Ratingagenturen als Auslöser der Schuldenkrise

„Nicht nachvollziehbare Herabstufungen europäischer Länder sind eine zentrale Ursache und Triebfeder der europäischen Schuldenkrise“. Das ist die Erkenntnis einer Studie der Universität St. Gallen. Viele europäische Länder seien seit 2008 anders beurteilt worden als andere Länder noch heute behandelt werden.

Mutmaßungen über die tragende Rolle der Ratingagenturen bei der Verschärfung der Schuldenkrise gab es etliche. Selbst der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy mahnte, bevor Frankreich herabgestuft werden sollte, müsse es zunächst die Briten treffen, da diese deutlich schlechtere Zahlen aufweisen. Nun hat sich die Universität St. Gallen dem Thema angenommen- Die Studie von Professor Manfred Gärtner und Björn Griesbach belegt erstmals empirisch, inwiefern die Ratingagenturen tatsächlich mitverantwortlich sind. In der aktuellen Studie wurden die Wirtschaftsdaten von 25 OECD-Ländern den Krediturteilen der amerikanischen Agentur Fitch gegenübergestellt.

„Viele europäische Länder wurden seit 2008 mit anderen Maßstäben beurteilt als früher und auch anders als andere Länder heute noch behandelt werden”, sagte HSG-Professor Manfred Gärtner der Nachrichtenagentur Reuters. „Nicht nachvollziehbare Herabstufungen europäischer Länder sind eine zentrale Ursache und Triebfeder der europäischen Schuldenkrise“, heißt es in der Pressemitteilung zur Studie.

So könnten beispielsweise die Downgrades von Ländern wie Irland, Portugal und Spanien nicht mit einer entsprechenden Verschlechterung der Wirtschaftslage und der Staatfinanzen begründet werden. Nach den alten Standards hätte Irland etwa um 1,5 Stufen herabgestuft werden müssen, so Manfred Gärtner. „Stattdessen wurden sie um sieben Stufen zurückgenommen. Ein so großer Schritt hätte jedes Land in große Schwierigkeiten gebracht.”

Spanien „hätte um eine halbe Klasse herabgestuft werden müssen, verlor aber 3 Klassen“, so die Studie.

 

Die Bewertungen der Agenturen können schnell problematisch werden. Zwar steigen die Zinssätze bei Ländern, deren Rating zwischen AAA und A liegt, nur wenig, wenn sie um eine Stufe herabgestuft werden. Aber „Länder mit einem Rating von A oder schlechter sind in höchstem Masse gefährdet“, so die Studie. „Bereits geringste negative Zins- oder Ratingsignale, auch wenn diese unbegründet sind, können solche Länder in den Insolvenzstrudel stossen.“ Entsprechend steigende Zinslasten, sich dadurch verschlechternde Staatsfinanzen und ein rückläufiges Wachstum könnten dann neue Rückstufungen auslösen.

Zudem entspreche das Verhalten der Ratingagenturen dem „alten Krieg zwischen Märkten und Staaten“. So hätten es die Ratingagenturen geschafft, dass die Schuldenkrise nun als ein Problem der Staaten und nicht der Finanzindustrie gesehen werde.

Zwar konnten Manfred Gärtner und Björn Griesbach nur auf die Daten von Fitch zurückgreifen, da von Moody’s und Standard & Poor’s die notwendigen Daten nicht verfügbar gewesen seien, aber Manfred Gärtner glaube – wenngleich er es nicht beweisen kann – dass die Ergebnisse der Studie nicht anders ausgefallen wäre. Es gebe eine hohe Korrelation zwischen dem Vorgehen der drei Häuser.

Die Studie (English) finden Sie hier.

Bereits Ende vergangenen Jahres warnte Manfred Gärtner vor der Willkürlichkeit der Ratingagenturen:

Kommentare

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  1. Franz Gosch sagt:

    Dieses Thema sollte uns alle stärker interessieren !!

  2. Bucklige Mischpoke sagt:

    Der Bundestag ändert das Bundesverfassungsgerichtsgesetz. Die Tagungen werden in Zukunft heimlich stattfinden. Die Bürger werden vor vollendete Tatsachen gestellt, das Gericht braucht die Urteile nicht mehr zu begründen. Privatpersonen sind nicht mehr beschwerdeberechtigt. Alles Dinge, die man in den Medien nicht erfährt!

    http://staseve.wordpress.com/2012/07/31/juristisch-nicht-mehr-vorhandenes-parlament-bundestag-andert-bundesverfassungsgerichtsgesetz-klammheimlich-zukunftig-tagt-man-geheim

    Sollte dies wirklich stimmen, muss der Bundestag gewaltsam aufgelöst werden! Wir müssen von unserem Widerstandsrecht Gebrauch machen, bevor dies auch abgeschafft ist!

  3. ProKonsequenz sagt:

    Ich empfehle jedem Redakteur (und jedem Interessierten) die Lektüre von

    Werner Rügemer: Rating-Agenturen – Einblicke in die Kapitalmacht der Gegenwart. transcript Verlag, Bielefeld, April 2012, ca. 158 Seiten, ISBN 978-3-8376-1977-5

