Geldnot gefährdet Kulturdenkmäler: Italien verkauft historische Stätten

In Italien hat kein Geld für den Erhalt von historischen Kulturgütern. Werbefläche an den Denkmälern sollen die nötigen Mittel einbringen. Manche Bauten stehen sogar zum Verkauf. Die Bildrechte am Kolloseum in Rom können beispielsweise für 15 Jahre erkauft werden.

Es ist nicht immer leicht in Zeiten der Krise das kulturelle Erbe nicht aus dem Blick zu verlieren. Italien, die Heimat von 47 UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten und 60.000 dokumentierten Ruinen muss aufgrund der katastrophalen finanziellen Lage der Regionen, die auch unter den Kürzungen der italienischen Regierung leiden, neue Wege finden, diese zu erhalten.

Der majestätische Palazzo Manfrin in Venedig, aus dem 17. Jahrhundert beispielsweise ist die wichtigste architektonische Sehenswürdigkeit der Stadt – und er fällt auseinander. Die weiße, neoklassizistische Fassade bröckelt, mehrere Holztüren weisen große Splitter auf und die Fresken sind aufgrund von Alters- und Wasserschäden verblasst. Eine Restaurierung ist dringend notwendig, aber die lokale Regierung hat einfach nicht genug Geld. Nun wurde der Palast zum Verkauf ausgeschrieben. Für 20,5 Millionen Dollar, so die Washington Post, kann man nun stolzer Eigentümer des Palastes werden.

Viele historische Gebäude, Kirchen, Denkmäler, Brücken, Kasernen und archäologische Sehenswürdigkeiten in Italien drohen zu zerfallen. Um dem entgegen zu wirken, versuchen die lokalen Regierungen nun durch den Verkauf von großflächigen Werbeanzeigen an den historischen Bauwerken und durch den Verkauf von Nutzungsrechten Gelder zur Restaurierung zu erwirtschaften. Aber manchmal reicht nur mehr der Verkauf des ganzen Bauwerks.

Will sich ein Unternehmen die Exklusivrechte an Bildern des Kolloseums in Rom sichern, um es 15 Jahre auf seinen Produkten abbilden zu können, reichen 27 Millionen Dollar. Ein riesiges Plakat am Mailänder Dom kann für 187.000 Dollar im Monat angebracht werden. In Venedig hat die Benetton-Gruppe ein Jahrhunderte altes Gebäude gekauft und plant nun ein Einkaufszentrum in dem Bauwerk. Teile des Inneren sollen entfernt werden, um eine Rolltreppe integrieren zu können.

Die Restaurierung des Kolosseums in Rom sollte im März beginnen. Doch die Arbeit ist eingestellt worden, nachdem eine Gruppe, die für den Kulturerhalt eintritt, etwas Unangenehmes aufdeckte. Das, was als Finanz-Geschenk von Diego Della Valle, Besitzer des Luxus-Taschen-Herstellers Tod’s, dargestellt wurde, war an Bedingungen geknüpft worden. Die Übereinkunft zwischen der Stadt Rom mit Della Valla beinhaltete die Nutzungsrechte des Kolloseums für die Produkte des Unternehmens.

In der italienischen Bevölkerung regt sich zunehmend die Kritik an dem Ausverkauf der kulturellen Bauwerke. Bürgergruppen organisieren Proteste und sammeln klagen, um diese Entwicklungen zu stoppen. „Wir sind uns bewusst, dass die Wahrnehmung dessen in der Öffentlichkeit nicht so positiv ist“, sagt Fausta Bressani, Direktor für kulturelle Angelegenheiten der Region Veneto, die Venedig umfasst, der Washington Post. „Aber unsere Priorität ist es, die Struktur zu retten.“ Im Oktober war beispielsweise in Pompeji ein Teil der historischen Mauer vor den Augen von tausenden Touristen zusammengebrochen. Sie war von Wasserschäden und wucherndem Efeu beschädigt worden.

In anderen europäischen Ländern zeigt sich ein ähnliches Bild. In Frankreich etwa stimmte man zu, dass zwei Hotels im Schlosspark von Versaille gebaut werden können, so die Washington Post. Und in Griechenland erlaubte die Regierung, dass Kameraleute ins Pantheon oder in den Poseidon-Tempel zu Delphi eingelassen werden, wo sie pro Minute einen kleinen Geldbetrag dafür zahlen müssen.

Kommentare

Dieser Artikel hat 10 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Rüdiger sagt:

    Ist ja schön, dann können die Investoren ja den „alten Mist“ wegreissen, und ein World Trade Center draufstellen!

