Euro führt zu unterschiedlichen Inflations-Raten in Europa

Mit der Leitzinssenkung vor 13 Jahren zwang die Regierung Schröder die EZB, Deutschland zu retten. Diese Entscheidung trieb die Südländer in die Katastrophe. Nun wiederholt die EU den Fehler, mit umgekehrten Voraussetzungen.

Vor einigen Monaten hat der Volkswirt Richard Koo von der japanischen Nomura Bank in einer interessanten Notiz den Kernfehler der Euro-Zone ausgemacht. Er beschrieb, wie Deutschland zwischen 2001 und 2003 die Europäische Zentralbank (EZB) dazu zwang, die Zinsen zu senken. Deutschland stand im Gefolge von Wiedervereinigung und Blasen der Neuen-Markt-Blase vor einer Deflation. Nicht die vielgepriesenen Schröder-Reformen (Hartz IV), sondern der Druck auf die EZB, die Zinsen auf ein dauerhaft niedriges Niveau zu senken, rettete Deutschland. Der unweigerliche Nebeneffekt war jedoch, wie Mark Dittli in einer aufschlussreichen Zusammenfassung (hier) der Ereignisse zeigt, dass Irland, Portugal, Spanien und Italien durch die niedrigen Zinsen in die Falle getrieben wurden: Angestachelt vom billigen Geld – und getrieben von den Investoren, die stets hohe Renditen erwarten – bauten sich in den eigentlich stabilen Ländern Blasen auf und führten zu regional höheren Inflationsraten.

So stiegen die Immobilienpreise in Spanien zwischen 2000 und 2005 um 107 Prozent, in Irland schossen sie 76 Prozent in die Höhe. In Deutschland fielen sie dagegen um 8 Prozent. Diese Gift kennen wir aus den USA: Der Beginn der amerikanischen Katastrophe liegt bei Bill Clinton und Alan Greenspan: Auch hier stand eine radikale Leitzinssenkungen am Beginn von immer neuen Blasen, die früher oder später platzen mussten.

Durch die höhere Inflation in den Südstaaten stiegen in den Jahren nach der EZB-Zinssenkung auch die Arbeitskosten in diesen Staaten – und die gerade erst mühsam erreichte Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Länder war dahin. (Griechenland ist ein ganz anderer Fall: hier sind sich alle einig, dass die Lage aus den bekannten Gründen völlig hoffnungslos ist.)

Deutschland aber konnte seine Exporte steigern – und tat dies vor allem in die Euro-Staaten. Im Grunde kann man sagen, dass Deutschland die Inflation in die nun von Deutschland heftig gescholtenen Euro-Staaten exportiert hat, um sich von der Internet-Blase zu erholen. Dittli und sein Kollege Martin Biswanger haben dazu zwei vielsagende Studien aufgetrieben: Der heutige Target 2-Papst Hans-Werner Sinn und der EZB-Rebell Axel Weber (damals noch Bundesbank), hatten Studien angefertigt: In diesen legen sie Berechnungen vor, dass es in der Euro-Zone unterschiedliche Inflationsraten geben könne – solange die Inflationsrate in Deutschland niedrig bleibt. Sie gingen sogar so weit, der EZB vorzuschreiben, dass sie zu verhindern habe, dass ein Land – Deutschland – in die Deflation abgleite. Sinns und Werbers Heldenstatus ist im Lichte ihrer damaligen Ausführungen (hier und hier) nicht zu rechtfertigen. Schröders Hartz IV-Reformen trugen wesentlich dazu bei, dass die Profite des Export-Booms bei den Unternehmen verblieben. Diese „Reformen“ erklären neben anderen Faktoren, warum das verfügbare Haushaltseinkommen in Deutschland im Vergleich zu den anderen Staaten nicht wesentlich gestiegen ist.

Richard Koo sieht den programmierten Untergang des Euro in den nun eintretenden „Bilanzrezessionen“, wie er das Phänomen nennt (gut erklärt in Finanz und Wirtschaft – hier): Wenn einer Volkswirtschaft die Überschuldung droht, beginnen private Haushalte und Unternehmen zu sparen. Diese eigentlich natürliche und vernünftige Reaktion treibt die rezessive Wirtschaft jedoch weiter in den Abgrund, die Spirale zur Depression wird durch jedes neue Sparpaket angekurbelt. Daher ist es nur logisch, wenn wir jeden zweiten Tag von den Spaniern hören, dass sie ihre Defizitziele verfehlen werden. Dies liegt nicht daran, dass die Spanier faul sind: Wegen der hohen Arbeitslosigkeit und wegen der vernünftigen Neigung, in der Krise zu sparen, nimmt der Staat weniger an Steuern ein – und kann daher seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.

