Bundesbank-Chef Weidmann warnt vor Folgen des Gelddruckens

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat bei einer Tagung vor den Folgen des grenzenlosen Gelddruckens gewarnt. Dies könne zu Inflation und in letzter Konsequenz zur Zerstörung des Geldsystems führen. So deutlich hat man Weidmann noch nie gehört - und er nahm sicherheitshalber gleich Johann Wolfgang Goethe als Beistand für seine Argumentation.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat in seiner Begrüßungsrede anlässlich des 18. Kolloquiums des Instituts für bankhistorische Forschung (IBF) “Papiergeld – Staatsfinanzierung – Inflation. Traf Goethe ein Kernproblem der Geldpolitik?” nachdrücklich vor den Folgen des unbeherrschten Gelddruckens gewarnt. Sehr feinsinnig, jedoch unmißverständlich analysierte Weidmann die prophetischen Passagen in Johann Wolfgang Goethes Faust II, in denen der Dichter das Elend einer außer Kontrolle geratenen Geldpolitik zeitlos beschrieben hat.

Weidmann deklamierte einige wichtige Passagen aus Faust und setzte sie, ohne viel sagen zu müssen, in Bezug zur aktuellen Diskussion um die “unbegrenzte Bazooka” der EZB, die von Mephisto Mario Draghi neulich in Stellung gebracht wurde. Weidmann: “Zwar kann sich der Staat im Faust II in einem ersten Schritt seiner Schulden entledigen, während die private Konsumnachfrage stark steigt und einen Aufschwung befeuert. Im weiteren Verlauf artet das Treiben jedoch in Inflation aus und das Geldwesen wird infolge der rapiden Geldentwertung zerstört.”

Eine “Zerstörung des Geldwesens” ist nach Weidmanns Einschätzung eine latente Gefahr, wenn die Politik Zugriff auf die Notenbanken erhält: “Diese Versuchung besteht sehr wohl, und viele sind ihr in der Geschichte des Geldwesens bereits erlegen. Schaut man in der Historie zurück, so wurden staatliche Notenbanken früher oft gerade deshalb geschaffen, um den Regenten möglichst freien Zugriff auf scheinbar unbegrenzte Finanzmittel zu geben. Durch den staatlichen Zugriff auf die Notenbank in Verbindung mit großem staatlichem Finanzbedarf wurde die Geldmenge jedoch häufig zu stark ausgeweitet, das Ergebnis war Geldentwertung durch Inflation. Im Licht dieser Erfahrung wurden Zentralbanken in den vergangenen Jahrzehnten gerade deshalb als unabhängige Institutionen geschaffen und auf das Sichern des Geldwertes verpflichtet, um explizit die staatliche Vereinnahmung der Geldpolitik zu verhindern.”

Die sehr lesenswerte Goethe-Allegorie von Weidmann im Wortlaut – hier.

Kommentare

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  1. Margrit Steer sagt:

    Ist zwar ehrenwert von Weiodmann, aber er ist längst abgemeldet.
    Wir gehen mit Riesenschritten in eine Inflation und jeder weiß das auch

  2. Ariovist sagt:

    Herr Dr. Weidmann kann nichts ändern, nur sich selber schaden. Lobenswert bleibt es trotzdem! Die EU, der Euro, der ESM, kurz Alles wurde längst im voraus beschlossen und veranlasst; Alles läuft nach Plan A! Die City of London, der mächtigste Staat der Welt mit seinen 341 Banken will den Dollar als Leitwährung erhalten und deshalb muß der Euro inflationieren ( http://www.wissensmanufaktur.net/city-of-london ) . Nebenbei hat das auch für London und die USA den „Vorteil“, dass die BRD und auch wir Österreicher als Handelspartner und Knowhow-Lieferanten von China, Indien und Russland, der Feinde der Anglikaner, auf lange Sicht ausfallen und so auch diese Staaten indirekt getroffen und wirtschaftlich gegängelt werden. Warum wohl bleiben die Briten mit ihrem Pfund beim Euro außen vor? Wir steuern bitteren Zeiten entgegen: Wer das Geldsystem und dazu auch noch die Medien beherrscht, ist nicht zu überwinden!

  3. Mozart sagt:

    Denk‘ ich an Deutschland in der Nacht,
    Dann bin ich um den Schlaf gebracht.

    (Heinrich Heine- Nachtgedanken)

  4. rundertischdgf sagt:

    Ob für Draghis vergoldeten Thron noch ein wenig abgezweigt werden kann?

