Rezession in der Eurozone: Spürbare Probleme auch in der deutschen Industrie

Die Lage der Industrie der Euroländer ist so schlecht wie seit 37 Monaten nicht mehr. Die sinkenden Nachfrage wird die Rezession in der Eurozone auch im 3.Quartal verstärken. Auch die deutsche Industrie musste im Juli einen starken Produktionsrückgang und große Auftragseinbußen hinnehmen.

Die Lage der Industrie in der Eurozone verschärft sich weiter. Die Kennzahlen für die Industrie sind nun zum zwölften Mal in Folge gesunken. Der Einkaufsmanager-Index der Eurozone erreichte im Juli den niedrigsten Wert seit über drei Jahren. Nachdem er im Vergleich zum Vormonat um weitere 1,1 Punkte gesunken war, erreicht der Einkaufsmanager-Index lediglich 44 Punkte. Erst ab einem Wert von 50 Punkten kann damit gerechnet werden, dass die Industrie nicht mehr schrumpft.

Dieser Wert scheint aber in weite ferne gerückt zu sein. In fast allen Ländern der Eurozone haben sich die Aussichten für die Industrie verschlechtert. „Der Industriesektor der Eurozone ist im Juli noch tiefer in die Krise geschlittert und dürfte damit auch im dritten Quartal 2012 hauptverantwortlich für ein weiteres Abgleiten der Eurozone in die Rezession bleiben“, sagte Chris Williamson, Chefökonom bei Markit.

Die Industrie versucht der negativen Entwicklung der Nachfrage mit niedrigeren Preisen entgegenzusteuern. Die Nachfrage ist nun zum 14. Mal in Folge gesunken. Im Juli sind sowohl die Einkaufspreise als auch die Verkaufspreise gesunken. Die Einkaufspreise sind so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Verkaufspreise liegen auf dem niedrigsten Niveau seit Februar 2010. Dennoch werden die Auftragsverluste Kündigungen in der Industrie verursachen.

Die Wirtschaftsdaten für Deutschland sind ebenfalls beunruhigend. Der Markit-Einkaufsmanager-Index bestätigt diesen negativen Trend. Der Index sank im Juli um zwei Punkte auf 43 Zähler und liegt somit weiter deutlich unter der 50-Punkte-Marke, die ein Wachstum signalisiert. Im Juli verbuchte die deutsche Industrie den stärksten Produktions- und Auftragsrückgänge seit April 2009. „Die Lage der deutschen Industrie hat sich binnen Monatsfrist dramatisch verschlechtert”, sagte Tim Moore von Markit. “Unter den vier Schwergewichtsländern der Eurozone ist der deutsche PMI im Juli auf den dritten Platz abgesackt. Dies ist die niedrigste Platzierung seit drei Jahren“.

Seit 13 Monaten in Folge „und damit so lange wie nie zuvor seit Umfragebeginn im April 1996 geht der Auftragseingang in der deutschen Industrie nun bereits zurück“. „Die Produktion wurde nicht nur so stark zurückgefahren wie zuletzt vor über drei Jahren, auch mit der Beschäftigung ging es so zügig bergab wie seit Anfang 2010 nicht mehr.” Grund hierfür sei die niedrige Investitionsbereitschaft der Kunden wegen der unsicheren globalen Konjunkturaussichten und die geringe Auslandsnachfrage aus den USA und Asien.

Kommentare

Dieser Artikel hat 44 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Trautwig, Karl-Heinz sagt:

    Ein wesentlicher Markt der deutschen Industrie ist innerhalb der EU.
    In der südliche Hemisphäre der EU sitzt das Geld nicht mehr so locker,
    die Verbraucher orientieren sich weg vom Konsum, was zur Folge hat, dass die
    Produktion bzw. die Produktionsmittel d.h. unser Export nicht mehr in dem Maße benötigt werden.Folglich-Auftragseingang.
    Dies gilt allgemein auch für die aussereuropäischen Märkte.
    Die Weltwirtschaft ist mittlerweile an einem Punkt angekommen der „Arges“ befürchten lässt.
    Eine Patentlösung für diese Misere fällt mir allerdings auch nicht ein.

