Helmut Schmidt: Deutschland soll sich nicht als Zentrum Europas aufspielen

Deutschland müsse weitere Opfer für die politische Union in Europa bringen. Altkanzler Helmut Schmidt kritisierte bei einer Preisverleihung all jene heftig, die Zweifel an der konkreten Entwicklung in Europa haben.

Mit einer bemerkenswerten Botschaft zu Europa hat Altbundeskanzler Helmut Schmidt am Samstag den Preis des Westfälischen Friedens entgegengenommen. Die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL), die alle zwei Jahre den mit 100.000 Euro höchstdotierten deutschen Friedenspreis vergibt, ehrte Schmidt als “einen der bedeutendsten Wegbereiter des friedlich geeinten Europa”. Mit dem Jugendpreis wurde die Organisation “Children for a better World e.V.” ausgezeichnet, die weltweit Kinderhilfsprojekte fördert. Tausende Münsteraner jubelten Schmidt zu, der sich nach der Preisverleihung auf dem Balkon vor dem Rathaus zeigte. “Denkt daran, wir Deutschen müssen noch große Opfer für Europa bringen”, mahnte Schmidt die Bürger.

“Das Projekt Europa darf nicht an uns Deutschen scheitern”, sagte Schmidt in seiner Dankesrede. Er forderte ein “stärkeres uneigennütziges Engagement” für die EU, wie die Wissenschaftliche Gesellschaft mitteilte. Schmidt attackierte in harten Worten die demokratischen und verfassungsgemäßen Organe Deutschlands: Bundesregierung, Bundesverfassungsgericht und Bundesbank dürften sich “nicht als Zentrum Europas gerieren”. Deutschland müsse “unbedingten Willen zur Zusammenarbeit zeigen”, betonte Schmidt. Es gelte, die privaten Finanzzentren zu bändigen, fortgesetzte Solidarität zu zeigen und endlich als Europa weltweit mit einer Stimme aufzutreten. “Eine einzelne Regierung kann in dieser Welt nichts mehr bewirken, auch die deutsche Regierung nicht”, sagte Schmidt. “Natürlich wird das viel Geld kosten, aber wir waren auch seit 1952 der Hauptgewinner der europäischen Integration.”

Schmidts Aussagen sind deswegen bemerkenswert, weil keine der von ihm attackierten Institutionen bisher den Eindruck erweckte hatte, sich als Zentrum Europas zu gerieren. Die Bundesregierung versucht leidlich, die Interessen der Deutschen zu wahren; das Bundesverfassungsgericht hatte den ESM geprüft und ihn mit Einschränkungen durchgewunken; die Bundesbank versucht in Person von Jens Weidmann, auf die drohende Inflationsgefahr hinzuweisen. Erstaunlich sind die Aussagen Schmidts auch deshalb, weil der Altkanzler nicht darauf einging, dass es nicht nur die “privaten Finanzzentren” sind, die Europa in eine prekäre Lage gebracht haben, sondern die hemmungslose Schuldenmacherei der Regierungen.

Kommentare

Dieser Artikel hat 50 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Swen sagt:

    Ich hätte gerne einen unterschriebenen Blankocheque von D.
    Und spielt Euch bitte nicht so auf…

    Privat, würde man über so ein leeres Geschwätz nur irritiert lachen.

    Heutzutage aber applaudieren die meisten Medien zu diesem Wahnsinn. Die Arroganz und Ignoranz der Politiker und die unheilige Allianz mit den manipulativen Massenmedien hat mittlerweile wieder besorgniserregende Ausmaße erreicht.

  2. Andreas sagt:

    Deutschland ist das Zentrum für die Wirtschaft und die öffentliche Finanzierung von Europa aufgrund seiner Produktivität und Grösse. Das wollen viele Europäer in den Zielländern der Transfers, sie fordern es sogar, sie wollen es nur nicht hören.

    Ein gewisser Transfer ist durchaus richtig, aber er ufert aus!

    Entschlossenheit und Fingerspitzengefühl von deutscher Seite sind gefordert. Grabenkämpfe zwischen den deutschen Politikern torpedieren die deutschen Interessen.