Der Sündenfall der EZB war, dass sie vor 13 Jahren dem Drängen Deutschlands nachgegeben hat: Damals bereits, und nicht erst diese Woche, hat sie ihre Unabhängigkeit verloren. Die teils hysterischen Kommentare der Zeitungen nach der EZB-Sitzung zeigen, dass das Gedächtnis der Vierten Gewalt nicht einmal einige wenige Jahre in Erinnerung hat.

Dass sich nun die in wirtschaftlichen Fragen komplett ahnungslosen Politiker wie Van Rompuy und Juncker erneut in die Geldpolitik einschalten, ist nur eine logische Folge der seinerzeitigen knallharten deutschen Industriepolitik von Gerhard Schröder. Denn das Problem für Europa wird nicht die Frage sein, ob und wie viele Staatsanleihen die EZB kauft. Man muss kein strenger Keynesianer sein, um zu verstehen, dass der externe Terror der Troika mit stets neuen Sparauflagen die gesamte Euro-Zone ins Verderben führt. Denn die Erkenntnis von Koo, dass Bilanzrezessionen durch radikales Sparen zwangsläufig zu Depressionen führen, ist von der Realität Japans belegt: Bei den Japanern hat genau diese Politik zum verlorenen Jahrzehnt geführt.

Für die Euro-Zone sind die Folgen leicht vorhersehbar: Van Rompuy und Barroso fordern den Sparkurs, weil sie den größten Nettozahler – Deutschland – nicht verärgern wollen. Jean-Claude Juncker ist als Vorsitzender der Euro-Gruppe die denkbar falsche Besetzung: Nicht, weil er die Lüge zum notwenigen politischen Mittel erklärt hat, sondern weil er als Luxemburger Regierungschef knallhart die industriepolitischen Interessen seines Landes vertritt. Luxemburg lebt so gut wie ausschließlich von der Finanzindustrie – die dort ansässigen Banken haben erhebliche Bilanzrisiken. Die EZB ist keine echte Notenbank wie die US Federal Reserve, sondern in ihrer Struktur genauso unvollkommen wie der Euro: Sie kann den Ansprüchen, die an sie gestellt werden, nicht gerecht werden.

Denn die von Koo aufgezeigte Problematik der nationalen Bilanzrezessionen ist mit einer gemeinsamen Währung nicht nur nicht zu lösen: Mit einer aufgezwungenen Vereinheitlichung der Währung treibt sie alle Beteiligten in den Untergang: Die Südstaaten werden zu Tode gespart, wofür die Bürger zahlen. Den Deutschen wird ihr Erspartes weggenommen, wofür die Bürger zahlen. Die Banken gewinnen immer, weil sie sich über nicht regulierte Wetten (Derivate) immer absichern können. Als finale Absicherung haben die Banken das Bail-Out-Geschäftsmodell durchgesetzt: Den von ihnen komplett abhängigen Regierungen wurde eingeredet, dass vor allem besonders risikoreiche Banken nicht pleitegehen dürfen („Systemrelevanz“).

Dabei übersehen alle, dass der Kernfehler der Euro ist. Die Banken lieben Missverhältnisse: Wie schon bei der Subprime-Krise gesehen, werden faule Papiere so lange zusammengepackt, bis keiner mehr weiß, was drinnen ist (CDO). Wenn dann einer das stinkende Paket eines Tages öffnet, haben die Banken schon längst ihren Schnitt gemacht.

Die realen Volkswirtschaften dagegen können nicht zu einem CDO verschleiert werden. Eine künstliche Währung, die zusammenbindet, was wirtschaftlich nicht zusammengehört, schnürt allen Euro-Staaten die Luft zum Atmen ab. Auf der Strecke bleiben reale Menschen, die zu spät erkennen werden, dass sie sich statt mit der Bundesliga und Germany’s Next Top Model mal besser mit ihrem eigenen wirtschaftlichen Überleben beschäftigt hätten.