    • Michele sagt:

      Etwas zurückschichten…ein Jammer!

      Den ausgewogenen Kapitalismus (den wir schon lange nicht mehr haben) ist nur in Aufschwungphasen schön, aber nicht so sehr, wenn die Kaufkraft artfremd vom übermächtigen Staat (manchmal sinnentstellt) zudem noch abgezwackt wird und folglich nur noch zu einem geringe Teil sich in direkte kreislaufgesteuerte Aufträge (manchmal auch sinnentstellt) verwandelt.

      Hoffen wir dass man den Michels noch ein wenig Kaufkraft lässt, damit er sich den Friseur noch leisten kann…nur krank werden darf der Michel nicht, sonst ohjee…geht die ganze komplette Kaufkraft für die Zahnarzte und für die Allgemein-und Spezialärzteschaft und Medizin drauf…an der Gesundheit muss der Michel noch heftig sparen lernen 😉

      • Michele sagt:

        Statt Kapitalismus sollte ich besser den Bergriff „Freie Marktwirtschaft“ verwenden.

        Denn bei der freien Marktwirtschaft ist Korruption total ausgeschlossen 😉 😉

  2. Ratlos sagt:

    Der Verlust der D-Mark und der Zwang in den Euro hat doch erst diesen ganzen Schlamassel verursacht.

    Ein kontrovers diskutierter Artikel von Heiko Schrang hierzu unter: http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/143/der-verrat-an-der-dmark-und-die-folgen-fuer-ihre-zukunft.php

  3. bate sagt:

    Solange der deutsche Michel glaubt, Merkel wäre eine gewählte und legitimierte Kanzlerin, ist doch alles in Butter…

  4. Vanessa_ sagt:

    Ja, es macht durchaus Sinn, weiter Arbeitsplätze abzubauen, um der Rezession entgegenzuwirken. Wie die Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten und wie der Binnenmarkt funktionieren soll, das ist völlig belanglos. Wird schon irgendwie werden. Hauptsache, die Wirtschafts“elite“ kann noch die Gewinne steigern und die Politdarsteller können uns politisch korrekt erklären, dass wir uns alle „auf einem guten Weg befinden“.

    *Ironie off*

  5. bendix sagt:

    Die Staatsverschuldung von Amerika, in 1 Dollarscheinen übereinander gestapelt ergiebt eine Höhe von: Die ISS muß täglich aufpassen das Sie den Turm nicht rammt.
    Die Target 2-Verbindlichkeiten von Deutschland in Form eines Kassenbons wickelt den Erdball schon allmählich ein. Weiter so, schützt wenigstens vor Ozon und gegen Klimaerwärmung.

  6. Michael sagt:

    Wo soll denn bitte das Problem sein, wenn das BIP der Eurozone mal meinetwegen 1% zurückgeht ? Da fallen wir gleich ins Koma oder wie ? Also wirklich. Sowas von Panikmache ist wirklich peinlich.

    • Vanessa_ sagt:

      Das Problem ist, dass dann die „Investoren“ (Geldgeber) nicht mehr bedient werden können (Zinsen = leistungsloses Einkommen). Das ist auch der Ursprung der ständigen Predigt von Wachstum (Unwort des Jahrtausends!).Und die Unternehmer verzichten natürlich auch nicht auf eine klitzekleine Kleinigkeit. Bei bedarfsorientierter Produktion würden diese leistungslosen Einkommen zunächst geschmälert und irgend wann ganz verschwinden.Vor allem die Banken als die großen Geldgeber hätten das Nachsehen.

