Jens Weidmann: „Wir sind die größte und wichtigste Notenbank im Eurosystem“

Die Bereitschaft einiger Länder, mehr Souveränität abzugeben, ist gering, so Bundesbank-Präsident Weidmann. Dies behindere das Entstehen einer politischen Union in Europa erheblich. Wenn es darum geht, auch etwas von der Souveränität der Bundesbank abzugeben, bleibt Weidmann aber hart. Immerhin habe man einen „weitgehenderen Anspruch als manch andere Notenbank“.

Anlässlich des 55ten Geburtstages hat es sich die Deutsche Bundesbank nicht nehmen lassen, ein Interview mit dem Bundesbank-Präsidenten, Jens Weidmann, und dem Alt-Bundesbankpräsidenten, Helmut Schlesinger, zu veröffentlichen (hier). Wenngleich das Interview bereits am 29. Juni stattfand und somit keinen direkten Bezug auf die Ankündigung einer Intervention der EZB nehmen kann, sind die Äußerungen von Jens Weidmann durchaus aktuell.

Im Zuge der immer wieder auftauchenden Aufforderung, die Staaten müssten mehr Souveränität an die EU abgeben, und der entsprechenden Reaktionen der Mitgliedsländer darauf, hält Jens Weidmann eine wirkliche politische Union für unrealistisch: „Wenn man sieht, wie gering die Bereitschaft in manchen Ländern ist, finanzpolitische Autonomie aufzugeben– selbst im Gegenzug zu Finanzhilfen –dann fällt die Vorstellung schwer, dass die politische Union in absehbarer Zeit kommen wird“.

Auf die Frage, welchen Einfluss die Bundesbank im Eurosystem als eine unter den 17 Notenbanken, noch hat, versichert der Bundesbank-Präsident, dass man mit Blick auf das Stimmrechtsverhältnis zwar nur einer der 17 Zentralbanken sei. Aber „wir sind die größte und wichtigste Notenbank im Eurosystem und haben auch einen weitergehenden Anspruch als manch andere Notenbank im Eurosystem.“ Insofern sei man die Notenbank, die bezüglich der Debatte“ über die Zukunft der Währungsunion am aktivsten in der öffentlichen Diskussion ist“.

Das Argument, dass Deutschland von der Währungsunion profitiere und deswegen auch mehr zur Lösung der Schuldenkrise beitragen müsse, hält Jens Weidmann hingegen für falsch. „Eine stabile gemeinsame Währung nutzt allen Mitgliedsländern– dem einen möglicherweise mehr als dem anderen, doch das kann sich mit der Zeit auch ändern.“ Immerhin hätte Deutschland in den ersten Jahren der Währungsunion nicht als Gewinner gegolten. Zudem helfe Deutschland „den Peripherieländern ja in großem Umfang, vor allem als Stabilitätsanker und Garantiegeber der Rettungsschirme.“

Kommentare

Dieser Artikel hat 42 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Torguemada sagt:

    Die EU als Schuldenunion ist Realität, Herr W. weiss das, wird es aber nicht verhindern können, dass Deutschland weiter ausgeplündert wird. Denn das ist Ziel und Zweck der EU, dem Frieden wegen selbstverständlich!!

  2. rundertischdgf sagt:

    Die EZB will eben unbegrenzte Macht zum Gelddrucken. Und wenn die Deutschen da nicht mitmachen, wird Deutschland im ganzen als Bedrohung angesehen.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/08/01/deutschland-als-bedrohung/

    • Schlechtmensch sagt:

      Na und? Lieber eine Bedrohung als der Zahlmeister für alle. Everybody’s darling is everybody’s Depp!

    • Richard sagt:

      Wenn Deutschland denke, ohne den Euro gehe es ihm besser, sei dies „extrem gefährlich“. „Deutschland war immer stark, wenn es europäisch war“, sagte Asselborn.

      „Ich will kein Deutschland haben, vor dem man Angst hat, von dem man fürchtet, es könnte sich isolieren“, ergänzte er.

      —————————————-

      Angst haben muß man eigentlich nur vor dem, dessen Eigentum man nicht respektiert.

      Respektiere die Selbstbestimmung Deines Nachbarn, respektieren sein Eigentum – und er wird Dich lieben.

      Greif in sein Portamonaie – und er wird Dich hassen!

  3. Peter G. sagt:

    Wer will eine politische Union, die erkennbar darauf angelegt ist, dass der Norden den Süden alimentiert und das Ganze noch als „Solidarität“ bezeichnet.
    Die Südländer sind weder in der Lage noch wollen sie ihre Ausgaben ihren Einnahmen anpassen. Üppige Subventionen aus der Brüsseler Kasse und die Möglichkeit billiger Kredite haben bei ihnen die Illusion erzeugt, ihr Wohlstand sei von ihnen selbst erwirtschaftet und sie hätten einen Anspruch auf den gewohnten Konsum.
    Diese überzogenen Ansprüche zurückzuführen ist ein schmerzhafter Prozess und wird nie und nimmer freiwillig sondern nur unter dem massiven Druck eines Staatsbankrotts geschehen. Abgesehen davon wäre es für sämtliche Politiker dieser Länder ein überaus peinlicher Gesichtsverlust, wenn sie ihre Fehler eingestehen müssten. Also sollen gefälligst die Deutschen zahlen. Die schulden uns ja auch noch Reparationen.

  4. Matthes sagt:

    Souveränität abgeben?
    An wen denn? An diese inkompetenten Politiker in Brüssel? An Draghi, der illegal agiert und unser Geld verschleudert? Nur im Bankeninteresse? Die EU ist von den Schuldenländern getriggert. Da heisst es nur nehmen, nicht geben!

