US-Investor: Staatsanleihen sind die schlechteste Geld-Anlage

Der US-Investor Paul Singer hält die Finanzpolitik der reichen Staaten für verheerend und rät Investoren, alle Staatsanleihen umgehend zu verkaufen. Die Flutung der Märkte mit frischem Geld werde gravierende Auswirkungen auf die Gesellschaften des Westen haben.

Paul Singer von Elliott Management hält 10-jährige Staatsanleihen der USA, Großbritanniens, Japans und aus der Euro-Zone für die schlechtesten Investments, die man derzeit machen könne. In einer Notiz an seine Kunden rät Singer, alle diese Papiere sofort und ersatzlos zu verkaufen. Man habe damit bisher gutes Geld verdient, nun sei damit nichts mehr zu gewinnen: “Ab jetzt gibt es nur noch Risiko, und sehr wenig Belohnung”.

Singer gilt als ein erfahrener Investor, der jedoch im zweiten Quartal 2012 mit seinen Investments nicht sonderlich erfolgreich gewesen ist. Vor allem hatte er auf Gold und bestimmte Aktien gewettet. In beiden Fällen hatten sich die Werte nicht so entwickelt, wie Singer erhofft hatte. Im Falle von Gold dürfte auch Singer von den offenkundigen und nachhaltigen Manipulationen des Goldpreises überrascht worden sein (mehr dazu hier).

Trotz dieser Flops hat Singers Wort Gewicht. Und vor allem seine sehr pessimistische Beurteilung der Ursachen der Krise sind bemerkenswert: Die reichen Länder hätten nichts anderes getan, als Geld in die Märkte zu pumpen. Damit aber könne langfritig kein Wachstum geschaffen werden. Es sei zu wenig, die kurzfristig neu entstandenen Jobs im öffentlichen Sektor als Erfolg anzupreisen. Singer hält die Entwicklung in den USA für eine “nationale Tragödie”. Durch die aktuelle Finanzpolitik werde die Armut weiter steigen. Singer: “Geld in den Markt zu pumpen und die öffentliche Verwaltung aufzublasen ist kein Wachstum. Dies führt nur zu Korruption, noch mehr Armut und schließlich zu politischen Unruhen.” Amerika habe sich ausgesprochen negativ entwickelt: Waren früher Mut, Unternehmergeist und Kreativität die Treiber der amerikanischen Wirtschaft, habe sich die amerikanische Gesellschaft nun offenbar mit dem Status Quo abgefunden, in dem wenige viel und viel wenig besitzen.

Von Europa zeigt sich Singer ähnlich enttäuscht: Die Europäer hätten für die Lösung ihrer Krise nichts anderes anzubieten als die Auskunft, dass ein Zerfall der Euro-Zone “noch teurer sein werde, als du dir gestern vorstellen konntest”. Er hält die europäischen Banken für noch risikoreicher als vor 2008.

Auch Deutschland bekommt bei Singer indirekt sein Fett weg – auch wenn er konkret von den niedrigen Zinssätzen für die US-Staatsanleihen spricht: “Die Worte vom sicheren Hafen könnten sich als die schmerzhaftesten und teueresten für Investoren in den kommenden Jahren erweisen.”

Kommentare

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  1. JohnHanson sagt:

    Erstaunlich hellsichtiges Statement, das Herr Singer da abgibt. Wenn man deutschen Mainstreammedien glauben darf, gibt es selbst in den USA nicht viele, die das begriffen haben.
    Am Ende ist es doch so: Politiker, die sich empören, die „Märkte“ gäben ihnen Handlungen vor und nähmen ihnen allen Spielraum, offenbaren, wenn sie losgelassen, ganz klar was passiert, wenn Politik versucht, die Wirtschaft zu dominieren: Nix weiter im Schädel als schrankenlose Staatsverschuldung und den Versuch, die nationalen Notenbanken zu mundtoten Marionetten ihrer geistlosen Geldverschwendung zu machen. Weil sie zu feige sind, echte Reformen durchzusetzen, zu feige sind, aufgeblähte Verwaltungsapparate zu beschneiden, zu feige sind, dem Bürger die Lasten zu kürzen und darauf zu vertrauen, daß funktionierende Wirtschaft freie Individuen und keine Markteingriffe benötigt. Und, weil viele Parteien überhaupt nur einen Programmpunkt haben: Wählerbestechung. Die politischen Programme der meisten Parteien sind ohne beliebig steigende Staatsverschuldung überhaupt nicht durchführbar. All das kulminiert am Ende in dem Anleihepapier eines Staates selbst. Ich fürchte, Singers Prognose wird sich bewahrheiten.

