Analyst: Kapitalflucht aus dem Süden spaltet Europa

Aus den peripheren Staaten flossen im vergangenen Jahr rund 300 Milliarden Euro in stabile Euroländer wie Deutschland. Das zunehmende Ungleichgewicht ist in einen Teufelskreis übergegangen und gefährdet den Euro massiv.

Im vergangenen Jahr wurden von Bankkonten in Spanien, Portugal, Griechenland und Irland insgesamt 326 Milliarden Euro abgehoben. Zur selben Zeit sind die Bankeinlagen in den sogenannten Kernländern des Euros um 300 Milliarden Euro gestiegen. Damit wurde ein Großteil der Spareinlagen, die in angeschlagenen Staaten abgehoben wurden, einfach in den stabilen Teil der Eurozone übertragen. Dies zeigen Daten des Informationsdienstes Bloomberg.

„Die Kapitalflucht führt zum Zerfall der Eurozone und zur Divergenz zwischen Peripherie und den Kernstaaten“, sagte Alberto Gallo von der Kreditabteilung der Royal Bank of Scotland dem Nachrichtendienst Bloomberg.

Vor allem das dringend benötigte Wirtschaftswachstum, das die angeschlagenen Länder wieder auf Vordermann bringen soll, kann in einem solchen Umfeld nicht entstehen: „Unternehmen in der Peripherie zahlen ein bis zwei Prozentpunkte mehr, wenn sie sich Geld leihen wollen. Mit einem solchen Ungleichgewicht kann man kein Wachstum erzeugen, um weiterzumachen“, sagt Gallo.

Der Internationale Währungsfonds warnte bereits früher vor den dramatischen Folgen der Kapitalflucht. Die Eurozone befindet sich nun in einem Teufelskreis: Die Bewohner der angeschlagenen Staaten versuchen ihr Geld in Sicherheit zu bringen und Unternehmen aus den anderen Ländern wollen in den Pleitestaaten nicht mehr investieren. So kann auch kein Wirtschaftswachstum entstehen. Die Situation verschärft sich weiter.

Griechenland etwa musste erst kürzlich melden, dass das Wirtschaftswachstum noch niedriger Ausfällen wird, als angenommen. Die Griechen haben inzwischen so wenig Geld, dass auch der Import von Waren massiv eingebrochen ist.

Kommentare

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  1. wilfried sagt:

    Zu wenig der 326 Milliarden ist in physisches, real verfügbares Gold oder Silber investiert worden. Jede Unze die Ihr kauft, jedes Gramm, ist ein Tritt in die Weichteile derer die wir treffen sollten.

  2. gearboxbusiness sagt:

    Die Schlagzeile für Spanien ist dramatisch:
    22% des spanischen BIP verließ das Land in den letzten 6 Monaten!

    Wer hat abgezogen? Deutsche und US Inversoren (Banken, Fonds, usw.).
    Die Franzosen und Engländer konnten das nicht ausgleichen.
    Mehr (in englisch) mit Quellennachweis:

    http://www.facebook.com/pages/Gearbox-Business-Strategic-Management/139539139438670#!/pages/Gearbox-Business-Strategic-Management/139539139438670

    Das Kreditgeschäft ist seit zwei Jahren trocken gelegt. Die spanische Banken (mit 3-4 Ausnahmen) sind so gut wie Pleite.
    Unzählige Klein und Mittelbetriebe (Familienunternehmen) stehen vor dem aus.

  3. Selbstdenker sagt:

    Kapitalflucht aus Deutschland? Das deutsche Steuerrecht macht`s möglich.
    Natürlich nicht für den arbeitenden Michel:

    http://www.youtube.com/watch?v=Loy2QdxNDLw

  4. werner sagt:

    das wußten die Ökonomen doch schon viel früher, dass das passieren wird. Warum hat die Politik dem keinen Riegel vorgeschoben? Na weil sie dann selber nix mehr hätte verschieben können.

    Es wird nur eine Möglichkeit geben die entgangenen Steuern einzutreiben: das noch vorhandene Eigentum konfiszieren, beleihen, zwangsversteigern, dann kommen auch die Eigentümer angekrochen, allerdings muß man das an der Bemessungsgrundlage machen, an Immobilien, Unternehmen, Yachten, Autos, etc.

