Amerika vernichtet jährlich Lebensmittel im Wert von 165 Milliarden Dollar

Im Durchschnitt wirft ein Amerikaner zehn Mal so viel Essen in den Müll wie ein Konsument in Südostasien. Günstige Lebensmittelpreise und der Drang der Konsumenten und der Wunsch der Verbraucher, immer eine ganze Palette an Lebensmitteln in den Geschäften vorzufinden, sind Teil des Problems. Die Bilanz in der EU sieht nicht besser aus.

Amerikaner werfen bis zu 40 Prozent ihrer Lebensmittel jedes Jahr in den Müll, so eine veröffentlichte Studie des Natural Resources Defense Council (NRDC). Das entspricht etwa einem Wert von mindestens 165 Milliarden Dollar. Und das in einer Zeit, in der hunderte Millionen Menschen unter chronischem Hunger leiden und die USA eine der größten Dürren der vergangenen Jahre erlebt. Die durchschnittliche, vierköpfige US-Familie wirft der Studie zufolge Lebensmittel im Wert von 2.275 Dollar pro Jahr weg. Damit werfen Amerikaner durchschnittlich zehn Mal so viele Lebensmittel weg wie ein Konsument in Südostasien. „Geld und wertvolle Ressourcen werden so den Bach herunter gespült“, sagte Dana Gunders, Wissenschaftlerin beim NDRC der Washington Post.

Der Natural Resources Defense Council gibt an, dass sowohl die noch relativ niedrigen Lebensmittelpreise aber auch die Tendenz der Verbraucher, immer gefüllte Ladentheken vor sich zu haben, zu dieser Verschwendung in den USA führt. Hinzu kommt, dass allein die Supermärkte jedes Jahr 15 Milliarden Dollar aufgrund von nicht verkauften Obst und Gemüse verlieren, schätzt die US-Regierung. Züchter würden Ernten aufgrund schlechter Marktpreise, die die Arbeits- und Transportkosten nicht decken, einfach wegwerfen. Etliche Lebensmittel landen aufgrund kleiner äußerlicher Fehler gleich im Müll, weil sie so nicht zu verkaufen sind.

Der Blick in die EU ist aber nicht besser. Die Europäische Kommission schätzt, dass jedes Jahr in der EU bis zu 140 Millionen Tonnen Essen und Pflanzen auf dem Müll landen – zwei Drittel davon wären durchaus essbar. Bis zu 50 Prozent der essbaren und gesunden Lebensmittel werden in der EU insgesamt weggeschmissen: Von Haushalten, Supermärkten, Restaurants und entlang der Nahrungsmittelkette in der EU, so die EU-Kommission. Im Gegensatz dazu lebten im Januar 2012 79 Millionen EU-Bürger unterhalb der Armutsgrenze und 16 Millionen Menschen in der EU auf Nahrungsmittelhilfe von wohltätigen Institutionen angewiesen. Die Haushalte in der EU sind für 42 Prozent der Nahrungsabfälle verantwortlich.

Allein 11 Millionen Tonnen Nahrung landen in Deutschland jedes Jahr auf dem Müll. Das entspricht in etwa 82 Kilogramm Lebensmittel pro deutschen Bürger im Jahr, wie eine von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner im März vorgestellte Studie zeigte. 6,7 Millionen der 11 Millionen Tonnen Nahrung sind auch hier auf die privaten Haushalte zurückzuführen. Ein vierköpfiger Haushalt schmeißt in Deutschland pro Jahr Lebensmittel im Wert von 940 Euro unnötiger Weise in den Müll.

Bis 2015 will die EU-Kommission eine Halbierung der weggeworfenen Lebensmittel erreichen. Tut sich nichts, werden sich bis 2020 die weggeworfenen Lebensmittel auf 126 Millionen Tonnen im Jahr erhöhen, was einem Anstieg von 40 Prozent entsprechen würde, so die EU-Kommission.

Kommentare

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  1. Nostradamus sagt:

    sehr brav so viele Lebensmittel in den Müll zu werfen, da freuen sich die Jungs von der

    Freßbörse von Chicago und natürlich die Jungs vonb der Freßbörse in Paris !

    Haut die Preise hoch damit auch alle nichts mehr zum Essen kaufen können !

    EINES TAGES wird der WEISSE merken –

    dass man GELD nicht ESSEN kann !

    und das hatte schon 1800 ungerade jemand mal gesagt !

