Türkei: Ökonom erwartet Platzen der Immobilien-Blase

Daron Acemoğlu vom MIT sieht in der Türkei Paralellen zu den vergangenen Immobilienkrisen in Spanien und den USA. Auch in der Türkei drohe die Immobilienblase zu platzen. Wenn die türkische Wirtschaft dadurch geschwächt würde, sei auch die europäische Finanzkrise eine große Gefahr für das Land.

Die schnell und konstant ansteigende Überbewertung von Immobilien in der gesamten Türkei könnte zu einer landesweiten Krise führen, wenn die Preise eine nicht haltbare Größenordnung erreichen und schließlich schlagartig sinken, prognostiziert Daron Acemoğlu, Ökonom und Professor am Massachusetts Insitute of Technology (MIT). Die Nachfrage könnte auf Grund der hohen Kredite zurückgehen und sogenannte faule Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden.

„Die Immobilienpreise steigen rasant und auf der anderen Seite haben wir eine sehr junge, ständig wachsende Bevölkerung. Die Population in den Städten nimmt zu, infolgedessen muss viel gebaut werden, die Infrastruktur in der Türkei benötigt sehr viel Unterstützung und es ist offensichtlich, dass das Wachstum der Türkei zu einem großen Teil auf die Baubranche zurückzuführen ist“, stellt Acemoğlu fest.

Für ihn liegt das Problem allerdings nicht in der Baubranche, sondern in den stetig wachsenden Immobilienpreisen. Er warnte vor einem Szenario, das sich in anderen Ländern bereits ereignete. „Steigende Hauspreise bei niedrigem Realzins hatten wir schon einmal in Spanien und in den USA beobachtet. Und was war dann passiert?“ Darüber müsse ernsthaft nachgedacht werden, warnt Acemoğlu im Interview mit der türkisch-armenischen Wochenzeitung Agos.

Nach Angaben der Türkischen Zentralbank sind die Wohnungspreise im vergangenen Juli um 11,68 Prozent gestiegen, während die Verbraucherinflation im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich 9,07 Prozent betrug. Im Falle einer Immobilienblase sinken die Preise plötzlich nach einem Anstieg. Privatpersonen, die Hypotheken aufgenommen hatten, um ihr Haus zu bezahlen, bevorzugen es, das Eigentum an die kreditgebenden Banken zu übergeben, anstatt an ihren Rückzahlungsplänen festzuhalten. Die Banken müssen ihr Vermögen dann neu einschätzen und stehen vor einer Liquiditätskrise, unfähig ihre eigenen Verbindlichkeiten zu bezahlen sind dann eventuell auf staatliche Hilfen angewiesen.

GYODER veröffentlicht „Türkei- und Weltimmobiliensektorbericht, 1. Quartal 2012“

Ein Bericht des „Gayrimenkul Yatırım Ortaklığı Derneği“ (GYODER), (dt. Immobilien-Investitions-Partnerschafts-Verband) zeigte kürzlich, dass sich die Kreditvergabe der türkischen Banken für den Ankauf von Wohnungen an Privatpersonen im ersten Quartal des Jahres mit 2,7 Milliarden Dollar mehr als halbiert hat. Im Vorjahr vergaben die Banken noch Kredite im Wert von 5,5 Milliarden Dollar.

In den ersten vier Monaten des Jahres betrug das Wachstum der Hypotheken insgesamt nur zwei Prozent im Jahresvergleich. Der monatliche Zinssatz auf diese Kredite erfuhr eine milde Senkung von 1,25 Prozent im ersten Viertel auf 1,21 Prozent am Ende der darauffolgenden 3-Monats-Phase. GYODER zufolge wurden unter diesen Konditionen 96.000 Wohnungen im ersten Quartal verkauft, das sind 5,5 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

In der gesamten Türkei sind die Immobilienpreise in den ersten fünf Monaten um 4,7 Prozent gestiegen. Mit Blick auf die Inflation fand somit kein reelles Wachstum statt. In Istanbul ist mit 5,3 Prozent der größte Anstieg zu verzeichnen.