      Bei bedarfsorientierter Produktion fällt mir irgendwie „Planwirtschaft“ ein. Ein teuflischer Akt im Sinne des Turbokapitalismus. Aber mal drüber nachgedacht?

      Die jetzt gelebte Marktwirtschaft ist im Prinzip eine gesteigerte Form der Planwirtschaft. In der Planwirtschaft wird praktisch bedarfsgerecht produziert. In der vielgepredigten Marktwirtschaft mit einem M U S S an W A C H S T U M plant man im Prinzip wie in der Planwirtschaft, nur dass man sich hier selbst dem Streß aussetzt, jedes Jahr noch mehr zu produzieren und noch mehr und noch mehr. Der ursprüngliche Plan vom vorigen Jahr muss ja praktisch erst einmal erreicht werden, um ein M E H R zu erzeugen. In den ersten Jahren der sozialen Marktwirtschaft war noch ein Wachstum durch vielleicht weniger Produktion möglich, dafür aber wurden entweder die Preise erhöht oder Arbeitsplätze abgebaut oder beides. Es spielen natürlich noch viele andere Faktoren eine Rolle, das würde hier den Rahmen sprengen. Heute sind wir an einem Punkt angekommen, wo mit noch weniger Arbeitsplätzen und noch weniger Lohn mehr Produktion nicht möglich ist. Steigerung der Lebenshaltungskosten und immer weniger Lohn führen letztlich zu diesem wirtschaftlichen Dilemma, in dem wir heute stecken. Die Binnenmärkte brechen so langsam in ganz Europa ein und die Regierungen schwafeln immer weiter von Wachstum!

  7. jay twelve sagt:

    Vor 37 Monaten war sich Michael M. noch nicht im Klaren, ob er ein Mahner oder ein Schreckgespenst des Journalismus werden soll. Seine Idee, den Wutbürger eine „unabhängige“ Plattform zu bieten, scheint sich doch gelohnt zu haben, zumal Österreich im Vergleich zu Deutschland Zahlenmäßig schlecht abschneidet.

    Diese Meldung ist eindeutig tendenziös. Es malt dem Schreckgespenst auch dort, wo man ihn im keinen Fall hätte vermuten können. Hahaha.
    Wie hätten wir vor 37 Monaten auf die Idee kommen können, nach so vielen „Rettungen“ und beinähe Pleiten, erraten zu dürfen, dass auch die Wirtschaft weichen Knien bekommen werde?

    Michael M., als Mahner bist Du mit viel sympathischer.

  8. capraio sagt:

    Kurz und bündig:
    Trennbankensystem Glass Stegal!

  9. Michele sagt:

    Ein funktionierendes Wirtschaftssystem ist nicht als Einbahnstrasse anzulegen, sondern als Kreislauf.

    Seit Jahren hat man dieses Axiom aus kurzfristigem Eigennutz zuwidergehandelt. Die modernen Entscheidungsträger dürfen sich also ruhig noch etwas weiterbilden. 🙂

    • Michele sagt:

      diesem Axiom

    • Michele sagt:

      Und damit meint Oma nicht nicht zuerst die gemeinsame Schulden-Haftung der Steuerzahler, sondern die Einbahnstrasse des Geldflusses von Unten nach Oben. Falls jemand versteht, was sie damit meint… 😉

    • J. C., geb. Püschl sagt:

      Liebe Michele,

      Sie sollte man als Finanzministerin vorschlagen!

      Seit gut neun Monaten lese ich immer wieder Ihre Beiträge und freue mich über Ihren Sachverstand und die rechtschaffene Geisteshaltung dahinter.

      Mein Steueraufkommen würde ich Ihnen bereitwillig anvertrauen.

      In Ihren Händen wäre es besser aufgehoben als in den Taschen der „Lumpen“, die sich im stinkenden Morast ihrer ungeheuerlichen Lügen wälzen und sich dafür gegenseitig noch mit „Ehrenpreisen“ behängen!

      mfG