EZB machtlos: Ungleiche Zinsen für Unternehmen spalten Europa

Die Zinsen für kleine und mittlere Unternehmen in den europäischen Südstaaten steigen unaufhörlich. Deutsche Firmen zahlen dagegen weniger für Kredite. Analysten sehen in dieser Entwicklung eine Niederlage der EZB – und ein mögliches Vorspiel für das Auseinanderbrechen der Währungsunion.

Dem jüngsten Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge sind die Zinsen für kleine und mittlere Unternehmen in den Südstaaten Europas in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Deutsche Firmen kommen dagegen mit wesentlich besseren Konditionen an frisches Kapital. So zahlen Unternehmen in Spanien 6,5 Prozent für Darlehen, während deutsche Unternehmen nur 4,04 Prozent berappen müssen. Die Südländer haben damit einen neuen Höchststand der Kreditkosten erreicht, während das Niveau in Deutschland so niedrig liegt wie seit 2003 nicht mehr. Damit wird die so wichtige Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in den von der Krise besonders betroffenen Länders zusätzlich geschwächt.

Angesichts der Tatsache, dass die EZB den Banken seit Monaten Geld quasi zum Nulltarif leiht, bedeutet diese Entwicklung, dass die EZB die „Kontrolle über die Kreditkosten verliert“, wie die Financial Times urteilt. Die Entwicklung ist ein struktureller Bruch in der Euro-Zone, der bedeutsamer ist als die Diskussion um die Zinssätze auf dem Bondmarkt. David Riley von der Ratingagentur Fitch sagte der FT: „Die Aufsplitterung wird stärker. Wenn sich dieser Trend verschärft, werden wir uns einer fundamentalen Neuordnung der Euro-Zone gegenübersehen. Diese Entwicklung unterläuft die gesamte Grundlage des Euro und könnte dazu führen, dass es leichter wird, dass der Euro zerbricht.“

Der Grund für die Entwicklung liegt in der Einschätzung der Banken: Sie trauen nun auch den Trägern der Wirtschaft in den südlichen Ländern Europas, den mittelständischen Unternehmen, nicht mehr und haben einen möglichen Euro-Crash schon mal sicherheitshalber eingepreist.

Damit aber werden die Rezessions-Tendenzen verschärft, es wird für die Unternehmen in den Schuldenstaaten noch schwerer neue Jobs zu schaffen.

Huw van Steenis von Morgan Stanley sieht den „Geist aus der Flasche“, die Entwicklung könne nicht mehr gedreht werden: Die Banken haben damit begonnen, Kredite „entlang von geografischen Linien“ zu behandeln. Unternehmen im Norden Europas gelten als bessere Schuldner als jene in Süden. Damit fällt im Grunde für die Südeuropäer die Geschäftsgrundlage für eine Mitgliedschaft in der Euro-Zone weg – und Mario Draghis Ankündigung, den Euro „um jeden Preis“ retten zu wollen, könnte sich als reiner Theaterdonner in einem unangenehmen Final-Akt der Währungsunion erweisen.

Kommentare

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  1. Nestor sagt:

    Dem Artikel kann man Folgendes entnehmen:

    1. Deutsche Banken erhalten Geld praktisch zum Nulltarif, verleihen es aber zu 4% – kein schlechtes Geschäft. Und ich nehme an, der Zinssatz für Unternehmen ist niedriger als der für Konsumenten. Also ist auch da noch einiges drin.

    2. 4% Zinsen mag im mehrjährigen Vergleich niedrig sein, muß aber aus Gewinnen bezahlt werden, die daher höher sein müssen. Deutsche Unternehmen müssen also in Zeiten der Rezession und der wegbrechenden Märkte im Schnitt 4,5% Gewinn machen, um an Kredit heranzukommen. Auch keine leichte Aufgabe. Also von wegen „günstig“! Hier zeichnen sich kommende Mißerfolge für das Flaggschiff der EU ab.

    3. Wenn die FTD urteilt, die EZB „verliere die Kontrolle über die Kreditkosten“, so liegt diesem Urteil eine Illusion über die Rolle der EZB zugrunde. Die EZB HATTE NIE DIE KONTROLLE ÜBER DIE ZINSSÄTZE, das ist allemal ein Ergebnis des freien Spiels der Marktkräfte und ergibt sich aus dem Urteil der Akteure des Finanzmarktes über die Marktlage in dem jeweiligen Land. Solange jedoch der Kredit reichlich floß und überall „Wachstum“ erzeugt und bejubelt wurde, trauten sich die Unternehmen überall zu, die Zinsen zu stemmen, und Finanz- und produktives Kapital marschierten im Gleichschritt. Erst in der Krise fiel das alles auseinander, und die Zinsen stellen sich als Problem der betrieblichen Kreditversorgung heraus.

  2. Unrechts-Populist Nr.1 sagt:

    Draghi will um jeden Preis das von den Pleitegeiern umzingelte TEurograd halten und er benützt dazu die EU-GoldmannSucksZentralbank. Aber es ist nicht sein Preis, den er zahlt und die vielen Biographien, Schicksale und Hoffnungen die er vernichtet lassen ihn und seine Auftraggeber samt Mitläufern kalt.
    Wie erbärmlich, daß die Volkskammer zum eigenen Erhalt der Macht und EU-Pfründe das abnickt. Wer hat uns da bloß wieder verraten ?
    Die Erfahrung zeigt: Leute die es eigentlich hätten wissen müssen (aber es nicht wissen wollten) reagieren besonders zornig, wenn´s dann soweit ist. Und das ist gut so, denn dann wird D endlich an der richtigen Stelle jeden Tag etwas weniger.

  3. Hans-Peter sagt:

    „Deutsche Firmen kommen dagegen mit wesentlich besseren Konditionen an frisches Kapital“

    Liebe DMN-Redaktion.Haben sie die heutige Nachrichten nicht gehört?
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/anleihe-auktion-keine-lust-mehr-auf-bundes-bonds/7097012.html

    Bis jetzt konnten sich unsere Medien nicht ganz entscheidenzwischen Häme,Schadenfreude und eigenen Propaganda-Erfolgsmeldungen wie gut man doch die Krise gemeistert hat und wie sehr Deutschland an der Misere der Südländer verdient.Aber auch diese Show hat ein Ende.