Die Schwankungen im Binnenhaushalt, so Acemoğlu, kämen für die Türkei zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Die europäische Krise sei für die Türkei von großer Bedeutung: „Falls sich die wirtschaftliche Situation in der EU weiter verschlechtert, dann nicht dauerhaft. Die EU würde nur drei Jahre kein Wachstum verzeichnen und sich dann erholen.” Anders sei das jedoch im Fall der Türkei. Entgegen der Meldungen der Regierung, die Krise könne der Türkei nicht schaden, sagt Acemoğlu: „Auf die Türkei hätte die EU-Krise aber einen sehr großen negativen Einfluss. Die EU ist ein sehr bedeutender Wirtschaftspartner und gleichzeitig eine Investitionsquelle für uns“. Er betonte, dass die Makroökonomie der Türkei nicht stark genug sei, um eine Krise von solch einem Maße überstehen zu können.

Kommentare

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  1. Leslie sagt:

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  2. jay twelve sagt:

    Hallo Neider, wie hätten sie es gerne, eine Wohnung in München für 2,5 Mill. Euro oder eine in Antalya, die schöner und geräumiger ist, für 250.000 TL?

    • Bankhaus Wucher sagt:

      Für 2,5 Mill. Euro könnte man nach aktuellem Umrechnungskurs von 2,20 sage und schreibe 22 Wohnungen im Wert von 250.000 Lira erwerben. Damit kann man schon einiges anstellen. Von den Erträgen aus dieser Investition könnte man beispielsweise sehr häufig nach München fliegen. 🙂

      • jay twelve sagt:

        Bankhaus Wucher, unweit von meinem Haus hat man ganze Siedlungen für Normalbürger in beste Qualität, samt Tiefgaragen und Tante Emma Laden im Erdgeschoss errichtet, wo Du eine Wohnung von 120 mq für 120.000 TL ersteigern kannst.

        Wenn Du 2,5 Mill. Euro bar zahlst, kannst Du mit Rabatt 50 Wohnungen ersteigern.
        Allerdings, der Mietspiegel ist dem türkischen Einkommen per Gesetz angepasst. Die Monatsmiete für 120 mq Wohnung ist im Durchschnitt etwa 500-600 TL. Nach Abzug von Steuer und Instandhaltungkosten, bleibt keine berauschende Rendite hängen.
        Die türkische Investoren denken langfristig und können gut davon leben oder neu investieren.

        Wenn Du aber 2,5 Mill. Euro= 5,5 Mill. TL bei der Bank als Monatgeld anlegst, kriegst Du 9,75% Zinsen, abzüglich 15% Steuer = 455.812 TL/Jahr. Für die Ausländer ergibt das kurzfristig mehr Sinn.

    • Deutschtürke sagt:

      Wart nur ab, der Lebensstandard wird bald viel weiter unter dem griechischen liegen!

  3. Can sagt:

    Wer ohne Darlehen in Europa baut und und ohne Darlehen Autos kauft
    Der möge denn ersten Stein schmeißen !!!!!!

    • FDominicus sagt:

      Ok, ich werfe den Stein. Sogar für beide Gründe.

      Und da ich gerade beim schmeißen bin. Ich werfe noch folgendes in den Ring.

      Alle Zentralbanken gehören abgeschafft
      Alle Zellulosezwangszahlungsmittel gehören abgeschafft.

      Wer so bescheuert ist ein private genutztes Auto auf Kredit zu kaufen, verdient alles außer meinen guten Wünschen.

  4. Saila sagt:

    Nach vier mal neuem Beginnen, was man zu dieser Nachricht schreiben kann, lasse ich es einfach sein.

    Lasst doch den ganzen Bankenrotz endlich gegen diese Wand fahren. Obwohl das ganze System schon gegen die Wand geknallt ist, so scheint es immer noch so zu sein, als würden manche es noch nicht bemerkt haben.

    Ist das alles ein Jammerspiel………………….

  5. werner sagt:

    na dann, damit der pöbel weiterhin was zu tun hat, geht´s an der seite usraels ab in den krieg gegen syrien und iran, woraufhin der iran den ölhahn zudreht….und israel auf atom umsteigt, woraufhin jerusalem zum gau wird…..

    • Michele sagt:

      Das wäre Irrsinn, die Pfifferlinge im Schwarzwald sind bereits verseucht (26 wegen Tschernobyl)…

      • Michele sagt:

        26 Jahre nach Tschernobyl (aber nicht nur mit Radiocäsium, sondern auch mit Cadmium und Quecksilber)

        Auch die Meere werden nach und nach „bitter“.