    Nur das will halt keiner von der Politik, wer möchte schon lebend in einem Betonfundament beerdigt werden?

  5. Hägar sagt:

    Die Spareinlagen in den „Nordländern“ sind zwar gestiegen, aber das Geld ist real
    nie hier angekommen. Deshalb auch die Schieflage auf den Target2 Salden, insbesondere bei der Bundesbank ( 750 Mrd. im Soll). Seit 2008 stark auflaufend.
    Kann mir mal einer sagen, wie der Saldo ausgeglichen werden soll. Woher soll denn das Geld kommen?

    Hier ist der größte Raubzug der Geschichte im Gange …

  6. ratlos sagt:

    Ich habe gesehen, dass der -Autor Heiko Schrang vor kurzem 11 Fragen, die alle Deutschen bewegen, in einem Interview beantwortet hat. http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/145/11-fragen-die-die-deutschen-bewegen.php Lesens- und nachdenkenswert!

  7. Saila sagt:

    Das mag sicherlich zutreffen, doch zeigt es vor allem, das einige Länder über ihre Verhältnisse arbeiten und leben! Wenn alleine auf Pump ein Land Wirtschaftswachstum erfahren kann, krankt es an vielen politischen Stellen durch fehlende Reformen und Strukturen. Eines der bekanntesten Beispiele sind die Renten und Gehälter von Beamten in Griechenland. Übermässig hoch und in keinster Weise durch vorherige Beitragszahlungen gerechtfertigt, was die Renten betrifft. Wie die Bildung der Gehälter von Beamten in Griechenland sich darstellen, ist immer noch unbekannt. Man könnte auch sagen – einfach mal eine Summe festgesetzt. Diese Summe hat mit den realen Einkommen der Bürger in Griechenland recht wenig zu tun, was wiederum dazu führt/e, das sehr viele Bürger in eine Beamtenposition drangen und immer noch drengen.

    Auf diese Art und Weise ist ein Land nicht wirtschaftlich und ist früher oder später gezwungen, Schulden einzugehen. Anstatt rechtzeitig von Brüssel in dieses Handeln einzugreifen und Grenzen zu ziehen, ließ man gewähren und fordert nun per Troika massive Einschnitte – für die Politik? Nein, gefordert werden die Bürger! Die Anzahl der Beamten gibt es nach meiner Kenntnis noch immer. Sie wurden lediglich in andere Bereiche verschoben. Letztlich wurden nur die Gehälter gekürzt!

    Es werden von beiden Seiten ständig unübersehbare Fehler wissentlich begangen. Ein echter Wille zur Besserung ist nicht ersichtlich – zumindest nicht aus meiner Sicht!

    Es ist ausschließlich noch eine Frage der Zeit, wann der Euro durch Vertrauensverlust zusammenbrechen wird. Lange wird es nicht mehr dauern. Das gleiche gilt im Übrigen für den USD. Auch hier ist höchst fraglich, welche Mengen noch im Markt (nicht von den Bürgern der USA) akzeptabel sind. Die Grenze ist längst erreicht und es gilt auch hier noch kurze Zeit abzuwarten, bis ein Gläubiger der USA kein Vertrauen mehr in den US-Dollar zeigt!

  8. frame sagt:

    Ich kann nur jedem raten, dem Beispiel unserer südlichen EU-Brüder zu folgen,
    und zwar schnell. Und ich schlage vor, das Barvermögen in inflationsfeste, mobile
    Realwerte umzusetzen.
    Wenn die letzten Kulissen fallen, wird jeder feststellen, daß die Politiker, auch jene,
    die vor kurzem noch behaupteten, unsere Spareinlagen seien sicher, nur die
    Handlanger der Bankenmafia sind. Dann wird es zu spät sein. Dann sind die
    ‚ehemaligen‘ Vermögen weginflationiert, oder per Devisenkontrollen und
    Währungsreform beschlagnahmt.

    Die Geschichte der letzten 100 Jahre zeigt ja recht eindrucksvoll, welchen
    Erfindungsreichtum die Banker+Politikermafia an den Tag legen, wenn es darum
    geht, die Bevölkerung ihres Besitzes zu berauben.

    Sage keiner, er wäre nicht gewarnt worden…