Duales Bildungssystem soll spanischer Jugend helfen

Deutschland soll Spanien bei der Bildungsreform helfen. Deutsche Unternehmen, die in Spanien tätig sind, gelten bereits als Pioniere der praxisnahen Fachkräfte-Ausbildung. Nun will Spanien das duale Ausbildungssystem vollständig übernehmen.

In Spanien ist über die Hälfte der Jugendlichen arbeitslos. Diese alarmierende Zahl zeigt, wie stark die Jugend unter der Krise in Europa leidet. In Deutschland finden hingegen gerade einmal 7,9 % der 14- bis 25-Jährigen keine Arbeit. Damit hat Deutschland die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Das heimische Bildungssystem ist ein wichtiger Grund für die gute Beschäftigungssituation in Deutschland. Die duale Ausbildung, also die gleichzeitige Vermittlung von praktischem und theoretischem Wissen, gilt in Spanien als vorbildlich.

Daher haben Bundesbildungsministerin Annette Schavan und ihr spanischer Amtskollege José Ignacio Wert Ortega Mitte des Monats in Stuttgart eine verstärkte Zusammenarbeit beschlossen. Spanien will sein Bildungssystem nach deutschem Muster umbauen. Deutschland soll Spanien dabei beraten und zeigen, worauf es bei fundierter, praxisnaher Berufsausbildung ankommt.

Schon seit längerem diskutiert man in Spanien eine Reform des Bildungssystems. Deutsche Unternehmen, die in Spanien tätig sind, haben bereits vor 30 Jahren in Eigeninitiative eine Bildungseinrichtung geschaffen. Mit der Auslandsberufsschule Aset in Madrid richteten sie in Zusammenarbeit mit deutschen Schulen in Spanien eine Berufsschule nach deutschem Vorbild ein. Aset stattet vor allem in kaufmännischen Berufen junge Menschen mit theoretischem und praktischem Wissen aus. Die Absolventen sind nicht nur bei deutschen Unternehmen gefragt.

Die Reform des Bildungswesens ist unter den aktuellen Verhältnissen dringend notwendig, aber nicht einfach. Das größte Problem dabei ist die Frage der Zuständigkeit. Einerseits teilt sich die Verantwortung auf das Bildungs- und das Arbeitsministerium auf. Auf der anderen Seite gibt es die autonomen Gebiete, die die Frage der Zuständigkeit noch einmal komplizierter machen.

Eine weitere Herausforderung ist es, eine Übergangslösung zu schaffen, wenn auf das duale Bildungssystem umgestellt wird. Es muss geklärt werden, wie man mit bisher erworbenen Fähigkeiten umgeht.

Momentan droht die Qualifizierung von Menschen zu sehr auf die Universitäten abgewälzt zu werden. Der Mittelweg zwischen universitärer Bildung und unqualifizierter Arbeit ist nicht genügend ausgebaut. Dies soll dem spanischen Bildungsminister Wert Ortega zufolge mit deutscher Hilfe nun geändert werden.

Geht es nach Bundesministerin Annette Schavan, soll sich die Unterstützung für ihren spanischen Kollegen auch für Unternehmen in Deutschland lohnen. Neben beruflichem Wissen soll die spanische Jugend demnach auch die deutsche Sprache lernen und so die Lücke an Fachkräften in Deutschland reduzieren.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.