  3. Klaus Peter Kraa sagt:

    Der hat doch seine große Zeit bei der Hamburger Flutkatastrophe 1962 gehabt? Dann hätte er doch Direktor des Wasserbauamtes in der Hansestadt werden sollen statt Bundeskanzler? Wer holt den eigentlich immer wieder in die Medien? Geschieht das deswegen, weil er bei der „Zeit“ den Redakteuren immer noch die Kekse wegfrisst? Denn von den komplizierten Prozessen der EU-Währung hat der doch nie was verstanden, weil er in Karl Schillers Vorlesungen und Seminaren wahrscheinlich immer nur gepennt hat. Und persönlich scheint der die Auffassung zu vertreten: Eine Last, die mich nicht trifft, kann ich anderen ohne weiteres zumuten!! So hat er wahrscheinlich auch noch gar nicht – und jetzt in seiner Demenzphase erst recht nicht – gespannt, daß hier nicht die Opferbereitschaft der Menschen in Europa generell auf dem Prüfstand steht, sondern die Opferbereitschaft für eine Politik, die so dilettantisch und gefährlich ist wie diese Europapolitik seit der Entscheidung, mit der Währungsunion eine politische Union erzwingen zu wollen, gegen alle gesicherten Erkenntnisse der Volkswirtschaftslehre. Warum sollen die Menschen in Europa, außer Vermögensbesitzer wie Helmut Schmidt und & denn da Opfer bringen, wenn es bei einer vernünftigen Politik auch anders geht? Aber so sind sie, die berufsmäßigen Politfunktionäre von den Kommunisten bis zu den Liberalen: Die Menschen sind für die nicht Zweck, sondern lediglich Mittel und eine wirkliche Demokratie fürchten die wie der Teufel das Weihwasser.

  4. Alfons sagt:

    Verdammt, wer hat da schon wieder die Tür des Pflegeheims nicht abgeschlossen?
    Und schon ist ein ewig gestriger Schwafler im Staatsfunk zu bewundern mit seinen kruden Thesen von der Erbschuld aller Deutschen, ihrer Kinder und Kindeskinder bis in die 100. Generation.

  5. nadir sagt:

    Wer ausgesorgt hat wie unsere Politikprominenz und seine Wähler ununterbrochen belogen hat, sollte, wenn er nicht mehr dabei ist die Schnautze halten.
    Alle Politiker sollten nach 2 Wahlperioden wieder ins Glied zurück treten müßen, dann verlören sie nicht den boden unter den Füßen.
    So ein respektloser Mensch wie Schmidt, der sich über Rauchverboten lustig mach, hat sich auch über andere Gesetze genau so hinweg gesetzt. Aber unsere Medien sind ja alle so gedrillt von der politischen Elite, das man keinem Medien mehr gaubt.

  6. Kampfwurst sagt:

    Ich finde Helmut Schmidt, sollte sich nicht als Allwissender aufspielen und endlich mal seine Klappe halten. Seine Zeiten sind vorbei! Senile Klugscheißerei kann er auch im Altenheim praktizieren.

  7. Fahrenheit451 sagt:

    und Helmut Schmidt soll sich nicht als Zentrum Deutschlands aufspielen

  8. Trunki sagt:

    Man sollte bei der Kritik aber auch die Preisverleiher kritisieren.
    Der werte Herr Altbundeskanzler ist nur williges Mittel zum Zweck.
    Aber wer bietet das Forum für diese Demütigung der Bürger dieses Landes?
    Es muss eindringlich der Preisverleiher (Industrielobby) ins Zentrum der Kritik.

    Was kann man vom Altbundeskanzlers der Rekorde (Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit) denn anderes erwarten. Aus welchem Grund (harte Fakten) geniesst dieser Mann die ihm entgegengebrachte Achtung?

    • Bird sagt:

      Schmidt Schnauze halt,
      so was kam an bei denen die gerne seine Art als Klartext verstanden.
      Was er wirklich getan hat entzog sich der Wahrnehmung.
      Mein Dank Gefühl sei ihm entsagt.

  9. Leopold sagt:

    Tut das Deutschland? Die gesamte EU will Deutschland alle seine Schulden aufladen. Will Deutschland für alle Schulden der EU haften lassen. Deutschland drängt sich sicher nicht, ist aber zu dumm sich dagegen zur Wehr zu setzen! Da hat Brüssel eine Selbstbedienungsmentalität eingeführt die zum Schaden Deutschlands ist. Ich will kein Opfer sein und auch keine Opfer bringen! Und ein Herr Schmitt sollte nicht versuchen, eine Rechtfertigung für sein Stückwerk Europa-Politik beim deutschen Steuerzahler zu suchen.