Deutsche Wirtschaft kämpft gegen die Krise an

Im August ist die deutsche Privatwirtschaft so stark geschrumpft, wie seit drei Jahren nicht mehr. Nicht nur die Industrieproduktion, sondern auch der Service-Sektor verbuchte Geschäftseinbußen. Insgesamt konnte das deutsche BIP im zweiten Quartal noch ein leichtes Plus erreichen. Eine Rezession deutet sich jedoch an.

Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, hat das Wachstumstempo der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal abgenommen. So stieg das BIP gegenüber dem ersten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt nur mehr um 0,3 Prozent. Im ersten Quartal konnte das Wachstum noch 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zulegen. Grund für das noch immer vorhandene, leichte Wachstum in der deutschen Wirtschaft waren die im Vorquartalsvergleich gestiegenen Exporte (+2,5%) und ein kleiner Zuwachs bei den privaten (+0,4%) und staatlichen Konsumausgaben (+2,5).

Allerdings gingen die Investitionen deutlich zurück. So fielen die Investitionen in Bauten um 0,3 Prozent und in Ausrüstungen wie etwa Maschinen, Geräte und Fahrzeuge sogar um 2,3 Prozent. Die Investitionen in Ausrüstungen sind das dritte Quartal in Folge rückläufig. Hinzu kam auch ein leichter Vorratsabbau, der das Wirtschaftswachstum ebenfalls dämpfte. Die gesunkenen Investitionen und der Abbau der Lager zeigen, die Skepsis der Unternehmen bezüglich der weltweiten Wirtschaftslage und deuten darauf hin, dass sich das Wachstum in Deutschland weiter abschwächen wird. Eine Stagnation der deutschen Wirtschaft rückt näher.

Die deutsche Privatwirtschaft ist allerdings schlecht aufgestellt. Wie die aktuellen Daten des Markit-Instituts zeigen, ist die deutsche Wirtschaftsleistung der Privatwirtschaft den vierten Monat in Folge geschrumpft. Der Composite Index Produktion, der sowohl die Industrieproduktion als auch den Servicebereich umfasst, ist von 47,5 Punkten im Juli auf ein 38-Montatstief von 47,0 Punkte im August gerutscht und liegt damit weiter unter der 50-Punkte-Marke, die für Wachstum steht. Zuletzt gab es einen Rückgang dieses Ausmaßes im Juni 2009.

So sank etwa der Service-Index mit 48.3 Punkten (Juli 50.3) auf den tiefsten Wert seit drei Jahren und auch der Index für Industrieproduktion befindet sich weiter im Rückgang, wenngleich er sich gegenüber Juli etwas erholen konnte: von 43,0 im Juli auf 45.1 im August. Da beide Indizes auf „ein Niveau gesunken sind, das erfahrungsgemäß einen BIP-Rückgang bedeutet, hat sich der Gegenwind für die deutsche Wirtschaft im Verlauf des dritten Quartals ganz klar verstärkt“, kommentiert Tim Moore von Markit die aktuelle Situation.

„Die größte Gefahr geht wohl – keineswegs überraschend – vom verstärkten Rückgang des Exportneugeschäfts aus. Seit April 2009 klaffte kein so großes Loch mehr in den Auftragsbüchern der Industrieunternehmen wie jetzt”, warnt Tim Moore. Sowohl in der Industrie als auch im Service-Sektor verbuchten im August starke Auftragsverluste. Der Auftragsindex sank auf den tiefsten Stand seit Juni 2009. Als Folge dessen reduzierten die Industrieunternehmen ebenfalls ihre Einkäufe und Lagerbestände.

Kommentare

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  1. DCWorld sagt:

    Bei Ihrer Berichterstattung haben die großen Massenmedien lange Zeit die Krise weggeschrieben. Als würde die Eurokrise an der „kräftigen“ deutsche Wirtschaft abprallen.

    Das dem nicht so ist, zeigen die aktuellen Meldungen. Es lässt sich halt nicht mehr leugnen. Die Massenmedien schreiben meist das, was die Masse hören will und nicht wie die Lage wirklich ist.

    In Blogs findet man da eher kritischere Artikel: http://www.krisenblick.de/