Trotz Investitionsproblemen: Wachstum im US-Bausektor

In den USA können private Investoren die Finanzierungsprobleme des Staates ausgleichen. Das Knowhow deutscher Unternehmen ist bei öffentlichen Aufträgen in Übersee ein klarer Wettbewerbsvorteil.

In den USA herrscht großer Investitionsbedarf in Infrastruktur-Projekte. Germany Trade & Invest (Gtai) geht davon aus, dass der Sektor Infrastruktur in diesem Jahr um 4 % wachsen wird. Vor allem der Energiesektor, der Umweltschutz und die Wasserwirtschaft werden dieses Wachstum tragen.

Anfang Juli wurde auch die Finanzierung weiterer Straßen- und Bahnbauprojekte beschlossen. Mit der Verlängerung der Federal Transportation Bill werden bis September 2014 weitere 100 Milliarden Dollar in den Ausbau des Straßen- und Schienennetzes investiert. Wie deutsche Vertreter in den USA bestätigen, sind diese Investitionen auch dringend notwendig.

Von den neuen Investitionen profitieren auch deutsche Unternehmen: „Wir sind mit der Tochtergesellschaft Flatiron im US-Straßen- und Brückenbausektor tätig. Die Gesellschaft zählt zu den 10 wichtigsten Unternehmen in diesem Segment. Sie ist auch beim Bau von Bahnstrecken engagiert. Darüber hinaus werden wir künftig auch in den Energiesektor (Leitungs-trassenbau und Offshore-Windparks) in den USA mit Flatiron einsteigen“, sagte Christian Gerhardus von der Hochtief AG den Rödl Business News. Hochtief hält die Bereiche Verkehrsinfrastruktur sowie Energieinfrastruktur für sehr aussichtsreich. Um von Aufträgen der öffentlichen Hand profitieren zu können, müssen ausländische Unternehmen meist Tochterfirmen in den USA gründen.

„Deutsche Unternehmen haben Aufgrund ihrer Expertise einen Wettbewerbsvorteil. Dies gilt vor allem auch für Beratungsunternehmen“, sagte Dr. Christoph Schemionek, vom Verbindungsbüro des DIHK und BDI in Washington (RGIT), im Gespräch mit den Rödl Business News.

Die Finanzierung der Projekte bleibt jedoch eine große Herausforderung. Durch den unausgeglichenen Haushalt hat der Staat zu wenig Mittel, um alle anstehenden Investitionen zu tätigen. Die American Society of Civil Engineers geht davon aus, dass alleine im Jahr 2011 eine Finanzierungslücke von 179 Milliarden Dollar auftrat. In den kommenden 5 Jahren müssten dem Verband der US-Ingenieure zufolge eigentlich 440 Milliarden Dollar in die Infrastruktur investiert werden.

„Teilweise wird diesem Bedarf in den USA mit dem Einstieg in Public-Private-Partnership-Projekte (PPP) begegnet, wie es beispielsweise in Kanada bereits sehr erfolgreich unternommen wird. Dies halten wir für eine positive Entwicklung, von der Hochtief sicherlich profitieren wird“, sagt Christian Gerhardus.

Erst in der vergangenen Woche hat das deutsche Bauunternehmen den Zuschlag für ein Public-Private-Projekt erhalten: Es wird gemeinsam mit seiner Tochtergesellschaft und einem Infrastrukturfonds eine neue Zufahrtsstraße zur Golden-Gate-Bridge in San Francisco, Kalifornien, planen und umsetzen. Der Auftrag umfasst an die 800 Millionen Euro.

Solche Partnerschaften zwischen Staat und Unternehmen sind indes die Hoffnung der US-Bauwirtschaft: Gtai rechnet damit, dass der verstärkte Einbezug von privaten Investoren den Infrastrukturbau auch in den kommenden Jahren zu guten Ergebnissen verhelfen wird: Von 2013 bis 2015 geht Gtai in diesem Bereich von einem Wachstum zwischen 7 und 9 % aus.

Kommentare

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  1. Helmut sagt:

    „…Das Knowhow deutscher Unternehmen ist bei öffentlichen Aufträgen…“
    Damit ist aber bestimnmt nicht die Termintreue oder das technische Wissen gemeint. Einige Beispiele gefällig ? U-Bahn Köln, Containerhafen Wilhelmshaven, Flughafen Berlin .
    Vermutlich sind die US-Plolitiker begeistert über die Vielzahl von innovativen Einnamemöglichkeiten.

  2. Saila sagt:

    Das US-Lügengebilde muss man nicht mehr kommentieren.

    Genau von den USA kamen die ganzen faulen Probleme, welche zur Finanzkriese führten.

    Faule Immobilienkredite verschachert ins Ausland und übrigens hat das Spanien sehr gut nachgebildet!! – nur hat es Spanien verpennt, diese faulen Kredite ins Ausland zu verkaufen 🙂 Und dann gab es so irrwitzige Landesbanken, welche diese nachweislichen Schrottpapiere auch noch kauften. Es versteht sich von selbst, dass hier die Politik eine äusserst wichtige Rolle inne hatte und hat, dass die USA ihren Müll abladen konnten.

    Naja ……………….. es muss dringend etwas geschehen ……………….

