USA: Fleischabfälle werden als „feines Rindfleisch“ verkauft

Fleischabfälle, die zerkleinert und anschließend mit Amoniaklösung haltbar gemacht werden, müssen als „mageres, fein strukturiertes Rindfleisch“ bezeichnet werden. Deshalb klagt nun Beef Products Inc. den TV-Sender ABC News auf 1,2 Milliarden US-Dollar Schadenersatz. Auch in Deutschland könnten derartige Zusatzstoffe im Umlauf sein.

Der Fleischproduzent Beef Products Inc. aus South-Dakota hat eine Verleumdungsklage gegen ABC News eingebracht. Der TV-Sender soll den von Beef Products produzierten Fleischzusatzstoff herabwürdigend als „pink slime“ bezeichnet haben. Das Unternehmen klagt auf mindestens 1,2 Milliarden US-Dollar Schadenersatz und beruft sich auf ein Landesgesetz, das Agrarunternehmen Klagemöglichkeiten einräumt, wenn deren Produkte kritisiert werden. Das schreibt das Wall Street Journal.

Der Fleischzusatzstoff wird im Handel als „mageres, fein strukturiertes Rindfleisch“ bezeichnet. Eigentlich handelt es sich dabei um unverkäufliche Fleischreste, die mit Ammoniumhydroxid (auch Salmiakgeist genannt) behandelt werden, um das Fleisch länger haltbar zu machen und mögliche Bakterien zu bekämpfen. In den USA findet sich das Produkt in beispielsweise Rinderhackfleisch, Fertig-Burgern, aber auch in Schulküchen.

Der Beef Products-Anwalt Dan Webb sagte, dass ABC News die Produkte diffamiert habe. Der Sender nannte den Fleischzusatzstoff nur „pink slime.“ Außerdem habe ein ABC-Redakteur im Internet geschrieben, dass die Substanz „eher eine Gelatine als Fleisch ist, die – bevor Beef Products, Inc. einen Weg erfand den Abfall durch Desinfektion mit Ammoniak genießbar zu machen – nur an Hundefutter- und Speiseöl-Hersteller verkauft wurde.“ Das habe schließlich dazu geführt, dass die Konsumenten nun glauben, das Produkt sei „eine Art ungesundes und abscheuliches flüssiges Zeug, das nicht einmal Fleisch ist“. Dabei handle es sich um 100% Fleisch, sagt Webb.

Die ABC News-Berichterstattung hatte im April und Mai 2012 eine Social-Media-Kampagne und Online-Petitionen mit hunderttausenden Unterstützern losgetreten. Zusätzlich zeigte der TV-Koch Jamie Oliver in seiner Kochsendung, wie der Fleischzusatzstoff hergestellt wird (mehr hier). Daraufhin verbannten McDonald’s und andere Fastfood-Unternehmen das Produkt aus der Zutatenliste und große Supermarktketten stoppten den Verkauf von Fleisch, der den Zusatzstoff beinhaltete. Bis auf die US-Bundesstaaten Iowa, Nebraska und South Dakota haben auch alle betroffenen Schulküchen die Bestellungen quittiert. Das schreibt NPR.

Beef Products nennt keine Umsatzzahlen. Das Unternehmen spricht aber davon, aufgrund der eingebrochenen Nachfrage bisher drei Produktionsstätten geschlossen und rund 700 Mitarbeiter entlassen zu haben. Diesen finanziellen Verlust klagt Beef Products nun ein und konnte auch schon die Unterstützung der Gouverneure von Iowa, Kansas, Texas und South Dakota gewinnen

Ob derartige Zusatzstoffe auch in Deutschland im Umlauf sind, oder über Umwege nach Deutschland gelangen können, ist unklar. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sagt auf Anfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten, dass zu den genannten Produkten „keine verlässlichen Informationen“ vorliegen und die Frage, ob derartige Produktzusätze auch in Deutschland eingesetzt werden, daher nicht beantwortet werden kann.

