Bund will über die KfW EADS-Anteile kaufen

Weil der Daimler-Konzern keine privaten Abnehmer für seine Anteile am Rüstungskonzern EADS gefunden hat, springt Deutschland über die KfW ein und gewährt damit gleich auch noch der Deutschen Bank und der Allianz einen heimlichen Bailout. Es drohen weitere Milliarden-Risiken für den Steuerzahler, die schon bisher tatkräftig für das Überleben des Prestige-Unternehmens gesorgt haben.

Der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, bestätigte am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters bei der ILA in Berlin, dass der Bund die Anteile von Daimler und dem Finanzkonsortium Dedalus übernehmen werde, und zwar möglichst in den kommenden Monaten. Daimler will 7,5 Prozent an EADS verkaufen. In diesem Fall muss der Bund aber auch den Anteil des Finanzkonsortiums Daedalus mitkaufen. Die Banken halten ebenfalls 4,5 Prozent. Es gibt nämlich eine Klausel, derzufolge die Banken aussteigen können, wenn Daimler die Lust verliert. Das ganze Geschäft soll über die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau abgewickelt werden. Die KfW hält jetzt bereits 3 Prozent.

Der Vorgang zeigt beispielhaft, wie man einen Bailout bewerkstelligen kann, ohne dass dies in der Öffentlichkeit bemerkt wird. Das Wirtschaftsministerium hatte sich in den vergangenen Monaten vergeblich bemüht, private Investoren für den Daimler-Anteil zu finden. Das Geschäft wird zwar vom Ministerium als „strategisch wichtig“ eingestuft. Aber besonders stabil scheint es nicht zu sein: Der Autokonzern Daimler hat Druck von seinen Aktionären, sich vom Geschäft zu trennen, weil es keine attraktive Rendite verspricht. Erst vor kurzem hatte EADS damit begonnen, die Rüstungssparte Cassidian umzustrukturieren. Der Grund: Wegen der Krise kürzen alle Staaten ihre Militärbudgets, weshalb die Aufträge zurückgehen. Selbst die KfW, der die undankbare Aufgabe zukommt, für den Bund die Anteile zu übernehmen, sperrt sich noch und fordert, dass der Bund die Garantien für die im Markt klar erkennbaren Risiken übernimmt.

Die Banken aus dem Daedalus Konsortium – unter anderem die Deutsche Bank und die Allianz – wollen die Chance nutzen und von ihrer Verkaufsoption Gebrauch machen. Damit würde der Bund Großaktionär in einem sehr unsicheres Geschäft. Daimler und die Banken gehören längst internationalen Investoren, für die es stets ein gutes Geschäft ist, schlechte Geschäfte dem deutschen Steuerzahler anzudrehen. Der Steuerzahler übernimmt damit zusätzlich zum europäischen Schuldentopf weitere Risiken eines wirtschaftlich fragwürdigen Projekts.

Zum Glück verfügt die Bundesrepublik Deutschland mit Peter Hintze über einen ausgesprochen kompetenten Luftfahrt-Experten: Als ehemaliger Pastor hat er besondere Kenntnisse in überirdischen Themen. Als solcher mischte er sich schon immer gern in die Unternehmenspolitik von EADS ein. Zuletzt sorgte ein Brief von Hintze an das EADS-Management im Frühjahr für Aufregung: Hintze forderte eine stärkere Mitsprache bei der Besetzung von EADS-Führungspositionen. Seine Begründung: Der Bund habe Airbus-Flugzeuge bestellt und solle daher auch im Unternehmen mitreden können. Tatsächlich hat EADS in Deutschland kaum nennenswertes Geschäft auf dem freien Markt gemacht: Die Wirtschaftswoche schrieb kürzlich, dass es vor allem Steuergelder waren, die EADS über Wasser hielten. Die Vergünstigungen reichen von „zinsgünstigen Krediten für neue Flugzeugmodelle der Zivilflugtochter Airbus über Großbestellungen für Waffensysteme bis zur Exportförderung wenn sich Mitglieder der Bundesregierung im Ausland für EADS-Produkte einsetzten”.

Kommentare

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  1. Dagmar sagt:

    „Als ehemaliger Pastor hat er besondere Kenntnisse in überirdischen Themen.“

    Hurra, mit Hintze und Gauck haben wir nun zwei Figuren mit göttlichen Bindungen. Dann kann uns ja gar nichts mehr passieren. Lobet den Herrn!

    *Sarkasmus aus

  2. Ondoron sagt:

    Liebes DMN,

    das sehe ich völlig anders. Die deutsche Regierung MUSS hier einspringen, um ein Gegengewicht zum französischen Staat zu haben. Ansonsten verkommt EADS vollständig zu einem französisch dominierten Industriegiganten, der deutsche Interessen weitgehend mißachten würde.