Kommentare

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  1. Nestor sagt:

    Der Satz

    „Wegen der hohen Arbeitslosigkeit und wegen der vernünftigen Neigung, in der Krise zu sparen, nimmt der Staat weniger an Steuern ein“

    stellt den Sachverhalt falsch dar: Da die Leute keinen Job und kein Geld haben, können sie sich nur mehr das Notwendigste kaufen, und oft auch das nicht mehr. Sie können gar nicht mehr „sparen“, weil ihnen die Entscheidung aus der Hand genommen wird, mehr oder weniger einzukaufen. In Sätzen wie dem obigen wird so getan, als sei die Einschränkung des Konsums ein vernünftiger Akt, zu dem sich die Konsumenten durchgerungen hätten. Diese verkehrte Sichtweise, die von Nationalökonomen in Umlauf gesetzt wird, liegt den meisten Pseudo-Erklärungen zugrunde, in denen der Begriff „Sparen“ enthalten ist.

    Der gesamte Artikel leidet ein wenig unter der Vorstellung, daß der Euro und die durch ihn entfachte Konkurrenz durch eine andere Leitzinspolitik erfolgreich gewesen wären. Man vergißt dabei leicht, daß der zunächst – in der Startphase – gefeierte Erfolg des Euro, sein Aufstieg zur Reservewährung erst durch diese durch Niedrigzinspolitik erzeugten „Blasen“ möglich wurde. Alle bestaunten das WACHSTUM, das so zustandegekommen war, klatschten in die Hände und kauften Euro-Anleihen und andere Euro-Wertpapiere.
    Mit anderen Worten: Ohne diese Niedrigzinspolitik hätte es vielleicht schon früher eine Bruchlandung gegeben.

    Ein Artikel zue EU in ihrer Startphase, noch vor dem Euro:
    http://msz1974-80.net/GSP/EU1.html

    • Saila sagt:

      Korrekt und das müsste gerade ein Herr Koo wissen. Den in Japan geht dieses Szenario bereits über 10 Jahre!

  2. Alfred E. Neumann sagt:

    Der „Volkswirt Richard Koo von der japanischen Nomura Bank“ hat das wohl in Sarrazins Buch „Europa braucht den Euro nicht“ gelesen, wo das höchst ausführlich beschrieben ist und mit Fakten und Statistiken unterlegt ist.

  3. Peter sagt:

    Leider enthält dieser Artikel ein bunter Mix aus verschiedenen Einflussfaktoren die so zusammengestellt nicht korrekt sind .
    Unzweifelhaft führte diese Leitzinssenkung zu gefährlichen Blasenbildungen, (wie auch was sich aktuell zusammenbraut), und sie PIIGS konnten sich noch billiger verschulden.
    Der Hauptfehler der Regierung Schröder war jedoch den Maastrichtvertrag auszuhebeln und eine ungehemmte Verschuldung zu erlauben, dagegen ist die Leitzinssenkung Peanuts, genauso wie die restlichen 2 Sündenfälle der rot grünen Regierung
    1) den Banken die Lizenz zum ungehemmten leveraged Zocken mit minimalem Eigenkapital zu geben , mit der Begründung sonst würden die nach Irland gehen
    2) Griechenland in die Euro Zone aufzunehen obwohl Waigel denen gesagt hat, dass sie nie Mitglied werden würden

  4. brunke sagt:

    Zitat: „wie Deutschland zwischen 2001 und 2003 die Europäische Zentralbank (EZB) dazu zwang, die Zinsen zu senken“ …

    Der Artikel hat leider nicht die gewohnte Sachkentnis der Deutschen Mittelstandsnachrichten aufzuweisen.
    Die Zinsen in der Eurozone wurden nicht explizit für Herrn Schröder gesenkt, sondern wegen der einbrechenden Aktienmärkte weltweit, also auch in den USA.
    Daraus ein Verschulden Deutschlands und Herrn Schröders zu konstruieren ist schon aberwitzig. Vielleicht können die sachkundigen Redakteure solche Beiträge im Vorfeld schon mal richtig stellen, andernfalls fürchte ich um den hervorragenden Ruf des Blattes.

  5. otto936 sagt:

    Die Leute wagen es nicht ihre Wut politisch zu artikulieren – die Nazikeule droht. Im Inland und im Ausland.
    Der Preis der (moralischen) Niederlage ist eben keine, oder nur sehr gering, Ziele zu verfolgen die eine Verbindung mit der unsäglichen Vergangenheit herstellen könnten – und ein Euroausstieg oder ein Stop bei der Eurorettung würde SOFORT so ausgelegt werden – das wagt niemand in der politischen Klasse.