    Was haben manche Menschen daraus gelernt ??????

    ganz einfach:

    GELD kann man nicht essen, aber man kann sich schöne Dinge dafür kaufen !

  2. Andreas sagt:

    Ja das ist die Konsumgesellschaft. Zu viel Angebot, und man kauft, weil man sich nicht entscheiden kann, wieder einmal viel zu viel. Der Mensch wird eingeladen ‚2 für 1‘ zu kaufen, oder ‚Kauf 1, bezahle nur die 1/2 für das 2.Produkt‘, ‚jetzt 250g extra‘. Was macht man damit, wenn man es nicht essen kann, klar wegschmeißen. Man spricht schon wieder von der zurückkehrenden Wirtschaftskrise nach Europa. Da sollte man sein Konsumverhalten wohl noch einmal überdenken. Gut, das Unilever das schon im Voraus einplant und sich auf das Verhalten der Konsumenten einstellt. Mit einem angepassten Produktangebot und reduzierten Preisen, sollen die Käufer gelockt werden. (http://www.finanzen.de/news/13337/unilever-die-armut-kehrt-nach-europa-zurueck)

  3. Heinz Müller sagt:

    Liebe Kommentierer,

    Was müssen die Menschen in Südostasien oder Afrika glücklich sein, nicht in den USA zu leben. Daher auch die Migrationswellen aus den USA nach Südostasien und Afrika.
    Vielleicht bringen die Mittelstandsnachrichten noch mal die Vergleichszahlen aus der DDR, der Sowjetunion, Kuba, Maos China, Nazideutschland, Nordkorea etc. Da wurde, bzw wird, nichts, gar nichts weggeworfen.
    Wie kommt das?
    Vielleicht deshalb: Das Gegenteil von Überfluss ist nicht „nichts mehr Wegwerfen“ sondern Mangel! Bei Lebensmitteln bedeutet das Hunger, Unterernährung, Krankheit, sinkende Lebenserwartung. In der DDR gab es weiß Marx keinen Überfluss in den Regalen – aber eine drei Jahre kürzere Lebenserwartung.
    Also ein Vorschlag zur Güte um eine Welt zu schaffen, in der verschimmelte Tomaten nicht mehr weggeschmissen werden – weil es nämlich gar keine Tomaten mehr gibt (außer natürlich – unverschimmelt – für verdiente Parteifunktionäre und Redakteure):
    Warum richten wir nicht eine Europäische Behörde mit 6 bis 9 Ebenen ein? Das schafft in Europa etwa 10 Millionen Arbeitsplätze. Die Zentrale sollte in Brüssel liegen, geleitet von Menschen, die auf mindestens 30 Jahre Parteizugehörigkeit (CDU, CSU, Grüne, SPD, FDP und entsprechende europäische Schwesterparteien) zurückblicken und nachweisen können, dass sie noch n i e einen Tag in der freien Wirtschaft gearbeitet haben. 600 geeignete Kandidaten sitzen allein im Bundestag.
    Die unterste Ebene bilden E i n k a u f s w a r t e. Sie genehmigen den wöchentlichen Einkaufsplan jeder Familie und jedes Bürgers. Wegwerfereien müssen dokumentiert und schriftlich begründet werden. Bürger sind angehalten in der Nachbarschaft die Augen und Nasen offenzuhalten. In der Kantine bitte schauen, dass jeder Kollege die Suppe aufisst! Wer nicht alles auslöffelt, muss den Rest einpacken und an ein Patenkind nach Afrika schicken! Anfangs sind das sicher Millionen Pakete mit Suppenresten – aber das gibt sich mit wachsendem Bewusstsein der Suppenklasse. Spargelanbau in Schrobenhausen (Luxusgemüse!) wird verboten – das rettet Menschenleben in Afrika! Die Produktion von Lebensmitteln wird einem gesamteuropäischen Plan unterworfen. Die Planungsgruppe wird den menschenverachtenden Fehler kapitalistischer Märkte, die Produktion von Überfluss für jeden, endgültig beseitigen. Die physikalisch/biologischen Zusammenhänge zwischen Witterung und Ernteertrag werden per Beschluß des zuständigen EU-Kommissars aufgehoben. Vorschlag für eine Werbekampagne der Bundesregierung: „Für Europa! Werde Einkaufswart!“ So ist es besser –gell?