Frankreich nervös: Bankenunion soll wankende Pariser Banken retten

Frankreich will im Gegensatz zu Deutschland die Bankenunion so schnell wie möglich durchpeitschen. Blickt man hinter die Kulissen der französischen Bankenlandschaft, wird klar warum Frankreich die Bankenunion so dringend will.

Der französische Finanzminister, Pierre Moscovici, drängte am Treffen der EU-Finanzminister auf Zypern zu einer raschen Umsetzung der europäischen Bankenunion: „Wir sollten keine Zeit damit verlieren, erst die Euro-Krise zu lösen. Es geht nicht darum, zu hetzen, aber wir müssen den Takt der Reformen halten“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters zufolge nach den Beratungen in Nikosia.

Damit zeichnet sich im Zuge der Bankenunion ein neuer Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland ab. Vor allem bei der neu geplanten Bankenaufsicht, sind sich die beiden Länder ganz und gar nicht einig: Während Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eine Verlagerung der Bankenaufsicht zur Europäischen Zentralbank bis zum Jahresende für unrealistisch hält, widerspricht ihm sein französischer Amtskollege hier offen.

Dabei erscheint es selbst bei oberflächlicher Betrachtung unmöglich, in den verbleibenden drei Monaten dieses Jahres eine Behörde aufzubauen, die Tatsächlich alle 6.000 Banken beaufsichtigen könnte. Dadurch würde in Frankfurt eine Mammut-Behörde entstehen, welche die Aufgabe von derzeit knapp 10.000 nationalen Bankenaufsehern übernehmen müsste (mehr zu diesem zentralistischen Plan hier).

Auch ein zweiter Aspekt der Bankenunion wird aktuell von Deutschland blockiert. Die europäische Einlagensicherung wurde auf Betreiben der Bundesregierung aus den Entwürfen der Bankenunion gestrichen. Sie hätte verursacht, dass die Ersparnisse Deutscher Anleger auch für die Rettung ausländischer Banken herangezogen werden könnten (mehr hier). Der Sparkassen- und Giroverband (DSGV) läuft gegen die Gefährung der deutschen Spareinlagen durch eine Bankenunion seit Monaten Sturm.

Die Bankenkrise in Frankreich dürfte wohl der Hauptgrund dafür sein, dass Pierre Moscovici so sehr auf eine Bankenunion drängt. Vor allem wenn man betrachtet, wie verhältnismäßig wenige Bankenaufseher Frankreich beschäftigt, wird verständlich, warum die Franzosen die Verantwortung für die Banken so schnell wie möglich bei der EZB sehen wollen (mehr hier). Die Nervosität in Paris findet ihren Ausdruck auch in dem verstärkten Druck, den Frankreich auf Spanien ausübt: Die Franzosen wollen, dass Spanien unter den EU-Rettungsschirm schlüpft, um eine Ansteckung zu vemeiden.

Kommentare

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  1. Ernst Otto Carstens sagt:

    Frankreich ist auch am Ende. 35 % Jugendarbeitslosigkeit sind eine eindeutiges Indiz.
    Mit der Bankenunion will F. auf die deutsche Sparersicherung der Banken zugreifen.

    Bei einer Verstaatlichung der französischen Banken wäre Frankreich sofort pleite.

    Daß Merkel den Euro für Griechenland nicht aufgibt. liegt daran, daß Frankreich viel Geld dort angelegt hat.

  2. bayer sagt:

    Sie machen es genial:
    Seit 100 Jahren und mehr tun die Briten und Franzosen alles, um D möglichst klein zu halten.
    Die deutsche „Einigung“ wurde erkauft mit der Zusage, den Euro einzuführen.
    Und nun wird immer klarer, was das Ziel ist: Deutschland zahlt erneut für alles.
    Die „Erbsünde“, (durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld!!!) machts möglich.
    Das ganze Volk hat einen übermächtigen Schuldkomplex, der uns lähmt und uns das Gefühl gibt:
    Wir dürfen uns nicht selbstbewusst wehren, sondern es ist schon richtig, dass wir immer alles zahlen.
    Schließlich ist unsere Schuld unermesslich groß.
    Und so groß wie unsere Schuld müssen auch unsere Zahlungen sein.
    Unermesslich.

    Allein zu fragen, ob am 2. WK evtl vielleicht auch andere Mit-Schuld hatten, ist eine ungehörige, unerlaubte Frage, die Empörung und Entsetzen auslöst.

    Also werden die anderen immer dreister und holen sich ungeniert, was sie wollen.
    Merkel und Schäuble als glühende Europäer werden sich dem nicht entgegenstellen.
    Und wir werden sie weiterhin wählen…
    Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er….