  2. khaproperty sagt:

    In der Tat stimmt es, daß die Reaktionen auf die Finanzkrise überall fehlerhaft waren, weil nur Liquidität geschaffen wurde, mit der außer ein paar Bankern niemand etwas anfing. Weder wurde investiert noch nachgefragt, was nicht verwundert, denn Vertrauen läßt sich nur herstellen (bei Investoren und Verbrauchern), wenn Krisen schmerzhaft (!) bewältigt werden – und nicht nur versucht wird, unter den Teppich zu kehren, was angestellt wurde.

    Ähnlich war es in EU und Deutschland, wo nichts abgearbeitet wurde, sondern mit Geld versucht wurde, die Menschen hier und dann infolge der sich ausbreitenden Euro-Krise auch bei den PIIGS ruhig zu stellen, was Politiker meist machen, um ihre Wahlchancen zu wahren.

    Aber auch hier gilt:
    ohne schmerzhafte Aufarbeitung durch gnadenlose Austerity, Steuersenkung und Jahre furchtbarer Quälerei kann es nie wieder aufwärts gehen.
    England versucht sich aktuell darin, allerdings noch mit zu wenig Abgabensenkungen, aber immerhin der eigenen Währung, was ein Riesenvorteil ist.

  3. Tom sagt:

    Wer kauft denn seit spätestens 2010 überhaupt noch Staatsanleihen, sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks ? Nur die (privaten) Zentralbanken und die zum Teil aus Gier, zum Teil von der Politik dazu genötigten privaten Banken. Kein Normalbürger oder Investor mit Grips steckt Geld in so ein Verlustgeschäft. Von daher ist Singer’s Info zwar richtig, aber mind. zwei Jahre alt.

  4. hunter sagt:

    oder anders: „Staatsanleihen sind die sicherste Kaufkraft-Vernichtungsanlage“

  5. Rico Coracao sagt:

    10-jährige Staatsanleihen ..da gab es dann schon QE 8,9,10
    ..selbst bei 20% und noch höheren Zinsätzen frisst das doch die Inflation auf..
    In 10 Jahren sieht die Welt ganz anders aus, ob es dann noch dieses Geld
    ohne Wert gibt oder schon „Neues“ auf der gleichen Basis?

  6. aktivposten sagt:

    Es sollte jedem klar sein, daß man jemandem, der geschätze 7 Bio € Schulden hat (der Bund: offizielle Staatsverschuldung + zukünftige Pensionsverpflichtungen + Verpflichtungen aus den „Rettungs“paketen), kein Geld mehr leiht, denn alleine die echte Zinslast macht bereits ca. 1/3 des Bundeshaushaltes aus, bei den USA sieht es noch schlimmer aus (Stichwort Helikopter-Ben)
    Das ist dasselbe, wie Süchtigen, die einem die Bezahlung nächste Woche gaaaaaaanz fest versprechen, Drogen zu geben. Der nächste Schuß ist immer der wichtigste.
    Die „Märkte“ (die keine sind, zumindest nicht nach VWL-Definition), sind auch auf Droge: frisches Geld. Bezahlung: irgendwann in der Zukunft, gaaaaaanz fest und gaaaaanz bestimmt versprochen. Wenn nur endlich der nächste Schuß in Reichweite ist…

    • OLymp sagt:

      schönes Bild, wünschte mir dieses im TV!!
      Aber wahrscheinlich will dies keiner so wahrhaben. Wir brauchen doch alle unseren Schuss diese Woche!