    Deshalb wird das kleinste Übel gewählt – Merkel. Mangels einer katastrophalen Performance der Opposition nur folgerichtig. Pest oder Cholera – die Leute wählen die Cholera.

  6. Albert Albern sagt:

    Der erste Schritt in das nicht mehr GESTALTBARE Chaos war die Abschaffung der Zölle. Das gab den verschiedenen Unternehmen die Möglichkeit, die Politik zu erpressen, zu Steuersenkungen zu zwingen, mit der Drohung, die Unternehmen wandern sonst ab, ins „günstigere“ Ausland.

    Nach der Einführung des Euro hätten Griechenland, Spanier, Portugal, Italien und auch andere EU-Staaten die Möglichkeit, dank dem Zoll an dem deutschen Export mitzuverdienen!

    Die globale Unkontrollierbarkeit des wirtschaftlichen Zusammenbruchs wurde von langer Hand vorbereitet. Natürlich nicht mit genau dieser Absicht, sondern einfach nur verblendet durch „Vorteile“, welche aber auch Nachteile sind. Die Zeit der Vorteile ist vorbei, die Zeit der Nachteile ist ganz frisch…

    • jay twelve sagt:

      @Albert Albern, es ist richtig was Du sagst.

      Allerdings, wenn wir ein per Gesetz geregeltes GmbH oder AG-Konstrukt hätten, wobei grundsätzlich 50% Firmenanteile der Belegschaft und 50% den Aktionären gehöre, ohne einen 100% Einverständnis könnte kein Unternehmer Schindluder treiben.

      Das wäre auch im Sinne des Naturgesetzes, zumal der Unternehmer die Idee samt Startkapital liefert und die Belegschaft diese in die Tat (Produkte & Dienstleistungen) umsetzt. „SAUBE RECHNUNGEN GARANTIEREN LANGE FREUNDSCHAFT.“

      In meinem Unternehmen hab ich das von Anfang an 50/50 geregelt, bin sehr gut damit gefahren. Ob Putzfrau oder Ingenieur, alle haben gleichen Grundgehalt. Am Jahresende wird nach einem vereinbarten Leistungsschlüßel abgerechnet. Die Fremdarbeiter, egal in welchen Land, habe ich nach deutschen Stundenlohn bezahlt. Schließlich, ich habe es meinem Kunden in die Rechnung gestellt.

      Meine Konkurrenz meinte, ich wäre verrückt einem Venezuelaner, der mit 10 DM/Tag zufrieden ist, 120 DM/Tag zu zahlen. Für mich ist jeder Mitarbeiter, der gleiche Leistung erbringt, gleichen Lohn wert.

      Basta, so bin ich.

      • Albert Albern sagt:

        Mein Respekt, @ jay twelve!

        aber einen Widerspruch zwischen Ihnen und mir kann ich nicht erkennen.

        Die „globale Unkontrollierbarkeit des wirtschaftlichen Zusammenbruchs“, wie ich schreibe, wird durch den gestörten GELDFLUSS verursacht. Weil die weitaus meisten Menschen das Geld so sehr mögen, müssten wir uns über den gesamten Geldfluss unsere Gedanken machen und nicht nur darüber, wie das Geld zu UNS, also zu jedem einzelnen Liebhaber des Geldes fließen kann.
        Bei Ihnen sehe ich an dieser Situation kein Verschulden…

        • Albert Albern sagt:

          Entschuldigung @ jay twelve, meine Antwort ist ein wenig verdreht, hatte noch andere Kommentare und Nachrichten im Kopf, als ich es schrieb. Gutes Gelingen und vielen Dank!

  7. winfried.trautsich sagt:

    Seltsamer Artikel finde ich. Denn vor 13 Jahren lief besonders
    die deutsche Wirtschaft nicht besonders, der Arbeitsmarkt, z. B.
    in der Bauwirtschaft befand sich noch nicht auf dem Tiefpunkt.

    Dort wurden beinahe 3/4 aller Beschäftigten, von ca.
    3 Millionen auf ca. 600.000-700.000, abgebaut. Also brauchte
    die Wirtschaft doch ein Stimulus an niedrigen Zinsen, während
    die Wirtschaft der PIIGS-Staaten enorm boomte.

    Dort wurde händeringend nach Investitionen von außen gesucht,
    deshalb ist meiner Meinung nach die Schuld bei der deutschen
    Bundesbank zu suchen.

