Lehrlingsausbildung: Spanien muss trotz Krise innovativ bleiben

Das Pilotprojekt, das Deutschland und Spanien im Bereich der Lehrlingsausbildung starten wollen, kann zu einem europäischen Musterprojekt werden. Denn unstreitig hat Deutschland auf diesem Sektor ein vorbildliches Konzept.

In Deutschland nimmt die Lehrlingsausbildung die Leute in die Pflicht. In Spanien – wie in anderen südeuropäischen Staaten auch – sind Ausbildung und Berufsleben viel stärker getrennt. Dies führt dann nicht selten dazu, dass die Universitäten am Bedarf vorbei produzieren.

Das deutsche Bildungssystem mag seine Schwächen haben – die berufsbegleitende Ausbildung ist weltweit führend und hat mit Sicherheit das Zeug zum Exportschlager.

Allerdings kommen die Initiativen zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Die spanische Regierung kämpft ums Überleben an den Kapitalmärkten, die täglich auftauchenden neuen Löcher zwingen Madrid zum ständigen Krisenmanagement. Die Regionen, an denen viel in der Bildungspolitik hängt, sind fast noch schlechter dran als die Zentralregierung; Valencia und Katalonien haben bereits um staatliche Hilfe angesucht, um überhaupt über die nächsten Monate zu kommen.

Dieses Umfeld ist sehr schwierig, um neue Projekte anzustoßen, die über den Tag hinaus weisen – und unter Umständen erst zu einem viel späteren Zeitpunkt greifen werden. Es besteht eine nicht unerhebliche Gefahr, dass die Konzentration nicht reicht, um solche Visionen auch umzusetzen. Hinzu kommt, dass den Deutschen im aktuellen Umfeld sehr schnell die Gesprächspartner verloren gehen können. Schon kursieren in Madrid die ersten Spekulationen über Neuwahlen. Die konservative Regierung von Premier Mariano Rajoy wirkt überfordert, ihre Ablösung durch eine Regierung der nationalen Einheit wird bereits offen diskutiert.

Die politische Großwetterlage wird sich in den kommenden Monaten noch als eine Herausforderung für alle politischen Felder erweisen. Gerade die Bildungspolitik muss neben dem unvermeidlichen Feuerlöschen auch Perspektiven entwickeln können. Denn eines ist klar: Die spanische Jugend muss in einer Weise für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden, die über die bisherige Routine hinausgeht. Jeder spanische Jugendliche schätzt sich heute glücklich, wenn er einen Arbeitsplatz hat. Doch der globale Wettbewerb geht weiter. Der Arbeitsmarkt hat sich gerade bei den Fachkräften internationalisiert. Die Unternehmen produzieren dort, wo sie das beste „human capital“ vorfinden.

In dieser Hinsicht ist die Idee von Bildungsministerin Annette Schavan richtungweisend. Wenn es gelingt, spanische Jugendliche auch sprachlich so weiterzubilden, dass sie eines Tages ganz selbstverständlich in Deutschland arbeiten können, dann ist Europa als Idee tatsächlich einen großen Schritt weitergekommen.

Michael Maier

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