  3. Geronimo sagt:

    Das „Wenden der Blätter“ ist reiner Ettikettenschwindel, denn ebenda wird halt nun in die andere Richtung „zensiert“:

    Meine Kritik zu Gabriel’s „Kampfansage“ wurde wie folgt quittiert:

    Hallo Geronimo,

    Ihr Beitrag: Actions speak louder than words
    Mit derart populistischem Geschwafel entlarvt sich dieser „Politiker“ selbst als vorsätzlicher Lügner, dem Wahlvolk so viel Dummheit zu unterstellen ist schlichtweg eine Beleidigung! Aber anscheindend sind wir das von seiten der „Eliten“ ja schon längst gewohnt – leider!!

    wurde von uns nach Prüfung durch einen Administrator nicht veröffentlicht.

    Die Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben können, entnehmen Sie bitte unserer Netiquette:
    http://www.focus.de/community/netiquette

    Eine Erläuterung der Ablehnung ist aus personellen und zeitlichen Gründen nicht möglich.

    Ihr FOCUS-Online-Administrationsteam

  4. Richard sagt:

    Der Artikel ist tatsächlich irritierend.

    Und das aus zwei Gründen:

    1. Hochtief ist an sich kein deutsches Unternehmen, sondern gehört mit rund 54 % Aktienanteil einem spanischen Konzern ACR sowie 10 % der Quatar Holding Luxenbourg. Deutsch sind da vielleicht noch vereinzelt die Ingenieure und der Vorstandsvorsitzende.

    2. Diese „Public-Private-Projekte“ (PPP) sind eine gaaanz fragwürdige Masche von Investmentbankern vom Stile eines Nicolas Berggruen, welche darauf hinausläuft, Städte oder Länder richtig über den Tisch zu ziehen.

    Das Hütchenspiel läuft so ab:

    Eine Firma wird gegründet. Mit dieser Firma geht die Stadt oder das Land einen Vertrag ein. Darin überläßt sie der Firma ein Grundstück oder Gebäude zur Sanierung, Instandhaltung oder dem Bau sowie der Instandhaltungsarbeiten. Im Gegenzug zahlt sie z.B. 25 Jahre Miete. Klamme Kommunen sourcen so praktisch staatliche Bauprojekte aus.

    Und dann kommt der Haken: Diese Firma verkauf ihren Mietforderung gegenüber der Stadt an einen Investmentbanker und verschwindet. Damit entledigt sie sich ihrer Verpflichtung, das Bauwerk über 25 Jahre instand zu halten. Die Stadt hingegen ist 25 Jahre verpflichtet, gegenüber der Bank Miete zu zahlen und bleibt auf den Instandhaltungskosten sitzen. Der Vertrag ist von diesen Hütchenspielern so geschrieben, dass die Stadt dem nicht widersprechen kann.

    Im Privatbereich würde der Volksmund das Trickbetrug nennen.

    Dass die DMN dieses Spiel in ihrem Artikel eher positiv darstellt – ist wie gesagt irritierend.

  5. Observer sagt:

    Leute merkt ihr was?
    Ranking im online Blaetterwald!

    Die DMN, aus welchen Gruenden auch immer, sind schon einige Zeit im Fahrwasser der Mainstream Presse. Kritische Berichterstattung Fehlanzeige allenthalben und zunehmend!
    Genau umgekehrt ist es beim Handelsblatt, da wendet sich das Blatt so langsam! Ehrlich gesagt, da ist mir dieses ehemalige Mainstreamblatt zwischezeitlich um einiges sympatischer! Wie ich an der drastischen Abnahme der Kommnetare hier sehe, stehe ich da mit meiner Meinung nicht alleine, im Gegenteil!
    Na ja, wird ja sowieso voellig umsonst sein dieser Kommentar, denn ich bin sicher, das geht nicht durch die Zensur!

    • Observer sagt:

      Na, trotzdem vielen Dank DMN, war ja ne ganze Zeit ganz in Ordnung, aber ich verstehe, das Blatt kostet Geld und die Macher muessen halt auch leben!

  6. Werner sagt:

    Ob Geschäfte mit einer bankrotten amerikanischen öffentlichen Hand das gelbe vm Ei sind erscheint doch sehr zweifelhft . In China sind auch gigantische Infrastruktur-Investitionen nötig . Und China kann bezahlen (z.B. mit § 2 Billionen US-Treasury-Bonds). Ganz zu schweigen von den Ölscheichs und dem Iran . Schätze da lassen sich viel bessere Geschäfte machn als mit einer bankrotten amerikanischen öffentlichen Hand.

    mfg. Werner

  7. Alfi sagt:

    Das ist doch kein Wachstum…

    das sind Flickschustereien an/in einer vollkommen maroden Infrastruktur (wie bei uns in der BRDDR).

    DAS rettet es auch nichts mehr – allenfalls verzögert es…

    • nicht von Bedeutung sagt:

      Retten, retten, retten…
      RETTEN?
      Was soll insgesamt noch zu retten sein, wenn es schlichtweg um Zehnerpotenzen mehr virtuelles Geld/Schulden als Güter/Dienstleistungen gibt?
      Der Zug ist schon lange abgefahren. Es gibt nur eine dauerhafte Lösung:
      Umkehrung der Vermögenskonzentration der letzten Jahrzehnte (bzw. global betrachtet Jahrhunderte), alles andere lässt sich nur mit immer mehr Gewalt erzwingen und wird nie in einem stabilen gesellschaftlichen Zustand münden.