    Schröder hatte relativ viele Fehler verzapft, gerade den Hedge-
    fonds bereitete er den Boden nach Deutschland. Das Sparen
    bei den Kleinen, sprich Hartz-Gesetze, Verschönerungen der
    Arbeitsmarktstatistik, usw., das stimmt.

    LG

    • winfried.trautsich sagt:

      Berichtigung zu o. g. Artikel:

      Dort wurde händeringend nach Investitionen von außen gesucht,
      deshalb ist meiner Meinung nach die Schuld bei der deutschen
      Bundesbank nicht zu suchen.

  8. Delta120 sagt:

    Der Artikel verdreht die wichtigsten Tatsachen. Durch die Euroeinführung kam es zu einer Zinsvergemeinschaftung auf deutschem niedrigem Niveau, da ja Geldmarktstabilität wie in Deutschland versprochen wurde. Die Zinssenkung während der 2000 Krise war nur das i-Tüpfelchen.

    Auf Grund der niedrigen Zinsen wurden Hausfinanzierungen in den Südländern billig. Banken gaben den Bürgern für das Haus Kredit und das halbe Volk war damit beschäftigt sich gegenseitig Häuser zu bauen. Nebenbei kam es zu einer Lohninflation, da die es ja kaum Arbeitslose gab. Dann hatten alle ihre Häuser und das halbe Volk wurde wieder arbeitslos und kann die Kredite nicht wieder zurückzahlen, für das Geld, was es bei den Banken gab. Daraus folgte die Spanische Bankenkriese und die Banken mussten heuer gerettet werden.

    Aber dieses geschah natürlich mit voller Billigung der Regierung. Das durch den Häuserbau entstandene Geld brachte die Handels und Leistungsbilanz des Landes in volle Schieflage. Es wurde mehr importiert als exportiert und Schulden mussten im Ausland aufgenommen werden. Die Regierung hätte die Blase stoppen müssen, da sie diese sahen – aber es ist natürlich für jede Regierung nett, wenn die Löhne steigen und die Arbeitslosigkeit sinkt.

    Jetzt ist das halbe Volk arbeitslos. Die Preise der Häuser sinken und können die Kredite nicht mehr decken und verschaffen den Banken durch Zahlungsausfall ehemaligen reicher Arbeitnehmer nur Verluste. Arbeitsplätze im Export sind im Zuge der ungezügelten Lohnsteigerungen verschwunden und stehen als Ersatz für die Bauarbeitsplätze nicht mehr zur Verfügung.

    Spanien und die Südländer sind Erwachsen. Wenn ein 18jähriger Jugendlicher an einem Abend einen Kasten Bier austrinkt und am nächsten Morgen über Kopfschmerzen klagt, wird kein Vater großes Mitleid haben.

    • redakteur sagt:

      Das steht ja auch in dem Artikel: Die gemeinsamen Zinsen sind die Folge einer Währungsunion, die nicht funktionieren kann. Die deuutsche Bundesregierung hat damals Druck gemacht, die Situation zugunsten der lahmenden deutschen Wirtschaft zu lockern – und das musste zwangsläufig auf Kosten der anderen Euro-Länder geschehen. Die Redaktion

      • Delta120 sagt:

        Die Zinssenkungung ist nicht das Problem der Eurozone! Das Problem ist der möglich gewordene (und durchgeführte) Missbrauch, (Griff in die gemeinsame Eurokasse) der Staaten. Ein Staat in der Eurozone kann durch 3 Arten eine Blase erzeugen:

        1. Verschuldung des Staates und seiner Institutionen; 2. Verschuldung durch Unternehmen und 3. Verschuldung der privaten Haushalte.

        Man nahm in der Eurozone an, dass die Zinsen für die Staaten und Institutionen hier als Marktregeln ein zügelloses Wachstum verhindern würden – aber diese Neoliberale Idee erweist sich hier, wie meist, als praktisch unausführbar, da diese Staaten ohne Hilfe nur die Pleite verbleiben würde. (Als die Zinsen anzogen, war für eine Kurswende ohne Hilfe keine Zeit mehr vorhanden. Auch Deutschland glaubte an die Marktregeln und konzentrierte sich darauf sein Land und seine Bürger vor Millionen billigen Südlandern zu schützen – mit bekanntlich großem Erfolg. Der richtige Markteingriff für Spanien wäre gewesen, die Baublase durch Reduktion des öffentlichen Bausektors einzufangen. Durch die Eurozone kamen die Zinssteigerungen viel zu spät.)

