Jürgen Stark: EZB-Plan wird zu „hoher Inflation“ führen

Der starke Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB werde „mittel- bis langfristig“ zu einer hohen Inflation führen, warnt Jürgen Stark ehemaliger Chefökonom der EZB. Die Zentralbank betreibe „Aktionismus“ und sei schon längst von der Politik abhängig.

Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, warnt vor den weitreichenden Folgen der geplanten EZB-Interventionen am Markt für Staatsanleihen: „Es droht die Gefahr hoher Inflation – nicht heute, nicht morgen, aber mittel- bis langfristig“, schreibt Stark in einem Beitrag im Handelsblatt.

Stark hält den Ankauf von Staatsanleihen, um die Finanzierungskosten einzelner Euroländer zu senken, für „kurzatmigen Aktionismus und überdosierten Pragmatismus“. Die Maßnahme würden einen Finanztransfer innerhalb der Eurozone bedeuten, zu dem der EZB jede demokratische Legitimation fehle.

Doch die erneute, gesteigerte Intervention bei Staatsanleihen sei nicht nur rechtlich problematisch. Sie werde die Zentralbank auch überfordern, schreibt Stark. Die politische Unabhängigkeit werde dadurch weiter abgebaut.

Bereits im Frühjahr 2010 begann die EZB mit dem Ankauf von Staatsanleihen. Weil es dabei durchaus Bedenken gab, wurde dieses Programm allerdings wieder eingestellt. Anschließend versuchte die EZB mit erhöhter Liquidität über den Umweg der Banken, die Staaten zu finanzieren. Doch weil dies nicht den gewünschten Erfolg brachte, geht man jetzt wieder dazu über, direkt Staatsanleihen zu kaufen.

Der Transfer von Finanzleistungen nach Spanien und Italien, sei nicht berechtigt. Zu lange hätten die beiden Länder nichts gegen ihre wirtschaftlichen und politischen Missstände unternommen. In Spanien hätte das halbe Jahr des politischen „Stillstandes“ den Vertrauensverlust der Märkte ausgelöst: „Erst spät hat man die Probleme im Bankensektor zugegeben. Sie wurden lange geleugnet. Erst spät wurde begonnen, das Haushaltsgebaren der spanischen Regionen in den Griff zu bekommen“, kritisiert Stark. Italien habe seine Vorteile durch den Euro nicht dazu genutzt, um sein System zu reformieren. Greife die EZB nun ein, würde sie weiter Reformdruck von den Regierungen.

Kommentare

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  1. Loreley sagt:

    Der T-euro bringt Wohlstand und Frieden!!!

  2. ratlos sagt:

    „Die deutsche Großindustrie und die Banken sind die einzigen Profiteure des Euro.“ sagt Heiko Schrang in seinem Interview, in welchem sich auch andere unbequeme Wahrheiten über den Euro, die Politiker und deren Schwächen finden.

    http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/145/11-fragen-die-die-deutschen-bewegen.php

    Er spricht damit so manchem aus der Seele.

  3. nicht von Bedeutung sagt:

    Das ist doch wieder nur eine weitere Nebelgranate.
    Die Erhöhung der Geldmenge ist bereits Inflation, das muss nur nicht unbedingt zu Preissteigerungen führen; besonders nicht in einem System in dem nur etwa 2% des „Geldes“ (eigentlich ist nur ein von einer gesetzlichen Notenbank herausgegebener Schein oder evtl Edelmetall Geld) noch für Waren oder Dienstleistungen ausgegeben werden.
    Ich glaube, ganz egal, was die EZB auf „den Markt“ wirft, das schlucken eh alles die Banken.

  4. franz sagt:

    Inflation haben wir schon lange!
    Studien werden verschönert und verdreht.
    Wie sagt der Finanzminister:Manchmal bescheissen wir uns untereinander (Aber meistens das Volk)

  5. M.Schmidt sagt:

    Warum sollte es zu Inflation führen, wenn die EZB direkt Staatsanleihen aufkauft ohne den Umweg über Banken zu gehen, die sich bei ihren Staatsanleiheaufkäufen mit überhöhten Zinsaufschlägen nur die eigenen Taschen füllen?
    In den USA und Japan wird das schon lange so gemacht…Infaltion dort?…Fehlzeige!
    Da sollte man mal schnell über eine Änderung des Maastrichvertrages dieser sogenannten Währungsunion nachdenken!