Bank of England: Europäische Schuldenunion ist im Interesse Deutschlands

Deutschland und die deutschen Banken müssen den Ländern, denen sie Kredite gegeben haben, helfen, die Schulden umzustrukturieren, und selbst Verluste dabei in Kauf nehmen, fordert Adam Posen von der Bank of England. Schließlich habe man damals die Kredite vergeben, um die eigenen Exporte zu fördern. Immerhin wäre ein Zusammenbruch der Währung alles andere als gut für Deutschland.

Deutschland wäre „schlecht beraten“, einen Zusammenbruch der Eurozone zuzulassen, sagte Adam Posen, Mitglied des Geldpolitischen Komitees der Bank of England, in einem Interview mit der BBC. Vielmehr müsse es im wirtschaftlichen Interesse Deutschlands liegen, die Schulden der in Schwierigkeiten geratenen Länder der Eurozone umzustrukturieren, erklärte Adam Posen einer Mitschrift des Interviews zufolge, die Bloomberg vorab erhalten hatte. Die Schuldenkrise sei das Ergebnis von Entscheidungen der Deutschen, die ähnlich wie die Immobilien-Kreditgeber in den USA gehandelt hätten.

„Es waren Entscheidungen der Bundesregierung und der deutschen Banken, das Geld all diesen Ländern zu leihen, so dass diese damit deutsche Waren kaufen konnten“, so Adam Posen. Und wie überall auf der Welt könne Deutschland bei der Umstrukturierung der Schulden nicht alles auf die Kreditnehmer abwälzen, sondern müsse selbst Verluste hinnehmen.

Bei einem Zusammenbruch der Eurozone würde Adam Posen zufolge die deutsche „Währung durch das Dach schießen“, die Handelsbilanz Deutschlands würde zum Erliegen kommen. Und dann „würden die deutschen Banken auf der Bailout-Liste stehen und nicht die armen Menschen in anderen Ländern, für immer“, gibt Posen zu bedenken. Aber eine Beteiligung der Deutschlands, der deutschen Banken, an der Umschuldung hingegen würde zwar einige Verluste zur Folge haben, aber Handel und Export würden weiter gehen, da die Märkte um sie herum wachsen würden. Dies „würde zu politischer Stabilität“ führen und die „Banken würden diszipliniert werden und besser funktionieren.“

Entsprechend macht auch die öffentliche Ablehnung Deutschlands bezüglich des geplanten Ankaufs von Anleihen durch die EZB in Adam Posens Hinsicht keinen Sinn. Posen fordert in dem Interview, dass die EZB diesbezüglich nun endlich eingreifen sollte, um bei der Senkung der Zinssätze auf italienische und spanische Anleihen zu helfen. Seiner Meinung nach seien diese Renditen auch „völlig ungerechtfertigt“ mit Blick auf die beiden Wirtschaften und „höhlen so sowohl die Eurozone als auch die Weltwirtschaft aus“.

Kommentare

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  1. Bermondsey sagt:

    Der Herr Posen hat recht! Der zusammenbruch der Eurozone muss vermieden werden und zwar mit alle mitteln die der EZB zu verfügung stehen.
    Ohne eingriff der EZB ,D und Europa steuern direkt auf eine Wirtschaftskatastrophe.

  2. Karl sagt:

    ESM und Fiskalpakt sind ein Blankoscheck, der nichtgewählten supranationalen Instanzen unbegrenzten Zugriff auf das Geld des deutschen Steuerzahlers gewährt und der BRD keine Chance läßt, solche Forderungen abzulehnen; selbst die spärlichen Rechte, die ihr gegen den ESM noch verbleiben, sind wegen dessen rechtlicher Immunität faktisch bedeutungslos. Deutschland verliert die Fiskalhoheit und damit faktisch die Freiheit, irgendeine Entscheidung zu treffen, die dem ESM nicht genehm ist. Damit wird nicht nur das Demokratieprinzip begraben, sondern mit der Souveränität auch das Prinzip der Staatlichkeit schlechthin: Ein Staat, der dulden muß, daß eine nicht-, außer- oder überstaatliche Gewalt ihm in die Kasse greifen kann, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen, ist keiner. Er ist bestenfalls noch eine Gebietskörperschaft, vergleichbar einer Kommune.

  3. gregg sagt:

    Bank of England, Goldman Sachs.. ist für mich alles der Gleiche Sauhaufen.. Und Goldman Sachs hat die Griechen doch sehenden Auges und wissenden Gewissens ins offene Messer laufen lassen, als Sie ihnen die Bilanz gefälscht haben und anschließend die Kredite haben platzen lassen..

  4. Tommy FuckOff sagt:

    Ich liebe den britischen Humor.

    Die Briten haben keine real existierende Industrie mehr,
    britische Produkte mit Weltgeltung (ex Humor) gibt es nicht mehr,
    nur noch die City als toxisches Kasino.

    Aber britische Ökonomen wissen genau was Deutschland zu tun hat!

    Wie gesagt, ich liebe den britischen Humor!

  5. T.T. sagt:

    Unverständlich: Die Bank von England fällt hier niemanden in den Rücken, im Gegenteil: Sie bezieht Position für die Steuerzahler, die diese Zusammenhänge kennen sollten. Fakt ist, dass die Bürger hier in ein Ponzi-System hineingeführt wurden und von Anfang an zur Sozialisierung – nennen wir es reinwaschen – dieser Ponzi-Gewinne ins Kalkül gezogen wurden.

    Viele denken immer noch in nationalen Grenzen, von links nach recht. Dies ist falsch. Was hier passiert ist ein Betrug, der von oben nach unten erfolgt.

  6. Andy sagt:

    Ach, wir MÜSSEN Geld verschenken? Gar nix müssen wir. Was die angelsächsische Banksterbande hier abzieht, ist ein Finanzkrieg gegen Europa und v.a. Deutschland. Wir sollen die Niederlage also diesmal schon vorbeugend bezahlen, denn die Kosten summieren sich bereits jetzt auf die eines verlorenen Krieges.
    Der Herr Posen sollte sich einmal überlegen, ob da nicht jemand auf die Idee kommen könnte, den Krieg dann auch zu real inszenieren und das mit einer Wucht an Regulatorien, die den Bankstern die Tränen waagrecht aus den Augen treiben wird und diese Parasiten enteignet. Das könnte der City of London sehr schnell den Garaus machen! der politische Boden für derlei Entscheidungen wird gerade bereitet.
    Posen und Konsorten wollen natürlich die endlose Geldquelle haben, für die v.a. die Deutschen malochen sollen. Die wohlgesetzen Aussagen all dieser Kreaturen sind allesamt nichts Anderes als nebelbomben, die wahren Worte ihrer Aussage sind: „Wartet nur, Ihr Nazischweine, jetzt zeigen wir euch mal, wie wir auch in Zukunft auf eure Kosten leben werden!“

  7. Autofokus sagt:

    Hier kann man klar und verständlich lesen, was die EZB genau macht, mehr braucht man nicht kommentieren: .

    http://www.griechenland-blog.gr/2012/griechenland-und-das-schneeballsystem-der-ezb/9307/