Zypern: Bailout fällt höher als erwartet aus

Zur Rekapitalisierung des Bankensektors will die Troika Zypern neun Milliarden Euro zur Verfügung stellen und für den Finanzierungsbedarf des Staates vier Milliarden Euro. Die erste Auszahlung wird jedoch nicht vor Oktober kommen. Bis dahin leiht sich Zypern Geld von staatlichen Unternehmen – der Zugang zum Finanzmarkt ist verwehrt.

Am Montag traf die Delegation der Troika in Zypern ein, um die Lage des Landes zu evaluieren und den Finanzbedarf für den Bailout des Landes festzulegen. Bisher war von10 bis 12 Milliarden Euro die Rede gewesen. Doch wie das WSJ von Regierungsvertretern erfahren hat, wird Zypern für die Rekapitalisierung der Banken rund 9 Milliarden Euro erhalten und für den eigenen Refinanzierungsbedarf etwa 4 Milliarden Euro. Bis Freitag werden die Verhandlungen weitergehen.

Zudem sagten die Beamten, dass die zypriotischen Banken, die schwer von der Krise in Griechenland betroffen waren, bald mit einer steigenden Anzahl von Problemkrediten konfrontiert werden würden. Die wirtschaftliche Rezession in Griechenland und Zypern macht es für zunehmend mehr Kreditnehmern unmöglich, die geliehenen Gelder zeitnah bzw. überhaupt an die zypriotischen Banken zurück zu zahlen.

Da die Finanzhilfe von den internationalen Kreditgebern aber nicht vor Oktober eintreffen wird, ist der zypriotische Staat schon jetzt auf anderweitige Kredite angewiesen, um die operativen Anforderungen zu erfüllen und einen drohenden Liquiditätsengpass zu vermeiden. Vergangenen Montag nahm die Regierung bei staatlichen Unternehmen Kredite in Höhe von 500 Millionen Euro auf. Mit zypriotischen Banken wurde indes vereinbart, die Laufzeit der auslaufenden Kredite zu verlängern.

Zypern ist effektiv vom internationalen Schuldenmarkt ausgeschlossen. Die Rendite für zehnjährige Anleihen eigen bei rund 13,65 Prozent. Unterdessen gehen auch die Verhandlungen über einen bilateralen Kredit in Höhe von 5 Milliarden Euro zwischen Zypern und Russland weiter. Regierungsbeamten zufolge stehe eine Einigung unmittelbar bevor. Zypern hoffe, dadurch die eigene Verhandlungsposition gegenüber der Troika verbessern zu können.

Kommentare

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  1. Atreides sagt:

    Höher als erwartet? Wäre es nicht so traurig, könnte man sich biegen vor Lachen! Wie kann man denn bei Griechen die Erwartungen niedrig ansetzen? Die sind doch Weltmeister im Geldversenken.

  2. robert klinger sagt:

    herr stefan wehmeier:die hohe kunst von nichts alles zu wissen wurde von priestern entwickelt,ist nicht ganz richtig. in der heutigen zeit nennt und lernt man in der schule:moderne angepasste algebra /mengenlehre /mengenleere. MAN NEHME EINEN HAUFEN NICHTS UND NIMMT VON DIESEM HAUFEN NICHTS NICHTS WEG UND BEKOMMT DARAUS DIE SCHNITTMENGE NICHTS.

  3. MN sagt:

    Tja, so ist eben, wenn man Parties finanziert und sich die Gastgeber nicht näher anschaut.

    Die Frage ist nur: Warum soll das Otto-Normal in Deutschland nun bezahlen? Die wurden schließlich auch nicht am Zins- und Zinseszinskuchen beteiligt.

  4. Charly Firpo sagt:

    Das einstige Steuerparadies und Land des unbegrenzten, leistungslosen und verbrecherischen Geldvermehrs ist der Zugang zu den Kapitalmärkten verwehrt. Schöne Realsatire!

  5. Stefan Wehmeier sagt:

    „Am Montag traf die Delegation der Troika in Zypern ein, um die Lage des Landes zu evaluieren…“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Evaluation

    Auf gut Deutsch: Evaluation ist die „Bewertung“ einer Situation durch „Experten“, also solche, die von immer weniger immer mehr wissen, bis sie irgendwann von Nichts alles wissen.

    Die ganz hohe Kunst, von Nichts alles zu wissen, wurde von Priestern entwickelt:

    (Lutherbibel 1984 / Genesis_3,6) Und die Frau (Finanzkapital) sah, dass von dem Baum (Geldverleih) gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht (Urzins) und aß und gab ihrem Mann (Sachkapital), der bei ihr war, auch davon und er aß.

    Silvio Gesell: Die Übertragung des Urzinses auf das Sachkapital
    http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gesell/nwo/5_4.htm

    Alle elementaren volkswirtschaftlichen Zusammenhänge, die mit genialen, archetypischen Bildern und Metaphern in Genesis_1,1-11,9 exakt umschrieben sind, wurden durch die Überdeckung mit gegenständlich-naiven Fehlinterpretationen (so genannte Exegese der Priesterschaft) über Jahrtausende aus dem Begriffsvermögen der halbwegs zivilisierten Menschheit vollständig ausgeblendet.