    Rügemer weist minutiös nach, dass die Rating-Agenturen „grösstenteils Banken, Hedge- und Investmentfonds gehören. Sie erleichtern das Schuldenmachen durch beschönigende Ratings und steigern hinterher die Zinsprofite durch schlechte Zensuren, die die Zinsen in die Höhe treiben. Sie entscheiden mit zum Teil willkürlichen Kriterien über das Schicksal ganzer Staaten. So ist Griechenland, ihr prominentestes Opfer, keineswegs das am höchsten verschuldete Land der Eurozone.
    Im neusten Buch von Werner Rügemer wird erstmals die Eigentümerstruktur der drei grossen Agenturen offengelegt: Es handelt sich dabei um Hedge- und Investmentfonds, die aus der hohen und dauerhaften Verschuldung von Unternehmen, Staaten und Konsumenten Gewinn ziehen.
    Detailliert untersucht der Autor die Kriterien und Arbeitsweisen der Agenturen. Er zeigt: Ihre Macht gewinnen die Rating-Agenturen durch ihre Eigentümer, aber auch durch die staatlich und überstaatlich erteilte Wächterfunktion. Sie sind mit Fonds, Banken, Staaten, Zentralbanken, Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds Teil der gegenwärtigen Kapitalmacht.“

    (Zitat aus Zeitpunkt, http://www.zeitpunkt.ch/news/artikel-einzelansicht/artikel/rating-agenturen-praedikat-gekauft.html)

    • Anna 1950 sagt:

      Die Welt hat so Manches zu bieten.

      Die Frage ist doch, lasse ich mich darauf ein!

      Zum Beispiel: In jede Kneipe kann ich rein gehen, mich total betrinken, ein Wasser bestellen, oder kontrolliert Alkohol zu mir nehmen.

      Wer die Verantwortung an Andere abgibt, muß sich nicht wundern!

      Der Kneipenbesitzer ist, mit Recht, an einem höheren Einkommen interessiert, er ist eben n i c h t Krankenpfleger geworden!!!!!

      Es bleibt in der Verantwortung der Politiker, was sie aus Gier und Machterhalt, ihren Wählern versprechen und was diese wiederum wollen.

      Bedingungsloses Grundeinkommen gehört auch dazu.
      Man stelle sich die Masseneinwanderungen vor, die dann in dieses Land strömen würde!

      Manchmal muß man die Dinge auch, vom Ende her, betrachten!!!!!!!!!

  4. DCWorld sagt:

    Wer keine Schulden hat, braucht nichts zu fürchten. Nicht seinen Bankberater und auch nicht die Ratingagenturen.

  5. DCWorld sagt:

    Wer keien Schuld braucht nichts zu fürchten. Nicht seinen Bankberater und auch nicht die Ratingagenturen.

  6. Capraio sagt:

    Das Dreckspiel dieser Ratingsagenturen war doch durchschaubar. Dem Einen Schulden mit niedrigem Zins bis zum gehtnichtmehr aufbürden, dann den hochverschuldeten „Sünder“ abstufen um hohe und höhere Zinsen zu verlangen!
    Diese Vorgehen ist kriminell und unehrlich und sollte aufs Schärfste mit langen Haftstrafen und Enteignung geahndet werden!
    Sobald die Angst-Lähmung unserer Politiker sich legt und sie wieder zu Sinnen kommen (was ja zu hoffen währe), sie die politische Führung wieder übernehmen und sich nicht von dem Hirngespinnst des freien globalisierten Marktes und deren Bank-Gängstern wieder zum „Angst-Hasen“ machen lassen, so könnte Besserung eintretten!

    Das Trennbankensystem ist Gott sei Dank wieder ins Bewusstsein gerückt!
    Dank unermüdlicher Arbeit von vielen vernünftigen Menschen!!! DANKE!!!

    Selbst bei Schäuble sitzt das Schräuble nicht mehr so locker!!!! :-))

    Unter http://bueso.de/ gibts die tollsten Infos! http://movisol.org/ italienisch…
    Es tut sich was!Helft mit das Ruder rumzureissen!
    Jetzt sei Ihr dran! Wir brauchen jede Kraft und Vernunft! Helft mit!!!
    Ruft die Menschen auf, rüttelt sie Wach, verteilt die waren Informationen, welche uns sonst vorenthalten werden!

    Es liegt an uns zu wählen von wem wir uns regieren lassen, wer über uns bestimmt, wer uns mitreden und mitwirken lässt!
    Oder habe wir die Holzköpfe die uns heute regieren tatsächlich verdient?

    Steht auf und wanket nicht!!!

    • Fine sagt:

      Zum Thema wählen und Wahlen:

      http://www.youtube.com/watch?v=2H54_5aOrhc

      „Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten“
      Rosa Luxemburg

      Bei BÜSO, bzw. Helga Zepp-LaRouche & Lyndon LaRouche mal versuchen, hinter die Sektenkulisse zu sehen…
      Außerdem – in der Firma BRiD GbR (+ BRD Finanz GmbH) gibts keine Regierung, sondern eine Geschäftsführung!

      • capraio sagt:

        @fine
        habe gelesen was la rouge angehängt wird… Verleumdung oder Wahrheit?
        Doch die Ansätze zu Glass Stegal sind nicht wegzudiskutieren .

  7. flonic sagt:

    Was sind Schulden?

    Die Taschenspielertricks die derzeit ablaufen haben wenig damit zu tun.

  8. Anke sagt:

    Erstens gehört Fitch zu 60% der französischen Fimalac-Holding mit Sitz Paris. Zweitens hat z.B. die chinesische Ratingagentur Dagong VOR den US-Ratingagenturen Länder der Eurozone abgewertet. Drittens ist es kein Geheimnis, dass Ratingagenturen auch „weiche“ Kriterien und nicht nur harte Wirtschaftsdaten berücksichtigen. Dazu zählen z.B. die politische Stabilität genauso wie die Einschätzung über die Fähigkeit eines Staates, seiner Wirtschaft und seiner Bürger, sich aus einer Krise befreien zu können. Allein die europäische Energiepolitik spricht für die USA, denn wer künftig bei den Energiepreisen die Nase vorn hat, ist auch wirtschaftlich vorne dabei.