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Think Tank: Bailout Spaniens nicht vor 2013 möglich

Spanien ist das größte Sorgenkind. Um Spanien bei untragbaren Zinssätzen drei Jahre mit einem Rettungspaket zu unterstützen, wären bis zu 650 Milliarden Euro notwendig, schätzt der Think Tank Open Europe. Doch vor Mitte 2013 stünden Finanzmittel in dieser Höhe gar nicht zur Verfügung. Und auch eine Intervention der EZB wäre nicht ausreichend.

Bis Mitte 2015 muss Spanien 542 Milliarden Euro finanzieren, so der britische Think Tank Open Europe. Für eine finanzielle Unterstützung der spanischen Regionen könnten zudem noch weitere 20 Milliarden Euro an Geldern benötigt werden (die Regionen sind stark verschuldet – hier). Da diese 20 Milliarden Euro Teil des gesamten spanischen Defizits sind, wird Spanien sein Defizitziel weiter verfehlen – das würde das Vertrauen der Märkte zusätzlich schwächen, so der Think Tank.

Zudem hat der spanische Staat noch unbezahlte Rechnungen in Höhe von 98,5 Milliarden Euro zu begleichen. Es ist geplant, diese in den kommenden zwei Jahren zu bezahlen. Die meisten dieser Schulden wurden bei heimischen Gläubigern gemacht. Je länger diese also zurückgehalten werden, umso schädlicher ist auch dies für die spanische Wirtschaft.

Open Europe warnt davor, dass Spanien bald gezwungen sein wird, ein volles Bailout-Programm zu beantragen. Die Zinssätze für spanische Anleihen sind so hoch, dass der Zugang zum Markt gefährdet ist. Insgesamt, so Open Europe, würde es zwischen 450 und 650 Milliarden Euro kosten, um Spanien für drei Jahre vom Markt zu nehmen – falls die Rendite nicht mehr tragfähig wäre. Ökonomisch gesehen sei dies aber unmöglich, denn bis Ende 2012 werden der ESM und der EFSF lediglich 345 Milliarden Euro aufbringen können.

Nach dem Rettungspaket für Griechenland, Irland und Portugal verbleiben derzeit noch 248 Milliarden Euro im EFSF. Zieht man die 100 Milliarden Euro für den Banken-Bailout und die 13 Milliarden für das Rettungspaket Zyperns ab, bleiben lediglich 135 Milliarden Euro im EFSF zur Verfügung. Allein das ist viel zu wenig, um Spanien ein volles Rettungspaket zu gewähren. Insofern müsste gewartet werden, bis der ESM in Kraft tritt. Angesichts der Verfassungsprobleme in Deutschland und Österreich kann dies aber noch eine Weile dauern (mehr hier).

Und selbst dann wird die Kreditvergabehöhe nicht sofort bei den für den ESM zunächst eingeplanten 500 Milliarden Euro liegen. Bis Mitte 2012 wird der ESM theoretisch nur einen Kreditrahmen von 210 Milliarden Euro zur Verfügung haben, weil lediglich 32 Milliarden Euro bis dahin eingezahlt worden sein werden. Bis Mitte 2013 wird eine zweite Kapitaleinzahlung in den ESM erfolgen, so dass Kredite in Höhe von bis zu 420 Milliarden Euro vergeben werden könnten. Erst Mitte 2014 werden die vollen 500 Milliarden Euro im ESM sein. Insofern stünden die finanziellen Mittel für ein spanisches Rettungspaket frühestens Mitte 2013 zur Verfügung.

Ein anderes mögliches Mittel zur Unterstützung Spaniens wäre ein Eingreifen der EZB durch Anleihenkäufe sowie die Vergabe eines weiteren Tendern, ein Notkredit in Höhe von 78 Milliarden Euro, um die Finanzierung für dieses Jahr zu decken, und eine Anpassung des Banken-Bailouts. Dann würden die Gelder des Banken-Bailouts, die nicht genutzt werden, an den Staat fließen, dass entspreche rund 38 Milliarden Euro, so Open Europe. Nimmt man diese drei Wege zusammen, käme man auf rund 155 Milliarden Euro, schätzt der Think Tank. Das würde genügen, um Spanien knapp 12 Monate über Wasser zu halten. Das wäre also nur eine kurzfristige Maßnahme, die etwas mehr Zeit verschaffen könnte.

Kommentare

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  1. rundertischdgf sagt:

    Fundsache im FDP Forum: Eine Diskurs verweist auf die Feigheit der deutschen Eliten in allen Politikfeldern. Zitat:

    „Der Bundestag läßt sich willig entmündigen, Funktionäre mittelständischer Wirtschaftsverbände schweigen zu den desaströsen Folgen des Euro für den Mittelstand, Sportfunktionäre lassen eine völlig von durchgeknallten Medien überrollte Sportlerin allein, und Bundespolitiker müssen sich vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestages den von ihr mitentschiedenen ESM-Vertrag erklären lassen, weil sie vorher zu feige waren, auf Informationen zu insistieren ….“

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/08/10/die-feigheit-deutscher-eliten/

