Indien: Regierung erleichtert internationale Finanzierung von Infrastruktur

Die indische Regierung hat die Auflagen für ausländisches Kapital gelockert. Nun sollen internationale Unternehmen die Modernisierung der Infrastruktur auf dem Subkontinent vorantreiben.

Ende vergangenen Monats löste ein Stromausfall in weiten Teilen Indiens Chaos aus. Für mehr als 600 Millionen Inder und die Unternehmen in 22 Bundesstaaten war über Tage hinweg die Stromversorgung nicht sichergestellt. Der jüngste flächendeckende Stromausfall ist nur ein Beispiel für die massiven Probleme, die der Subkontinent mit seiner Infrastruktur hat. Ökonomen schätzen, dass die unzuverlässige Infrastruktur das Bruttoinlandsprodukt Indiens jährlich um 2 % verringert. „Für in Indien tätige Unternehmen und auch für Privathaushalte sind Stromausfälle an der Tagesordnung, ebenso wie Engpässe in der Wasserversorgung“, berichtet Martin Wörlein, Partner und Leiter des Bereichs Indien bei Rödl & Partner in Nürnberg, der selbst lange Zeit in Indien tätig war.

Die indische Regierung will nun verstärkt die Versorgung des Landes verbessern. Über die kommenden 5 Jahre soll 1 Billion Dollar in die Infrastruktur investiert werden. Dafür wird vor allem ausländisches Kapital benötigt. In einem ersten Schritt hat die Regierung das zulässige ausländische Fremdkapital für das verarbeitende Gewerbe und für Infrastrukturunternehmen erhöht. Künftig dürfen diese um 50 % mehr Kapital durch ausländische Investoren aufnehmen. Das Geld aus dem Ausland soll die Investitionen in den Ausbau der Stromversorgung ankurbeln.

Auch der staatliche Fonds zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten plant, Anfang kommenden Jahres Anleihen im Wert von 1 Milliarde US-Dollar aufzunehmen und mit dem Geld wichtige Modernisierungen vorzunehmen. Die Politiker hoffen, dass diese Anleihen wegen der niedrigen Zinsen auf den Finanzmärkten zahlreiche Investoren anlocken werden.

In Indien selbst sollen ebenfalls zu Modernisierungszwecken 1,8 Milliarden Dollar an Anleihen ausgegeben werden. Ein Problem bei der Finanzierung der dringend erforderlichen Erneuerungen ist der schwache Kurs der Rupie. Im vergangenen Jahr hat die indische Währung im Vergleich zum US-Dollar um 17 % an Wert verloren. Der Kursverlust und das ohnehin abnehmende Wirtschaftswachstum machen es noch schwieriger, Kapital für neue Stromleitungen, Kraftwerke, Straßen und Immobilien aufzutreiben.

„Es ist zu erwarten, dass sich die Rahmenbedingungen nun zum Positiven ändern, da die Notwendigkeit erkannt wurde, ausländisches Kapital und auch Know-how ins Land zu holen“, sagt Martin Wörlein. Es seien bereits ausländische – darunter auch deutsche – Unternehmen im Infrastrukturbereich in Indien tätig; weitere planten den Markteintritt. Gerade auch Mittelständler könnten mit ihrem Know-how einen wertvollen Beitrag zur Modernisierung des Landes leisten.

Die angekündigten Maßnahmen stellen bereits eine erste Verbesserung der Situation für Unternehmen dar: „In der Vergangenheit war es oft schwierig, geeignete Projekte zu finden. Insbesondere sehr lange Laufzeiten, etwa im Betreiberbereich (Build Operate Transfer), wirkten abschreckend, ebenso die Investitionszurückhaltung der öffentlichen Hand“, erläutert Martin Wörlein.

Ungeachtet der Versuche Indiens, die Finanzierung von Projekten anzukurbeln, werden weiterhin Herausforderungen zu meistern sein: „Zeitverzögerungen bei Großvorhaben sind keine Seltenheit. Es ist also eher ein etwas längerer Atem gefragt. Dies gilt aber für alle Vorhaben in Indien, die solide und damit letztlich erfolgreich geplant werden“, sagt Martin Wörlein.

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