    Der französischen – extrem national aufgestellten – Industriepolitik, diesem Interventionismus, kann nur so entgegnet werden. Sonst haben die Deutschen da nichts zu lachen!

  3. ledavi sagt:

    Wir sollten nie mehr mit dem Finger auf irgendwelche Bananenrepubliken in Südamerika oder Afrika zeigen. Da sind wir längst … nur mit mehr Nullen hinter den Schreibtischen und hinter den Zahlen !

  4. frame sagt:

    Als Pastor ist er ja in der Bibel-Auslegungen geübt.
    Wenn dort steht „Einer trage des Anderen Last“, ist damit sicher gemeint, daß das gemeine Volk, also wir, die Ausgaben und Schulden der uns von Gott geschenkten Elite tragen sollen.
    Ich schlage vor, das Herr Pastor Hintze seine Chefin Frau Merkel bei der Verleihung des „Dankesordens des Deutschen Volkes“ begleitet.

  5. werner sagt:

    wer will auch schon Kriegsgerät 2. Wahl und vor allem die europäische Entscheidungspolitik, insbesondere die deutsche ist einem langfristig orientierten Kriegsunternehmern viel zu unberechenbar. Es könnte ja gehen wie mit dem Atomaus-, wiederein- und -wiederausstieg, da fällt ja keine Rendite ab. Also muß der Steuerzahler her, egal ob er Kriegsgerät haben will oder nicht.

    Ich nehme ein kleines Aktienpaket und als Bonus bitte eine Batterie Stingerraketen, danke.

  6. Landshark sagt:

    Zur Sicherheit für 2013 (spätestens):

    UN-Wahlbeobachter für Deutschland !

    Avaaz-Kampagne hier:
    http://www.avaaz.org/de/petition/UNWahlbeobachter_fur_Deutschland//?tta

    Da sollte jeder mitzeichnen und unserer Regierung damit zeigen, wie sehr wir ihnen noch vertrauen…

    Schönen Tag noch
    Landshark

    • Marvin sagt:

      Die UN streben doch die Eine Welt an, sowas wie das jetzige politische Europa nur eben auf die gesamte Erde ausgedehnt. Was für eine Rolle würde ein UN-Wahlbeobachter in diesem Bestreben spielen und inwiefern würde mir als Otto-Normal-Bürger ein UN-Wahlbeobachter etwas nützen, wenn mir Europa schon nichts nutzt?

      • heide sagt:

        @ marvin

        das ist eine SEHR gute frage. RICHTIG GEDACHT !

        ich habe mal vor längerer zeit einen bericht über avaaz gelesen und kann nur sagen: FINGER WEG. KEINE UNTERSCHRIFT.

    • akü sagt:

      @ Landshark
      grundsätzlich eine gute Idee.
      Wer steht hinter avaaz.org , und von wem wird die Organisation bezahlt.
      Bitte höflichst um Antwort. Danke im vor aus.

  7. BlabLaBla sagt:

    ..nicht mal für Aktienkäufe ist noch Geld da. Alles verplempert, verschwendet, vergeudet, in sinnlose Projekte wie S21, BER-Flughafen und Elbharmonie gesteckt, am Nürburgring verzockt. Liebe Leute, wacht endlich auf und macht bei den nächsten Wahlen einen Schlußstrich unter diesen Klüngel und wählt keine Blockparteien mehr..auch nicht die Radikalen!

  8. Saila sagt:

    Was sind das für Manager?!!! Da plinkt das Messer in der Hosentasche durch die Hose, wenn man solche Nachrichten lesen muss.

    Wie einfach wird es der Industrie gemacht, ihre Fehler einfach an den Staat abzudrücken und das nur, weil kein Käufer gefunden wird. Die Drohungen im Hintergrund dürften wieder wie eh und je lauten. Wenn die Anteile nicht verkauft werden, müssen wir Arbeitsplätze streichen. So oder ähnlich könnten wohl die Wortlaute sein.

    Warum die Regierung ständig für große Konzerne einsteht, welche Rücklagen haben, die über das normale hinaus gehen, ist höchst zweifelhaft und auch gegen den Wettbewerb. Wenn EADS massive Probleme hat, müssen Kürzungen erfolgen. Wenn EADS meint, ein Flugzeug zu konstruieren, welches die Konkurrenz einschüchtern soll, müssen die Mittel dafür existieren. Ansonsten kann solch ein Projekt auf auf Eis gelegt werden. Egal welchen Entwicklungsstand man erreicht hat!
    Das nun wieder der Staat Untersützung bieten muss, entzieht sich jeder wirtschaftlichen Ordnung!