  2. JensDe sagt:

    Es ist zum ‚Haare raufen‘ wenn man von den vielen Milliarden liest. Jahrelang hat man den Kopf in den Sand gesteckt, ohne Maßnahmen zu ergreifen. Jetzt, wo das Schiff am Sinken ist, sucht man einen Schuldigen. Natürlich Deutschland ist letztlich der ‚Buhmann‘, weil es nicht bereit ist, für sämtliche Schulden der EU zu bürgen und letztlich diese auch zu übernehmen. Als allerletztes werden alte Kamellen aufgewärmt und Deutschland wieder seine geschichtliche Schuld vorgeworfen, wenn Deutschland nicht gleich die Milliarden rausrücken will. Die Montis, Draghis und Junckers der EU kämpfen nur noch ums eigene Überleben und verfolgen eigene Interessen. Deren Entscheidungen kann auch keiner mehr nachvollziehen.
    Blühende Landschaften hat man uns mit der Einführung des Euro versprochen. Nur was ist daraus geworden?

  3. Atreides sagt:

    Ich habe leider nicht mehr den Verweis auf die Information, aber im SOmmer 2011 hatte der IWF schon 800 Mrd. Euro für die rettung Spaniens geplant. Komisch, daß die Presse diese Sache gar nicht mehr in Erinnerung zu haben scheint….
    Also war schon vor einem Jahr klar, daß Spanien pleite war. Wen wundert es dann noch, daß man jetzt Geld braucht? 2013? Ha, ha und ha! Der Laden ist jezt schon pleite, und die spanische Rehierung scheut es auch nicht, zu den Banditen der Sierra Morena des 19. Jahrhunderts zu mutiereen.

    • Atreides sagt:

      Nochmal korrigiert:
      Ich habe leider nicht mehr den Verweis auf die Information, aber im Sommer 2011 hatte der IWF schon 800 Mrd. Euro für die Rettung Spaniens geplant. Komisch, daß die Presse diese Sache gar nicht mehr in Erinnerung zu haben scheint….
      Also war schon vor einem Jahr klar, daß Spanien pleite war. Wen wundert es dann noch, daß man jetzt Geld braucht? 2013? Ha, ha und ha! Der Laden ist jetzt schon pleite, und die spanische Regierung scheut es auch nicht, zu den Räubern der Sierra Morena des 19. Jahrhunderts zu mutiereen.

  4. Lilly sagt:

    Zitat: „Ein anderes mögliches Mittel zur Unterstützung Spaniens wäre ein Eingreifen der EZB durch Anleihenkäufe sowie die Vergabe eines weiteren Tendern ….“

    oder auch so, Zitat:

    „Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, will einem Bericht des Spiegel zufolge künftig in einer Art Arbeitsteilung mit dem Euro-Rettungsschirm EFSF auf den Staatsanleihemärkten eingreifen. Danach soll der Luxemburger Fonds den Regierungen die Kreditpapiere direkt abnehmen. Solche sogenannten Primärmarktkäufe sind den Notenbanken verboten. Die Währungshüter (EZB) wiederum sollen dem Bericht zufolge die Papiere von Banken oder Anlagefonds am sogenannten Sekundärmarkt kaufen, um die Zinsen zu drücken. So würde die Feuerkraft des europäischen Krisen-Instrumentariums verdoppelt. ….“

    Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/massnahmen-zur-euro-rettung-ringen-um-krisen-strategie-der-ezb-1.1425292

  5. ELA Kontrolleur sagt:

    Kappiert endlich das die Beträge schon längst als ELA von der spanischen Notenbank an die spanischen Mafia Banken ohne Sicherheiten weggebucht ist.

    Die spanischen Banken tilgten damit ihre Kredite bei deutschen Banken.

    So entstand der Target2 Saldo.

    Wir wurden brutalst betrogen.

    Sobald síe austreten haben wir als Steuerzahler den Schaden durch uneinbringliche Bundesbankforderungen über den EZB Witzagenten mit negativen Eigenkapital.

  6. Kanty sagt:

    So wurden die Deutschen wieder einmal verschaukelt:

    http://www.marktorakel.com/index.php?id=8577253398442816539

  7. Andreas sagt:

    Warum hat das schweinenaziland die 500 mill. noch nicht eingezahlt denken die denn nicht an den krieg den Franco geführt hat wo internationale Brigarden und die Legion Condor in spanien rumgemordet haben denkt doch mal an die armen Banken . Also los kohle raus ..

  8. Saila sagt:

    Da ist wohl eine Staatspleite günstiger, als rund 700 Mrd. EUR in den Sand zu blasen. Abgesehen davon – die Zahlen erhöhen sich in der Regel von Woche zu Woche und am Ende sind es meist das zehfache vom Ursprungsbetrag.

    Also – was soll es……

    • Emergency liquidity desaster sagt:

      Sagt den Leuten endlich, dass ganz Euroland pleite ist, und die es ge-
      rade noch nicht sind, werden es demnächst sein. Da hilft kein endloses
      Lügen und Beschönigen. Es wird alles für den Untergang getan, in DE
      vergeudet man seine letzten Reserven und Bonitäten und alle Dumm-
      bürger schauen zu wie eine verunsicherte Schafsherde – Määäh!