  5. G.N. sagt:

    Ich hoffe Herr Weidmann, Sie können die Vorstellungen der Bundesbank trotz der vergleichsweise geringen Stimmenanteile dauerhaft durchsetzen.
    Ich vermute, Ihre Vorgänger sind aus diesem Grunde gegangen. Die „verordnete“ Politik für die Bundesbank wollten diese offensichtlich nicht mehr mittragen und sahen die Durchsetzungskraft offensichtlich in Gefahr.

  6. jay twelve sagt:

    BBP-Waidmanns Spagat zwischen Fiktion und Realität wird zunehmend schwieriger.
    Alles das was er im Chor mit DB-Ackerman Merkel ins Ohr vorgesungen hatte, scheint überholt zu sein.

    In vielerlei Hinsichten ein armer Mann, unser BBP-Weidmann.

  7. stromerhannes sagt:

    Zeitlos aktuell ist die offensichtlich Inkompetenz des Herrn Weidmann.

    Hat der Mann noch nicht das Bundesbankgesetz gelesen, worin nach der Einführung des € die Bundesbank zum zahnlosen Tiger verkommen ist?

    Warum sagt er nicht zur fremdauferlegten Verpflichtung zum Target II ein entschiedenes „NEIN“. Weil er es nicht kann, besser nicht darf!

    Wir haben das grösste Defizit an fähigen Leuten, die der EZB- Diktatur, von Marionetten der FED ohne Rechtsgrundlagen durchgesetzt, wirksam Paroli zubieten.

    Die Deutsche Bundesbank hatte noch nie fähige Chefs, lediglich Vasallen der internationalen Finanzmafia.

    Mit seiner Geldpolitik ist er die wichtigste Lachnummer im Eurosystem. Leider nur für die Empfänger von Rettungen und deutschen Warenlieferungen auf Kosten der deutschen Steuerzahler.

    Falls er seinen Job, den er ohnehin nicht ausfüllt, demnächst zur Verfügung stellt, so werden wir ihn, wie ALLE seine Amtsvorgänger, offiziell auf den Gehaltslisten der FED- Banken wiederfinden.

    Übrigens: Mangels Aufgabenstellung der Bundesbank in dieser Staatssimulation durfte die Mehrheit der Mitarbeiter seit €- Einführung bei vollen Bezügen in den „Vorruhestand“ gehen!

    Falls Weidmann diese Tatsache überhaupt bekannt ist.

  8. Willi Wucher sagt:

    Lass Dich nicht verarschen vor allem nicht beim Preis !!

    Raus aus der EURO-Betrugs-Gemeinschaft.

    Wenn nicht jetzt, wann dann !

    Die DM soll wieder unsere A….b..e werden, wenn es andere Looser-Staaten so sehen, dann sollen sie es so sehen. Diese billige Worteklauberei funktioniert heute nicht mehr. Das deutsche Zahler-Volk wird langsam wach.

    Nur Leistung, Effizienz , Kontinuität, Pünktlichkeit uvm. funktioniert, dass ist das Schlüsselwort für Erfolg und diese „Leistung“ der bösen Deutschen, liebe Franzosen, Griechen, Italianis, Espanholas und Luxemburger, wo auch immer das letztgenannte liegt…..?!

    Was sang Grönemeyer schon in den achtzigern, ..“ man muss nur eben die Zeiten der Zeit erkennen, ….oohoooh der fleißige siegt…“ und das hat rein gar nichts mit Krieg oder Waffengewalt zu tun……..

  9. tomorrow sagt:

    So einige wünschen sich, dass man sich die Winselei nach mehr Europa und noch mehr Solidarität, spart. Andere wünschen sich auch nicht mehr Kompetenz in Brüssel, sondern mehr Kompetenz in den Staatsregierungen. Immerhin sind die Parlamente der Euroländer demokratisch vom Volk gewählt worden. Das scheint aber nur noch Nebensache zu sein, wenn überhaupt noch jemand für seine Wähler einsteht und das Richtige versucht. Alles dreht sich nur mehr um die Brüsseler ungewählten und die maßen sich an, alles besser zu wissen.
    Diese Entwicklung wird weiterhin als gut befunden und medial hofiert, bis auf Ausnahmen. OK, seit kürzlich werden auch kritische Stimmen in den MSM vernommen, die sich per kritischer Betrachtung des Kasus in Szene setzen. Oft muss man aber zwischen den Zeilen lesen, um zu erkennen, was wirklich gemeint ist. Das ist nicht neu, es war im Grunde immer so. Aber nicht jeder kann das verstehen, Die Fachpresse richtet sich an die Klientel, die seit Jahrzehnten diese Schreibe verfolgen und verinnerlicht haben.

    Einige Zusammenhänge und Querverweise sind für Durchschnittsleser, wenn überhaupt nur schwer zu verstehen, wenn nicht rätselhaft. Wer weiß, wie die Fachpresse funktioniert und wie dort Meinung gemanaged wird, mag eine gewisse Draufsicht haben, aber den Durchblick erlangt er nicht.

    Eigentlich sind viele Fragen im Raum, die nicht annähernd beantwortet werden.
    Einige Leute stehen vor dem Tatort und wollen einen Fall aufklären. Statt der Mordwaffe, finden sie nur einen perfiden Streich. Es gibt so viele Opfer und Motive, dass der Täter im dunklen bleibt. (?)

    FG tomorrow:-)

  10. winfried trautsich sagt:

    Bravo, Herr Weidmann!

    Ich finde; es ist eine gerechte und sachliche Feststellung,
    dass die Bundesbank nicht nur den Geldgeber und Bürgen
    spielen kann, sondern ihr auch mehr Mitbestimmungsrechte
    eingeräumt werden muss.

    LG