Deutschland setzt im Ausland weiter auf Kernenergie

„Atomkraft – Nein Danke“ in Deutschland ist für die Bundesregierung in Ordnung. Mit Bürgschaften und Förderung von AKW-Neubauten im Ausland will das Wirtschaftsministerium dennoch die Atomenergie weiter unterstützen. Deutschen Firmen soll so geholfen werden, weiter Komponenten für Kernkraftwerke zu liefern.

Nach der Katastrophe von Fukushima (die noch nicht vorüber ist – hier) machte die Bundesregierung zumindest erst einmal eine Kehrtwende und entschied sich für den Atomausstieg Deutschlands, den sie zuvor zu verhindern wusste. Doch ein Atomausstieg Deutschlands ist für die Bundesregierung kein Grund, die Atomindustrie beim Bau neuer Atomkraftwerke im Ausland nicht tat- und finanzkräftig zu unterstützen.

Auf eine Anfrage der entwicklungspolitischen Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Ute Koczy, hin signalisierte das Bundeswirtschaftsministerium die grundsätzliche Bereitschaft, für AKW-Neubauten Zulieferungen oder Leistungen deutscher Firmen per Exportbürgschaft abzusichern. Der Atomausstieg in Deutschland habe für die souveräne Entscheidung anderer Staaten, Nukleartechnologie zu nutzen, keinen Einfluss, teilte das Ministerium mit. Außerdem sei das Ministerium bereit, Anträge auf Exportkreditgarantien für Leistungen und Lieferungen beim Bau von AKWs in Indien, Rumänien, Tschechien, Großbritannien und Finnland zu prüfen.

Die Bundesregierung agiere „heuchlerisch und inkonsequent“, sagte Ute Koczy der AFP. Wenn der Atomausstieg in Deutschland mit parlamentarischer Mehrheit und gesamtgesellschaftlichem Konsens beschlossen worden sei, „wie kann es dann angehen, dass die Bundesrepublik die Nutzung und den Ausbau von Atomtechnologie in anderen Ländern weiter fördert?“

Das Bundeswirtschaftsministerium wies jedoch darauf hin, dass sie die Regierung „der besonderen Sensibilität von Nuklearprojekten bewusst“ sei. Die Exportkreditgarantien für Lieferungen und Leistungen für AKW im Ausland würden „besonders streng“ geprüft. Zentrale Bedeutung habe dabei die Sicherheit für die Menschen im Umfeld des betreffenden Kernkraftwerks. Die Regierung setze sich zudem für hohe internationale nukleare Sicherheitsstandards ein.

Etliche der geplanten AKWs sind indes unter Experten und Umweltgruppen äußerst umstritten. So sollen etwa sieben Reaktoren im indischen Jaitapur in einem Tsunami- und Erdbebengebiet gebaut werden. Der Baugrund für den geplanten Akw-Neubau im rumänischen Cernavoda befinde sich in einer der seismisch aktivsten Regionen Europas, warnen Umweltgruppen seit Jahren.

Kommentare

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  1. marcus regenberg, Krefeld sagt:

    Ich bin doch kein Atom-Bürger!
    Während in Deutschland die ersten AKWs stillgelegt wurden, will die Bundesregierung den Bau des AKWs Angra 3 in Brasilien mit einer Milliardenbürgschaft fördern. Weitere Anfragen für Atom-Bürgschaften liegen vor: China, Indien, Finnland, Großbritannien. Lassen Sie sich nicht zu Atom-Bürgern machen, protestieren Sie jetzt.

    http://urgewald.org/protestaktion/ich-bin-doch-kein-atom-b-rger
    http://urgewald.org/protestaktion/ich-bin-doch-kein-atom-b-rger
    http://urgewald.org/protestaktion/ich-bin-doch-kein-atom-b-rger

    Beste Grüße, marreg

  2. Gast sagt:

    Merkel fühlt sich jetzt endlich sicherer wenn Deutschland rundherum von AKW’s umgeben ist. In wie weit dies vor den Auswirkungen eines GAU schütz muß hier nicht beantwortet werden. Es ist jedoch mit allem so. Ob Schadstoffemmission oder Ökoblabla. Wem nützt dies in Deutschland alles wenn der Rest der Welt sich nicht darum kümmert. Alles reiner Lobbyismus um jene die schon genug Geld mit dem Umfung verdient haben noch ein paar Milliarden zukommen zu lassen – auf Kosten der Bürger natürlich. Man kann davon ausgehen das die Politik für diesen Unsinn kräftig geschmiert wird mit dem neu erfundenen Mehreinkommen.