    Da es egal ist, welchen Unsinn die jeweilige Priesterschaft redet, solange die eigentliche, makroökonomische Bedeutung im Verborgenen bleibt, erfüllen die Priester noch heute ihre Aufgabe, auch wenn sie schon lange nicht mehr wissen, was sie tun (etwa seit dem 6. vorchristlichen Jahrhundert). Und weil Priester sich stets in Bescheidenheit üben, wissen sie natürlich nicht, dass sie von Nichts alles wissen, sondern glauben nur daran.

    Dieser Glaube wurde im Lauf der Geschichte von gewählten „Spitzenpolitikern“ und studierten „Wirtschaftsexperten“ übernommen, sodass man heute nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich bei Adam und Eva anfangen muss, um solchen Patienten die Marktwirtschaft zu erklären:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/09/adam-und-eva.html

  6. Piet sagt:

    Der Euro ist wie ein Krebsgeschür. Wenn Du ihn hast verreckst Du.
    Ich weiß, harte Worte. Aber schaut euch um.Wieviele Staate kränkeln am Euro?
    Und nennt mir Einen, dem es durch den Euro besser (wie vorher) geht.

    • Tacheles sagt:

      Den PIIGS-Ländern ging es die letzten 10 Jahre vor Ausbruch der Krise schon viel besser, als er ihnen hätte gehen dürfen. Sie waren die Hauptprofiteuere des Euros.

      Sie konnten sich billig Geld leihen (war vor dem Euro für sie nicht möglich) und haben damit ein großes Fass aufgemacht. Da hat die Wirtschaft natürlich gebrummt.

      Jetzt ist die Party vorbei, weil man bezweifelt, dass das ewig so weiter geht mit dem Schulden machen. Und trotzdem weigern sich diese Länder größtenteils zu sparen – ein Paradoxon.
      Die höhere Wahrheit dahinter: Man erpresst im Wesentlichen Deutschland: Gebt uns Geld über die Rettungspakete oder wir drucken über die EZB Geld und schieben es uns selber in den Hintern und ihr zahlt damit trotzdem über die Entwertung eurer Sparguthaben.

      Deutschland war schon bei Euroeinführung der größte Verlierer. Jedes Jahr seit 1999 flossen rund 100 Mrd. Euro aus dem Land, größtenteils in die Länder des Südens. Dort sorgte das Geld für Arbeitsplätze (Bauboom, Konsum, griechische Beamtenparty, etc.) und bei uns war Flaute dadurch.
      So waren wir gezwungen uns anzustrengen (Harz4, Stichwort Leiharbeiter, Lohnzurückhaltung, Rente mit 67, etc.). Und jetzt will man uns die Früchte dieser Anstrengungen stehlen.

      Das ist im Wesentlichen die Geschichte die die Euroeinführung mit sich gebracht hat. Mir persönlich steigen dabei Tränen der Wut ins Gesicht. Über dem Mittelmeer wird die Sonne weiter lachen, über Deutschland wird die ganze Welt weiter lachen.

    • nina sagt:

      hm? Also ich Kenne niemanden im Gegenteil fast jeder hat weniger im geldbeutel. Einkaufen macht schon lange kein Spass mehr.

      Man(n) Arbeitet sich den Arsch aus der Hose nimmt in Kauf die ganze Woche im Lkw zu leben .für Steigende Lebenshaltungskosten nur die Löhne bleiben Gleich.ist doch klar das alles Kaputt geht.

      • Tacheles sagt:

        Ich kenne schon viele die profitiert haben:
        Die Griechen haben jahrelang ihre vielen Beamten mit geliehenen Geld bezahlen können und die hatten zehn Jahre lang ein schönes Leben.

        Die Iren und die Spanier haben sich mit dem geliehenen Geld schöne Häuser gebaut, die sich eigentlich gar nicht leisten hätten können dürfen.

        Die Italiener konnten ihr marodes Staats und Wirtschaftswesen weiterbetreiben (die Griechen auch).

        Lauter Profiteure, nur dass die Party halt jetzt vorbei ist, das wollen sie halt nicht wahrhaben.

    • phil sagt:

      Piet, du hast recht,der EU ist wie ein Krebsgeschwür….aber im Endstadion

  7. otto936 sagt:

    „Bailout fällt höher als erwartet aus“

    Wir sind überrascht 🙂
    Dort wird griechisch gesprochen.

  8. Richard sagt:

    Zypern, welches ein riesiges Gasfeld vor den Füßen liegen hat, geht herum und bettelt – ja ne, ist schon klar.

    Das Spiel stinkt doch zum Himmel!

    Da läuft ein riesiger Betrug, das sieht doch ein Blinder mit Krückstock.