Druckluftantrieb soll mit Elektroautos konkurrieren

Fahrzeuge mit Druckluftantrieb sollen den Straßenverkehr Indiens revolutionieren und dabei Abgase reduzieren. Der indische Autohersteller Tata testet bereits die Technologie aus Luxemburg an eigenen Prototypen. Bevor die Technologie in die Massenproduktion gehen kann, müssen jedoch noch einige Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden.

Druckluftautos befinden sich seit 10 Jahren in der Entwicklung bei dem luxemburgischen Unternehmen MDI. Die umweltfreundlichen Motoren verarbeiten komprimierte Luft, die unter Hochdruck im Fahrzeugtank gespeichert wird. Bisher reicht die Energie solcher Kleinfahrzeuge nur für den Stadtgebrauch und für Industrietraktoren, die auf ein besonders hohes Drehmoment angewiesen sind, ansonsten aber relativ wenig Energie verbrauchen.

„Die Idee ist großartig. Die Luft, die als Abgas aus dem Fahrzeug kommt, ist wegen der effektiven Filtertechnik sogar sauberer als die Druckluft, die hineingesteckt wird“, sagte Udo Hannemann vom Arbeitskreis Alternative Produktion Bremen der IG Metall. Der Schadstoffausstoß ist sehr gering, der Verbrauch liegt bei ca. zwei Litern pro 100 Kilometer.

Einen Führerschein braucht man nicht, um ein Druckluftauto zu bedienen, solange man eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 45 Km/h einhält. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt bis zu 70 Kilometer pro Stunde bei einer Reichweite von 220 Kilometern. Das platz- und energiesparende Vehikel soll den Straßenverkehr in Indiens Metropolen revolutionieren und die Luftqualität verbessern.

Die größte Ersparnis dieser innovativen Technologie kann jedoch an der Tankstelle und im Geldbeutel der Fahrzeugbesitzer festgestellt werden. Nur wenige Minuten an die Druckluftstation oder die Steckdose angeschlossen und schon stehen den nächsten 200 Kilometern nichts mehr im Weg. Der Preis für eine Tankfüllung beträgt einen Euro.

Dennoch muss die Entwicklung des Druckluftautos in Europa der starken Konkurrenz der Elektrotechnologie begegnen. Die Lithium-Ionen-Akku-Motoren sind mittlerweile ausgereift, so dass weniger mechanische Komponenten benötigt werden, die den Verschleiß des Vehikels geringer halten als bei Fahrzeugen mit Druckluftantrieb.

Daher ist eine Weiterentwicklung der Druckluftbetankung der nächste Schritt, bevor Tata die Massenproduktion für den indischen Markt einleitet. „Durch eine Erhöhung des Drucks in den Tanks könnte die Reichweite noch um einiges erhöht werden. Tanks, die über 800 Bar aushalten, sind eigentlich verfügbar“, so Hannemann. Das könnte die Reichweite pro Tankfüllung um das Vierfache steigern und somit die Lücke zu Elektroautos schließen.

Kommentare

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  1. Hansulrich Hörler sagt:

    Lustig ist, dass bei den Befürwortern des Druckluftautos sofort wieder Verschwörungstheorien wegen Oellobby, Staat usw. auftauchen! In Wirklichkeit sind einfach die physikalischen Gesetze schuld, dass dieses Prinzip ungeeignet ist. Mit relativ einfachen Rechnungen wird klar, dass für gleiche Reichweite bei Druckluft ein mindestens 6 mal grösseres Tankgewicht und ein 20 mal grösseres Volumen als bei der Lithiumbatterie eines Elektromobils vorhanden sein muss. Ausserdem braucht es für den Druckluftkompressor mehr als doppelt soviel Strom.

  2. DK_Jule sagt:

    hm, also ich würd ihn unter bestimmten Bedingungen kaufen, da ich mir sonst eh nur alte Gebrauchte leisten kann.

    wenn er zuverlässig genug ist und für um 3000 Euro zu haben ist. Außerdem muss er noch frisiert werden. Mir reicht eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, aber nur 70 ist mir zu wenig….. so 100 bis 110 km/h sollte ein Auto schon noch schaffen.

    Da ich nur Kurzstrecken fahre im Umkreis von maximal 70 km um Wohnort, bräuchte ich auch keine so große Reichweite.

    wichtig ist, der Raumbedarf… auch ein kleines Auto muss so konstruiert sein, dass man noch Gepäck unterbringen kann, z.B. Getränkekisten, Klappliegen, etc.

  3. Hans sagt:

    Meiner Meinung nach hat da wieder mal jemand
    eine nette Leimrute für „Investisseurs“ ausgelegt.

    Das Geld bleibt dran kleben. Auch nachdem das luftbetankte Fahrzeug schon längst stehen geblieben ist

    • Marschpapst sagt:

      Erst informieren, dann mosern: nix Leimrute – gute Idee und von einem Ex F1-Piloten und seinem Vater entwickelt. Nicht nur in Europa chancenlos wegen der Öl-Lobby.

      Go, India Go!

  4. chrisbav sagt:

    Hört sich ja schön und gut an, nur Druckluft muss auch erst mal erzeugt werden, und dabei entstehen 95% Verluste, nur rund 5% des eingesetzten Stroms liegen noch als Nutzenergie in der Druckluft vor. Dieser gravierende Nachteil gleicht die schnelle und leichte Verfügbarkeit meiner Meinung nach nicht aus.

    In der Industrie versucht man soviel wie möglich von pneumatischen auf elektrische Antriebe umzustellen, damit diese Wandlungsverluste vermieden werden können.

    • Jaja sagt:

      Jaja, der Einsatz schon in der Herstellung besonders „umweltschonender“ Li-Po Akkus ist natürlich besser…möglichst auf Leasingbasis wie bei Renault. Damit auch ja die Schafe weiterhin am Tropf bleiben.
      Es gibt schon seit Ende der 80er umgebaute KFZ, die ihren Wasserstoff direkt im Auto erzeugen. Aber das würde ja das Tankstellennetz und – das geht gar nicht – den Gewinn der Energiekonzerne schmälern. Dezentrale Energieversorgung, ts,ts,ts