    Atomenergie ist und bleibt sauber,kostengünstig, effizient und sicher und wer dies nicht verstehen will hat wohl die letzten 50 Jahre geschlafen als die AKW’s liefen. Nun zählen wir mal die globalen Katastrophen zusammen welche durch AKW’s ausgelöst wurden und berechnen daraus in Prozent die Wahrscheinlichkeit eines GAU. Dabei müssen natürlich örtliche gegebenheiten berücksichtigt werden. In Deutschland würde kein AKW von einem Tsunami weggespült – nur von einfälliger Politik und den Grünen Panikmachern. Wer Angst vorm Leben hat und dem was da alles so passieren kann, sollte sich besser gleich selbst beseitigen anstatt seine Angst noch zu globalisieren.
    Mit dem Auto sind bisher mehr Menschen umgekommen als durch einen GAU. Angst scheinen die Autofahrer jedoch nicht zu haben, auch nicht vor dem eigenen Versagen welches meist nicht technisch bedingt ist. Wurden Autos schon verboten und Alternativen genannt ???

    Was für eine sinnlose Aktion!!!

  3. khaproperty sagt:

    Es ist bezeichnend für den Zustand deutscher „Politik“, daß durch ein paar (zuviele) Tote einer Hochwasserkatastrophe in Japan der deutschen Industrie der Strom abgeschaltet wurde.

    Durch KKW sind in Japan jedenfalls keine Menschen ums Leben gekommen und in Hiroshima und Nagasaki tobt seit Jahrzehnten das Leben.
    Der merkelsche Kurzschluß schadet jedenfalls dem Land bald noch mehr als die mit deutschen Geld ausgepolsterte Euroleiche.

    Erreicht wird nur, daß im Umland mit dem verstärkten Neubau von (bald komplett risikolosen) KKW den Deutschen nach alter monopolistischer Tardition noch mehr Geld aus der Tasche gezogen wird.
    Wehren können sie sich nicht, denn der Ökostromschwachsinn vernebelt weiterhin die Hirne der ideologisch vernagelten Menschen in Land und Politik.

    • Michele sagt:

      Aufgrund des Reaktorunfalls in Tschernobyl vor 26 Jahren weisen Wildpilze und Wildschweinfleisch immer noch erhöhte Konzentrationen an Radiocäsium auf.
      Vor dem Verzehr von mehr als 125 gr. Wildpilzen pro Woch sei gewarnt.

  4. werner sagt:

    ist doch pervers – oder?

  5. Dagmar sagt:

    „Die Bundesregierung agiere „heuchlerisch und inkonsequent”, sagte Ute Koczy der AFP. Wenn der Atomausstieg in Deutschland mit parlamentarischer Mehrheit und gesamtgesellschaftlichem Konsens beschlossen worden sei, „wie kann es dann angehen, dass die Bundesrepublik die Nutzung und den Ausbau von Atomtechnologie in anderen Ländern weiter fördert?”

    Natürlich ist das heuchlerisch, aber immerhin spült es Schäuble deutliche Mehreinnahmen in die Kasse, 1. durch stark steigende Energiepreise im Land und 2. durch die Exporte der Bauteile.

  6. tomorrow sagt:

    Nur weil Deutschland aus der Atomenergie aussteigen will, bedeutet es nicht gleichzeitig, dass andere Länder das auch wollen. Es stellt sich die Frage, ob man CO2 einsparen will, um diesen Planeten nicht zu ruinieren, und/oder was man mit den strahlenden Kernbrennstoffen, dem hochtoxischen Restabfall anfängt. Mit CO2-Zertifikaten kann man heute bereits handeln und Gewinne erwirtschaften. In Zukunft wird es bestimmt Möglichkeiten geben, den Atommüll gewinnbringend zu vermarkten. Und sei es, den Schrott in Bunkerbrechende Waffen zu verwandeln und diese den „Feinden“ auf ihr Land zu werfen. Eines sollte definitiv klar sein: Die Menschheit als ganzes, muss dafür gerade stehen.

    Vor diesem Hintergrund, wird es wohl bald zu einer persönlichen Energieeffizienz Einstufung kommen, so wie bei Kühlschränken und Waschmaschinen.
    Von A++ bis D. Daran kann dann jeder sehen, wie Umwelt verträglich er ist.

    FG tomorrow