  3. rundertischdgf sagt:

    Gut daß wir Bayern mit Seehofer einen Landsvater haben, der auch auf die Finanzen der kleinen Sparkassen aufpasst. Uns kann auch solche eine Bankenunion deshalb keinen Schrecken einjagen.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/09/16/draghi-schlottern-die-knie-vor-seehofer/

  4. Syssifus sagt:

    Vier der grössten franz.Banken,standen schon vor dem Lybienkrieg kurz vor der Pleite,da Gadaffi die libyschen Einlagen abziehen wollte.Das, war der Grund für Frankreichs Intervention schlechthin.Die Stunde der Wahrheit, scheint immer näher zu kommen.Wenn Frankreich wankt,ist es aus mit dem Euro.

  5. Andy sagt:

    Kein Problem! Deutschland bezahlt mit Freude die Schulden der anderen, selbst wenn es dabei verarmen sollte.
    So wollen es die Wähler, so haben sie gewählt und – siehe neueste Umfrage – werden sie weiter wählen.
    Traum der Deutschen ist die große Koalition! Man fasst es nicht!

    • Syssifus sagt:

      Frankreich,ist eine Nummer zu gross,um von Dtl. gerettet zu werden.Selbst Italien,ist nicht zu stemmen.

    • RicoCoracao sagt:

      diese Umfragewerte im Staatsfunk sind reine Propaganda und ich halte sie für „geschönt“ .. zuviele Schafe sind nun endlich wach und werden -die- Blockpartei CDUSPDCSUFDPGRUENE nicht mehr wählen

  6. frame sagt:

    Nun, ich glaube wir sind jetzt quasi am Ende der Fahnenstange angelangt.
    Jetzt geht es um reale Summen und Garantien, und nicht nur um leere
    Versprechungen zur Marktberuhigung. Und es läßt sich nicht mehr verbergen,
    daß die FPIGS (PIGS + Frankreich) genau das Gegenteil beabsichtigen.
    Bis Weihnachten wird D entweder zum „wir zahlen alles“ – EU-Sklaven degradiert,
    oder es kommt zum offenen Bruch und zum Ende der EU.
    Wobei sich beide Optionen nicht grundsätzlich unterscheiden, denn bei ersterer
    wird die deutsche Kreditwürdigkeit quasi auf FPIG-Niveau heruntergemittelt.
    Und das hat kurz- bis mittelfristig denselben Effekt – das Ende der EU.
    Und das ist das einzig Gute daran…

  7. Natürlich sagt:

    Natürlich will Frankreich eine Bankenunion. Schließlich ist Frankreich vielleicht nicht das schlimmste, aber das größte F-PIIGS. Und nichts würde der französischen Elite besser schmecken, als den heimlichen Erzfeind für seine eigenen (der fr. Elite) Träume zahlen zu lassen. Das französische Bankensystem ist de facto bankrott (wie das deutsche im Prinzip auch), der frz. Staat hat weder genug Geld noch ausreichend Bonität, um sein Bankensystem retten zu können.
    Der Systemcrash droht von allen Seiten. Das ist auch der Grund, warum das BVerfG das eindeutig verfassungswidrige ESM-Bank-Gesetz durchgewunken hat. Und das wird auch der Grund sein, warum unsere Staatsratsvorsitzende Angela Merkel am Ende wieder den deutschen Steuerzahler und Sparer verraten wird. Alles für’s System, alles für die Wiederwahl.

    Daher gehe ich auch davon aus, daß am Ende doch eine Bankenunion mit deutscher Haftung für alle europäischen Spareinlagen kommt. War immer so. Erst dagegen, um den Bürger zu beruhigen und dann, wenn der dachte, das Thema hätte sich erledigt: „Ach ja übrigens, wir haben jetzt doch zugestimmt, sonst wären Euro, Europa, die Welt und das Universum verloren. Und daran willst DU Erbsünder doch nicht etwas schuld sein, oder? Eben haben wir uns auch gedacht und „zu deinem Besten“ entschieden.“
    Dazu dann noch ein Placebo-Urteil aus Karlsruhe und schon ist alles wie von Anfang an geplant.

  8. Ichweissnix09 sagt:

    Allein was die Bankenaufsicht kostet. Ein paar tausend neue Mitarbeiter sollen da
    eingestellt werden,. Sind ja jetzt schon 10.000 Beamte.

    Fast ein Drittel des Bundeshaushaltes geht für Löhne und Gehälter des öff. Dienstes/Beamte/Pensionäre/Abfindungen inkl. Herrn Wulff drauf.
    Hier darf man doch mal rechnen, wo Gelder in 3-stelliger Mrd. Höhe eingespart werden könnten.