  2. Heavenshill sagt:

    Liebe Mittelstands Nachrichten:

    Auf dieser Seite über gefährdete Kulturdenkmäler in Italien zu jammern ist mehr als fehl am Platze!

    In gesamt Ostdeutschland und insbesondere im Bundesland Mecklemburg Vorpommern ist seit einigen Jahren fast unbemerkt von der Bevölkerung ein gigantisches Kulturerbe am Verfallen und am Verschwinden!

    Mecklenburg Vorpommern besitzt die höchste Dichte ( ca. 3500) an Guts- und Herrenhäuser in Deutschland, wenn nicht in ganz Europa, eines schöner als das andere und allesamt können mangels finanzieller Mittel nicht saniert werden und drohen auf ewig von der Bildfläche zu verschwinden! Hier verschwindet ein riesiger Deutscher Kulturschatz in der Heimat ohne Kenntnisnahme!

    Das traurige ist, dass jedes Guts-/ Herenhaus der Mittelpunkt eines Dorfes bzw. einer Gemeinde darstellt und so auch diese Gemeinden in die Bedeutungslosigkeit geraten!
    Arbeitsplätze? Fehlanzeige…

    Und alles dieses in einer Zeit, in der Deutschland Milliarden und Abermilliarden in den Europäischen Sumpf versenkt ohne an die eigene Kulturlandschaft und die eigenen Menschen die hier leben und hier Arbeit und ein Zuhause haben zu denken!

    Hierüber sollten Sie berichten und hierüber solle ganz Deutschland seine Empörung aussprechen, damit z.B. ein Land wie Mecklemburg Vorpommern, welches diesen gigantischen Kulturschatz besitzt, demnächst nicht frei von seinem bzw. UNSEREM kulturellen Erbe ist!

    Wenn unsere Regierung all die Milliarden, die sie in denESM versenken möchte der Deutshcen Kulturlandschaft bereit stellen würde, dann hätten wir endlich im Osten die von Kohl veraprochenen „blühenden Gärten“!

    Die Realität ist bitter und sieht ganz anders aus!

    Sorry, aber:
    Was schert mich/ uns dann die Kulturlandschaft in Italien?!

  3. Loreley sagt:

    Schön mit anzusehen das: Der T-euro Wohlstand und Frieden bringt!

  4. wutbayer sagt:

    Na ja von Ausverkauf kann ich da noch nichts lesen. Bestenfalls von Nutzungsrechten, was durchaus Sinn macht.
    Was man gerne los hätte, wären die nur mit gigantischen Aufwand zu restaurierenden Schimmelbuden in Venedig. Aber die kauft keiner, wenn er bei klarem Verstand ist.

  5. frank sagt:

    ich sehe in dem was da passiert nicht einmal den ansatz für einen skandal!was soll das für ein skandal sein wenn private häuser kaufen!soll etwa die altstadt von rom die in etwa so gross ist wie köln ist in staatlichen besitz übergehen?in venedig gehen sättische palazzi die unbenutzt sind in private hände und werden wieder benutzt!wenn sie nicht verkauft werden verfallen sie!drei mal dürfen sie raten wieso es nach der wende in der ddr so aussah wie es aussah!