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/09/20/ezb-die-maslosen/

  5. Klaus Peter Kraa sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Herr Weidmann spielt da sicherlich auf einen Vorgang aus den Jahren der ersten (was heisst der ersten) Finanzkrise – 2006-2009 – an und einen öffentlichen Banker wie Asmussen, heute treuer Diener von Draghi und seinerzeit ebenso treuer Adlatus des sozialistischen „Finanz- und Steuergenies“ Steinbrück an, der in die Bankengeschichte unter der Bezeichnung „Steinbrücks Lustgarten“ eingegangen ist. „Der Zettel hier ist tausend Kronen wert. Ihm liegt gesichert, als gewisses Pfand, Unzahl vergrabenen Guts im Kaiserland“ (Faust II, Kaiserschloß, Lustgarten). Der Kaiser ahnt Betrug, aber der Schatzmeister erinnert ihn: „Hast selbst es unterschrieben.“ Der Kanzler erläutert die neue Finanzmarktpolitik: „Damit die Wohltat allen gleich gedeihe, so stempelten wir gleich die ganze Reihe, zehn, dreißig, fünfzig sind parat, ihr denkt euch nicht, wie wohl’s dem Volke tat.“
    Die beiden sozialistischen Finanzjongleure wollten damit ein US-amerikanisches Vorbild, die sogenannte Verbriefung von amerikanischen subprime-Krediten, mit Hilfe öffentlich-rechtlicher Banken (KfW, IKB, Landesbanken) als eine neue Form sozialistischer Geldschöpfung auf den heimischen Markt bringen.
    Die Sache ging schief und heute zahlen die Steuerzahler dafür und die Attentäter sitzen in der EZB oder schicken sich mit Schröders Hilfe an, wieder Regierungsverantwortung zu übernehmen.
    Gott bewahre uns und Weidmann sei´s Panier!!
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Peter Kraa

  6. Stefan Wehmeier sagt:

    Globale Liquiditätsfalle

    „Die Kaufkraft des Geldes nimmt ab, das Geld entwertet sich, die Waren werden teurer, die Preise steigen (Inflation), wenn die umlaufende Geldmenge im Verhältnis zur Warenmenge vergrößert wird, und wenn das Geld schneller umläuft. Umgekehrt: Die Kaufkraft des Geldes nimmt zu, das Geld wird „besser“, die Waren werden billiger, die Preise fallen (Deflation), wenn die umlaufende Geldmenge im Verhältnis zur Warenmenge verkleinert wird, und wenn das Geld langsamer umläuft.
    Kann man aber durch Vermehrung oder Verminderung der umlaufenden Geldmenge die Kaufkraft des Geldes senken oder heben, so muss es auch möglich sein, durch planmäßige Verwaltung des Geldes seine Kaufkraft zu festigen, den Durchschnitt der Warenpreise (den Index) auf gleicher Höhe zu halten (Indexwährung), – vorausgesetzt, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes geregelt ist!
    Gerade an dieser zuletzt genannten Voraussetzung hapert es aber beim Dauergeld (Zinsgeld mit Wertaufbewahrungs(un)funktion). Nehmen wir an, das einzurichtende staatliche Währungsamt, dem die Aufrechterhaltung der Indexwährung obliegt, stellt fest, dass der Index Neigung hat zu steigen. Es wird daher Geld aus dem Verkehr ziehen und umgekehrt, wenn der Index Neigung zeigt zu sinken, wird es zusätzlich Geld in den Verkehr geben. Diese Maßnahmen werden solange wirksam sein, als das Lockmittel des Zinses hoch genug ist, um das Geld umlaufen zu lassen. Sinkt aber bei Vollbetrieb der Wirtschaft die Rentabilität, so wird das Geld immer zögernder investiert werden. Die Geldbesitzer können dieses Geld, das ja keinen Zins mehr bringt, ohne Schaden aus dem Verkehr ziehen, aufhäufen (auf Girokonten liquide halten), unregelmäßig auf den Markt werfen und dadurch die Festwährung stören, woran sie schon deshalb ein Interesse haben, weil sie der Konjunkturschwankungen zur Erlangung der Differenzgewinne (Spekulationsgewinne) bedürfen.“

    Otto Valentin (aus „Warum alle bisherige Politik versagen musste“, 1949)

    Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Zusammenbruch einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) erfolgt nach dem Schema: Liquiditätsfalle > Deflation > Hyperinflation. Weil die Zentralbank keinen Einfluß auf die Umlaufgeschwindigkeit (effektive Umlauffrequenz) des Zentralbankgeldes (Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) hat, kann sie immer nur Währungspfusch betreiben und durch Geldmengenausweitung die Liquiditätsfalle (kollektiver Rückzug der Zinsgeldvermögen aus der langfristigen Anlage) hinauszögern, auf Kosten einer Verkürzung der Zeitspanne von der einsetzenden Deflation bis zur anschließenden Hyperinflation.

    Ein „Reset“ war bisher nur durch Krieg möglich. Doch eine Anhebung des Zinsfußes durch umfassende Sachkapitalzerstörung konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab!

  7. frame sagt:

    Ich finde es sonderbar, daß Weidmanns Anti-Inflationshaltung in letzter Zeit so
    öffentlich breitgetreten wird. Oder kommt mir das nur so vor ?

    Bei unseren Verdummungs-MSM passiert nichts zufällig. Ich kann das nur so deuten,
    das unser aller geliebte Volkskanzlerin, die Genossin Merkel, sich einen deutschen
    Austritt aus der Währungsunion sehr wohl vorstellen kann.
    Aber möglicherweise will sie nur öffentlich damit drohen, um ihre Gegner an der
    Druckmaschine zu beeindrucken – um an Ende doch wieder einzuknicken …

    • Hägar sagt:

      ..wenn sie austritt, sind die 750 Mrd futsch, die die EZB, bzw. das Eurosystem der Bundesbank schuldet. Das Loch darf dann der Steuerzahler stopfen…,
      oder sie muss sich weiter erpressen lassen.