        Schlussendlich bedarf es einer Kontroll- und Eingriffsbehörde auf Eurozonenebene um diese Blasen zukünftig zu verhindern. Dies würde allerdings die Haushaltsrechte eines Parlamentes praktisch in die Hände des ESM legen, welches kein gewähltes Parlament besitzt. Und dieser Mangel an Demokratie ist eines der Hauptklagepunkte zum ESM gerade in Karlsruhe. Es ist eine Frage der Zeit, bis irgendwelche Verfassungsrichter der Staaten der Eurozone EFSF/ESM, Hilfen der EZB, Eurobankenaufsicht und Fiskalpakt zusammenaddieren und ein Parlament und damit eine Verfassung fordern.

        Die Südstaaten werden wirtschaftliche Hilfe benötigen. Aber hier liegt die Frage auf dem „Wieviel muss ich sparen, damit meine Handels/ Leistungsbilanz wieder im Gleichgewicht ist?“ und kann das meine Bevölkerung ertragen? Und wir Deutschen wissen von der deutsch-deutschen Wiedervereinigung, dass dies wirtschaftlich kein leichter Weg war und ist.

        • Meyer sagt:

          Ihr Kommentar ist unehrlich. Sie unterschlagen, daß Sie still und heimlich, daß Sie die Südstaaten auf dem europäischen Subkontinent mit unseren Deutschen in den mitteldeutscvhen Ländern primitiv gleichsetzen.

          Genau diesen Schritt geht faktisch niemand mit. Deutsche sind Deutsche. Italiener, Franzosen, Portugiesen, Spanier, Basken, Katalanen, Korsen, Griechen, Malteser, Zyprioten, Slowenen Tschechen, Polen, usw. usf. nicht.

          Uns verbindet nichts. Außer der Tatsache, daß diese Völker auf dem gleichen Subkontinent leben.

          Darin besteht Ihre Unehrlichkeit.
          Staatsrechtlich: Eine demokratie definiert sich nicht nicht über das Vorhandensein einer (halb-)demokratischen Form, nämlich der Existenz eines Parlamentes, sondern über die Existenz EINES Demos, also EINES Volkes. Genau das gibt es nicht. Sondern es sind viele Völker, deren unterschiedliche, zum Teil gegensätzliche Interessen, nicht durch EIN Parlament vertreten werden können, sondern durch mehrere Parlamente und Regierungen. Deswegen haben sich die heutigen Staaten in einem langen historischen Prozeß herausgebildet.

          Der Artikel beschreibt hervorragend, daß die Ursache der Krise die Gleichmacherei von verschiedenartigen Verhältnissen und Mentalitäten ist, nämlich über die EU und den Euro.
          Sie wollen das Prpoblem auch noch dadurch verschlimmern, daß sie die Gleichmacherei auf die Spitze treiben.

          Würden Sie dies offen gesagt haben, so wäre Ihr Kommentar zwar immer noch sachlich falsch, aber wenigstens ehrlich.

          • Delta120 sagt:

            Ich versuche vorwärtsgewand in die Zukunft zu schauen ohne unsere Geschichte zu vergessen. Aus einer Familie wurde eine Sippe, diese vergrößerte sich zu einem Stamm und viele Stämme schlossen sich zu einem Nationalstaat zusammen. Wir stehen heute am Übergang zu einem Staatenbund Euro oder Euroland. Somit werden die alten Völker, wie in der Geschichte üblich, zu einem Neuen Volk!

            Das viele, wie 1871, bedenken haben ist verständlich. Da dieses Kind mehrfach auf die Knie gefallen ist und die Nachbarschaft aufgeschreckt hat, ist bekannt. Aber jetzt kann es laufen und ist erwachsen.

            Mit dem Euro erleben wir eine ähnliche Geschichte und glücklicherweise nur finanzell und nicht nach dem alten Motto „Feuer und Eisen schmieden eine Nation“.

            Hierbei wird es sicherlich auch Verluste geben, wahrscheinlich nicht nur finanzeller Art, sondern vermutlich auch in Form eines Landes, aber Rückschläge gehören zum Leben.

            Wichtig ist dabei, dass wir aus der Geschichte den Unterschied zwischen einer Monarchie/Feudalsystem und einer Demokratie nicht vergessen. Denn Geld regiert die Welt und diese Macht muss durch ein vom Volk gewähltes Parlament kontrolliert werden.