Der Fall zeigt die Gratwanderung zwischen Wirtschaftspolitik und Konsumentenschutz. Die Konsumenten wollen immer günstigeres Fleisch – und die Wiederverwertung von unverkäuflichen Fleischresten ermöglicht den Schleuderpreis. Unterdessen pocht der Verbraucherschutz auf gesunde Ernährung – doch nicht alles, was „nicht gefährlich“ ist, ist gleichzeitig auch gesund. Und die lebensmittelverarbeitende Industrie schafft viele Jobs – um die besonders in Wahlkampfzeiten hart gekämpft wird. US-Agrarminister Tom Vilsack verteidigt jedenfalls den Beef Products-Fleischzusatzstoff: Denn die US-Regierung würde keine Produkte zulassen, wenn diese nicht sicher wären.

Kommentare

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  1. Fatson sagt:

    Europäische Lebensmittelstandards bewahren
    Bei Importen muss Verbraucherschutz oberstes Gebot sein
    München (bbv) – Die Europäische Union muss entscheiden, wie frei und einfach in Zukunft Handel, Auslandsinvestitionen und die Gewährung von Patentrechten mit den USA ablaufen soll. Der Bayerische Bauernverband sieht den Start der Freihandelsgespräche der EU mit den USA mit sehr gemischten Gefühlen.

    Quelle:http://www.bayerischerbauernverband.de/pd25-26-freihandel

  2. Fatson sagt:

    Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (Transatlantic Trade and Investment Partnership): Hoch schlagen die Wellen der Begeisterung in Berlin, Brüssel und Washington; nicht nur Regierungsrepräsentanten der USA und der EU jubeln, auch die Vertreter von Wirt-schaftsverbänden auf beiden Seiten des Atlantiks reiben sich die Hände: Die Karten in der globalen Wirtschaft werden neu gemischt.

    Ausschnitt und weiterlesen:http://www.attac-netzwerk.de/index.php?id=12920

  3. deutsch-südwest sagt:

    Ja, Amiland und €-Land is abgebrannt !!! Gut so.

    Zum Hackfleisch sei gesagt , das es in Deutsch Südwest immer noch Leckere Rohhackbrötchen mit Zwiebel und Salz/Pfeffer gibt . Frisch aus dem Fleischwolf und nur Prime Beef.

    Na, läuft euch schon das Wasser im munde zusammen ?

  4. knirpsmaus sagt:

    Es sollte sich doch mittlerweile rumgesprochen haben, dass die heutige konventionelle Fleischindustrie ihren Konsumenten wahnsinnig viel Dreck vorsetzt – und die meisten stört es doch nicht wirklich… Fängt bei der Tierhaltung an und hört mit gravierender Umweltzerstörung auf… Dazwischen finden sich unglaublich viele Argumente sein eigenes Konsumverhalten zu überdenken… Aber bequemer ist es, mal für 5 sekunden empört den Kopf zu schütteln solang mal wieder irgendwas durch die Medien sickert – und danach treu seinen alten Gewohnheiten zu frönen und sich über die extremen Vegetarier / Veganer lustig zu machen…

  5. Marc sagt:

    Ein weiterer Grund Vegetarier zu werden. Es schont die Umwelt und rettet Leben. Hierzulande ist es u.a. Wiesenhof, die Tiere unter grauenhaften Bedingungen halten und dieses Fleisch dann verkaufen. http://www.peta.de/web/wiesenhof.3047.html

  6. papperlapap sagt:

    @Redaktion

    Neben dem ganzen inhaltlichen Unsinn im letzten Abschnitt beschränke ich mich lieber auf den dicksten Schreibfehle: „Und die lebensmittelverarbeitende Industrie schafft viele Jobs“ sollte ja wohl „Und die lebensmittelverarbeitende Industrie schafft viele Jobs ab “ heißen? Oder etwa nicht? (Ironie off).

    • werner sagt:

      Zustimmung,
      die redaktionelle Arbeit hier verfällt immer mehr auf BLÖD Niveau, dafür gibt´s umso mehr Werbung, doch die diversen Banner anzuklicken. Wenn ich Werbung wollte, würde ich RTL gucken, aber das kappiert die redaktion wohl nicht.