögensbesitzers entsprechend dieser Erwartung ohne residentieller Absicherungspriorität sollte er eher Tipp 2) berücksichtigen.
    2) unter einem Vermögen von 200.000 EUR: 50% in Gold, 47% in SFR und mind. 6.000 EUR in bar.
    3) bei einem Vermögen von unter 10.000 EUR: höchstens 7.000 in SFR oder Gold und mind. 3000 EUR in bar.
    4) bei einem Vermögen von unter 5.000 EUR: höchstens 2000 EUR für langlebige Konsumgüter ausgebenund mind. 3000 EUR in bar belassen.
    5) bei einem Vermögen von unter 3000 EUR alles in bar belassen.

    „bar“ heißt niemals auf dem Konto oder sonst wie bei der Bank – auch nicht Bankschließfach, sondern selbst gesichert.

    An alle: Lebensmittelvorräte für 1 (besser: bis 3 Monate) ohne oder mit unabhängigem Zubereitungs- und Lagerenergiebedarf. Das kostets einmalig nochmal je nach Familiengröße und Qualitätsanspruch 200 – 1000 EUR. das kann aber jeder der will schultern. Wer sich etwas unsicher über die anstehenden Umbrüche ist, kauft haltbare Notvorräte, die er/sie auch nach und nach in den normalen Verbrauchsprozess verzehren kann. Also größere weggelagerte Mengen eh schon benutzter Produkte (allerdings müssen diese den o.g. Kriterien entsprechen).

    Risikospanne:
    – ExtremX: die Krise fällt aus, Verlust von bis zu 30% in EUR (Goldpreis kann sich bis zu halbieren, Immobilien und SFR-Preis sinken etwas),
    – MittelY: schleichende aber hohe Inflation (4-8% pro Jahr durch Geldmengensteigerung und Entwertung): entsprechender Gewinn in EUR/ Jahr – tatsächlich Werterhalt.
    – ExtremZ: der Euro bricht zusammen, Werterhalt bis extreme Aufwertung durch einzig verbliebene Geld- bzw. Geldersatzmittel (Mechanismen der Deflation).

    Die Wahrscheinlichkeit des Ernstfalls als mittleres bis extremes Risiko ist sehr hoch. Aber das Risiko bei ausbleibendem Ernstfall verschmerzbar. Niemand verliert gerne 30%, aber bis zu 100 % sind eine ganz andere Nummer. Und die Wahrscheinlichkeit, dass es zu den 30% Verlust kommt, ist deutlich geringer, als dass es im Werterhalt bleibt bzw. zu enormen Deflationswertsteigerungen kommt.

    Und einen großen Tresor (mind. Sicherheitsklasse B) ca H 160cm und B 40 cm. Gibt’s für 3-400 EUR.

    Das ganze entspricht meiner Einschätzung basierend auf meiner Risikoberechnung, allgemeinen Wirtschaftsbeschäftigung (Studium der Wirtschaftssoziologie), Geldtheorie-Verständnis, historischer Erfahrung bzw. Studium, menschlicher Psychologie und politischer Kenntnis ist aber keine Garantie.

  6. Odin sagt:

    Es wird so lange getrickst und manipuliert,bis es nicht mehr geht,dann kommt der grosse Knall,aber das dauert noch!

  7. Goldman Ex-Kollege sagt:

    Linke Tasche Rechte Tasche Hütchenspielermafia

  8. FDominicus sagt:

    Ist Politik nicht wunderbar. Gesetze nur für Bürger nicht für Parlamentarier. Straffreiheit für Verbrechen die Private für lange Zeit in’s Gefängnis bringen. Kontrolle über alle Bürger auf dem Staatsgebiet und freier Zugriff in eben alle Geldbeutel der Bürger. Also für Politiker ist das sicher die beste aller Welten. Nur die blöden Bürger stören da noch….

  9. Henker999 sagt:

    Und die deutsche Schuldenagentur hätte noch nie Marktpflege betrieben ?
    Und die deutschen Entscheidungen haben nichts damit zu tun, dass man mittlerweile von der Krise leben kann zum Negativzins.

    Ein mehr als lächerlicher, unredlicher Kommentar.