Mehr Energie aus Biomasse durch Umwandlung zu „Biokohle“

Neues Verfahren zur Umwandlung von biologischen Abfällen setzt bisher ungenutztes Energie-Potenzial frei. Die Stadt Halle bekommt das erste Biokohle-Werk Europas.

Die Erzeugung von Biogas aus Grünmasse ist in den vergangenen Wochen zunehmend in die Kritik geraten. Der dazu nötige Maisanbau würde die ökologische Vielfalt einschränken. Die Gewinnung von Energie aus Rohstoffen, die grundsätzlich zur Lebensmittelherstellung geeignet wären, sei moralisch fragwürdig, lauten 2 der Argumente gegen die steigende Zahl von Biogasanlagen.

Eine neue Form der Biomasse-Nutzung könnte hier Abhilfe schaffen: Die Umwandlung von Grünabfällen in einen kohle-ähnlichen Stoff. Durch Druck und heißes Wasser wird bei der sogenannten hydrothermalen Carbonisierung (HTC) biologischer Abfall in Biokohle umgewandelt. Das Produkt ist vergleichbar mit Braunkohle, allerdings wesentlich klimafreundlicher.

Im Jahr 2010 erfasste das Statistische Bundesamt (Destatis) an die 9 Millionen Tonnen biologischer Haushaltsabfälle in Deutschland. Nur ein Bruchteil davon wurde für die Energiegewinnung genutzt. Diese Abfälle eigenen sich aufgrund ihrer Zusammensetzung nur eingeschränkt für die Energieerzeugung durch Biogasanlagen. Das HTC-Verfahren macht nun auch diese Stoffe für die Energiegewinnung nutzbar.

Neben biogenen Haushaltsabfällen könnten andere Ausgangsstoffe ebenfalls dafür verwendet werden: „Auch das ungenutzte Abfallaufkommen aus der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte ist immens. Wichtig ist dabei, dass die energetische Nutzung biogener Reststoffe klimaneutral ist und die typischen Ausgangsstoffe der Hydrothermalen Carbonisierung weder zur Versorgung mit Lebensmitteln noch zu anderen Pfaden der Holznutzung in Konkurrenz stehen“, sagte Dr. Marco Klemm vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Um Bioabfall stärker als Energiequelle nutzen zu können, wird in Halle die erste Anlage zur hydrothermalen Carbonisierung in Europa errichtet. Das Projekt wurde Mitte Juli beschlossen. Bereits im März 2013 soll die Produktion von Biokohle auf der Deponie Halle-Lochau beginnen. Die Anlage wird etwa 1.000 Tonnen biologische Kohle pro Jahr produzieren können. Je nach Qualität kann damit in etwa die gleiche Masse an Braunkohle ersetzt werden.

Der Brennstoff geht anschließend an einen Abnehmer in der Region. Mögliche Einsatzfelder sind herkömmliche Braunkohlekessel, wie sie in der industriellen Strom- und Wärmeversorgung genutzt werden und spezielle Biomassekessel. Das DBFZ wird den Betrieb im ersten Jahr zu Forschungszwecken begleiten und Messungen durchführen. Grundsätzlich handle es sich aber um eine vollwertige, wirtschaftliche Anlage, erklärt Marco Klemm.

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