  6. Mohr sagt:

    Ist ein Land total verschuldet kann es seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Es versucht durch den Verkauf seines Tafelsilbers, zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Dadurch wird ein Land scheibenweise enteignet. Denn diese Deals mit den Privatisierungen, bringen dem Staat nur einen einmaligen Geldsegen. Auf mögliche künftige Gewinne muss er verzichten. Auch wenn er mit diesem Geldsegen seine vorhandenen Schulden tilgen will, schrumpft durch den Verkauf sein Vermögen. Gewonnen hat er unter dem Strich rein garnichts.
    Die jüngsten Firmenübernahmen: Der Paketdienst TNT wurde von United Parcel Service geschluckt, der US Konzern General Electric will sich deutsche Mittelständler einverleiben. Und ein Hedge-Fond mischte sich beim Verkauf von Anteilen der Rhön Kliniken mit ein.
    Die Fianzindustrie wittert lukrative Geschäfte beim Kauf, oder Kauf von Anteilen eines grossen Unternehmens. Durch diese Sparpolitik werden zum Schnäppchenpreis viele staatliche Unternehmen auf den Markt geworfen.
    Auch ein lukratives Geschaft sind Privatisierungen(PPP,Public Privat Partnership)
    Gemeingüter wie Wasser,Bildung,Mobilität,Energie und Gesundheit werden immer stärker Gewinninteressen ausgeliefert.
    Die OECD beziffert den weltweiten Bedarf an Infrastrukturinvestitionen bis 2030 auf 41 Billionen US-Dollar.
    Was für uns Daseinsvorsorge ist, sehen die Profiteure als Markt an.
    Auch naturgegebene Gemeingüter wie Klima oder Bodenschätze dürfen nicht in die Hände weniger überlassen werden.
    Gemeingüter müssen unter demokratische Kontrolle gebracht werden.
    Telefonkonzerne,Versorger und Fluggesellschaften sind doch heute schon in privater Hand.
    Auch bei uns wird inzwischen Tafelsiber verscherbelt.
    Und wenn es so weitergeht, werden wir scheibchenweise ausgeplündert.
    Deutschland ist in den Augen der Drahtzieher noch zu stark und dadurch wird es massiv unter Druck gesetzt. Wir sollen auf eine gemeinsame Stufe mit den anderen verschuldeten Nationen gedrückt werden. Statt Wohlstand für alle, akzeptiert die Macht des Geldes, die Plutokratie, nur das entgegengesetzte Extrem als Allheilmittel.
    Dazu gehört diese Bad Bank ESM der auf ewige Zeit als Völkerrecht verabschiedet werden soll, birgt ja schon eine Gefahr der Maßlosigkeit. Gebe es in diesem Vertrag eine zeitliche Begrenzung, könnte bis zum Zerfallsdatum nur eine begrenzte Unsumme verjubelt werden.
    Dann kommt der Euro-Zonen-Schwätzer Junker der uns maßregelt, wir würden die anderen Länder als Filiale behandeln.Ja wer soll den hier wen retten frage ich mich!!
    Deutschland haftet mit 27 % im permanenten europäischen Rettungsschirm.
    All die grossen Volkswirtschaften, die Geberländer im ESM, sind doch selbst unter dermaßen finanziellen Schwierigkeiten, und zum Teil schon unter den ESM geschlüpft, das es für mich unwahrscheinlich wird, sich überhaupt an der Rettung beteiligen zu können.
    Und dann kommt noch der liebe amerikanische Finanzminister Timothy Geithner mal eben nach Deutschland geflogen, um unserem geliebten Herrn Schäuble die Leviten zu lesen um sich dann anschließend hinter verschlossenen Türen Mit EZB Chef und Bilderbergermarionette Draghi (ein Teil unseres Problems )in Deutschland zu treffen.
    Nur um so zu erwähnen. Timothy Geithner arbeitete für die Unternehmensberatung Henry Kissingers in Washingtin. Kissinger ist der Chairmann der Bilderberger.
    Also wir sehen, wir sind auch hier mit unser Eliten, die nur Gutes mit uns im Sinn haben gut aufgestellt.

    Statt uns also wirklich von der Geißel durch einen klaren Schuldenschnitt zu befreien, wiederholen sie immer wieder die selbe Leier: neues Geld drucken.
    Geld auf den europäischen Markt pumpen,Euro Wirtschaftszone muss mit aller Gewalt aufrecht erhalten bleiben,ESM erhöhen. Und dadurch die Schulden ins Unendliche steigern.
    Nun wem dient dies?
    Ich denke reichen Bankersfamilien.
    Sie opfern Erde,sie opfern Lebensräume,sie vernichten artengeschützte vorm aussterben bedrohte Tiere, sie bringen genmanipulierte Saaten auf den Weltmarkt usw.usw.
    Es sind kranke Hirne !!!!

    Ihr seht auch wir können sehr schnell Italien werden.
    Den hat der Wasserkopf ( Bundeshaushalt) kein Geld mehr, umsoweniger Geld bekommen die Länder und umso weniger die Kommunen. Dann erfolgen Verkäufe von öffentlichen Institutionen oder Gemeingüter der Bürger. Ausländische Investoren ( wie Soros, der grosses Interesse an mittelständischen Unternehmen hat)) bekommen immer mehr Einfluss auf unser Land.( sehr zu empehlen das Buch David Rockefeller,Erinnerungen eines Weltbankiers,Finanzbuch Verlag)

    Es entsteht dann durch diese Privatieserungen ein Loch in unserer Gesellschaft, durch dass unsere Demokratie fliesst.

    So schießt man Europa sturmreif !! Zitat vpn Prof. Max Otte

  7. rundertischdgf sagt:

    Ob die italienische Regierung schon das Problem Sizilien erledigt hat? Oder fürchten sich Monti und Co. http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/07/26/in-sizilien-sind-sie-alle-oberforster-oder-politiker/

  8. b koslowski sagt:

    Sodom und Gomorra.