  6. tomorrow sagt:

    Meines Wissens hat die Türkei, weil unabhängig von EU und Euro, keinen Grund sich Sorgen zu machen. Eine Immobilienblase entsteht dann, wenn Kreditgelder zwecks Gewinnmaximierung sachlich fehlinvestiert werden und aus Gier, über den Bedarf hinaus, gebaut wird. Die Türkei behauptete bisher, dass sie gegenüber der EU, ein gesundes Binnenwachstum hat. Das will ich mal eher glauben, als einem mahnenden Lobbyisten-Verband. Bisher habe ich noch keine Bilder gesehen, von vergammelnden Rohbauten, so wie aus Griechenland oder Spanien.
    Sollte in TR dennoch etwas schief laufen, haben sie alle Möglichkeiten, daran etwas zu ändern. Denn sie sind nicht in das EU-Korsett gezwängt, haben also die freie Auswahl aus dem Maßnahmenkatalog der VWL. Hauptsache ist, sie lassen sich nicht von den Banken auf der Nase herumtanzen.

    Zu diesem Thema, bin ich gespannt auf den Kommentar von „jay twelve“ !?

    FG tomorrow

    • Ecke sagt:

      Die EU zahlt an die Türkei liegt aktuell bei 781,9 € !!! Für angebliche Reformen, so genannten Heranführungshilfen an die EU. Warum eigentlich?

      • Ecke sagt:

        Die EU zahlt an die Türkei liegt aktuell bei 781,9 € !!! Für angebliche Reformen, so genannten Heranführungshilfen an die EU. Warum eigentlich?

        Muss natürlich 781,9 Millionen € heißen.

        • Gast sagt:

          Was sind denn schon lächerliche 781 Mio. Euro? Griechenland,Portugal, Spanien, Irland, Zypern bald Italien verschlingen Billionen , von den neuen Pseudo EU-Staaten Rumänien und Bulgarien mal ganz abgesehen… Zugespitzt fragen, warum die Türkei diesen Portobetrag bekommt, aber völlig ignorieren, dass in Griechenland deutsche Fahnen verbrannt und das gesamte deutsche Volk auf übelste verunglimpft wird, obwohl Milliarden über Milliarden deutscher Steuergelder in dieses und andere marode Staaten gepumpt werden. Für die Türkei ist Deutschland der wichtigste Handelspartner und auf der deutschen Exportrangliste steht die Türkei immerhin auf Platz 18. Auch wenn die Heranführungshilfe in dieser Form natürlich nicht verwendet wird (die Türkei wäre ja schön blöd, sich der EU-Diktatur zu unterwerfen) kann es nur im Interesse der EU liegen, das die Türkei wirtschaftlich stabil ist und auch bleibt.

    • KClemens sagt:

      Das Problem ist nicht nur die entstehende Immobilienblase in der Türkei, zeitgleich entsteht dort eine Kreditblase, weil die Mehrheit der Türken den Konsum über Kredit finanziert.

      Meines Wissens kann in der Türkei, wie übrigens auch in den USA, auch die Kreditkarte verwendet werden, um z.B. Hypothekenzahlungen zu leisten.

      In wie weit ähnliche Konstrukte (wie seinerzeit in den USA) mit Hypothekarkrediten aus der Türkei als „Anlage“ vermarktet werden, vermag ich nicht zu sagen. Ich halte es aber für nicht sehr unrealistisch, daß so etwas gehandelt wird.

      Vielleicht nicht über türkische Banken, womöglich aber die dutzenden Ableger internationaler Geldhäuser in der Türkei.

      Und wenn die Immobilienblase platzt, was keine Einzelmeinung ist, schlägt das durch, bis ins kleinste Dorf.

      Dann ist es auch egal, daß die nicht in der EU sind, und eine eigene Währung haben, denn raten Sie mal, wer für die Verluste geradestehen muss, wenn dort die Blase platzt, und wieder sämtliche Banken weltweit gerettet werden müssen.

      Die sind nämlich mittlerweile alle „systemrelevant“:

      http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/08/12/wegen-vernetzung-schieflage-nur-einer-bank-kann-globalen-crash-ausloesen/