Lärmschutz beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen

Windkraft ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende. Der Bau von Windkraftanlagen bedroht jedoch die Fauna von Nord- und Ostsee. Auf einer Tagung kamen Vertreter beider Positionen zusammen und erörterten alternative technische Innovationen zum Schutz der Tiere.

Für die angestrebte Energiewende ist der Ausbau von Windenergie unerlässlich. Einen wichtigen Anteil hierbei haben die Offshore-Windparks. Eine große Herausforderung an den Umweltschutz stellt allerdings die Konstruktion dieser Windkraftanlagen auf offener See dar. Meeressäugetiere wie der vom Aussterben bedrohte Schweinswal, aber auch Robben und Fische erleiden durch den Baulärm schwerste Schäden, die von Vertreibung bis Verletzung und Tod reichen. Der Schweinswal orientiert sich wie eine Fledermaus über den Schall im Meer.

Um die Tiere zu schützen, gilt seit dem Jahr 2008 ein Lärmschutzwert von 160 Dezibel für den Bau von Offshore-Anlagen in Nord- und Ostsee verbindlich gesetzt.

Die Bauindustrie hat in diesem Punkt großen Entwicklungsdruck, denn nach wie vor werden beim Errichten dieser Offshore-Windparks der gültige Lärmschutzwert von 160 Dezibel in 750 Metern Entfernung bei Rammarbeiten oft überschritten.

Nach jahrelangen ideologischen Grabenkämpfen zwischen Industrie und Umweltschützern versammelte die Deutsche Umwelthilfe e.V. rund 200 Experten aus Industrie, Wissenschaft, Verbänden, Behörden und Politik zur Fachtagung „Herausforderung Schallschutz beim Bau von Offshore-Windparks“ vom 24. zum 25. September 2012 in Britische Botschaft in Berlin.

Bei dieser Tagung präsentierten die Vertreter von Wirtschaft und Industrie technische Fortschritte zur Lärmminderung, die teilweise schon erfolgreich beim Bau der ersten deutschen Offshore-Windparks zum Einsatz kamen. Zu ihnen gehören der bereits etablierte „große Blasenschleier“, Druckluftblasen unter Wasser zur Lärmdämmung und Varianten mit festen oder flüssigen Schallschutzmänteln.

Eine vielversprechende Alternative können neue Fundamentkonzepte sein, die bald ohne die hauptsächlich Lärm verursachende Rammtechnik auskommen könnten. Die Modelle reichen von vertikalen Gründungskörpern, die in den Meeresboden gebohrt werden, großen Betonankern, die durch ihr Gewicht, die Anlagen am Meeresgrund halten, bis hin zu sogenannten Bucket-Fundamenten, die wie umgedrehte Eimer in den Meeresboden geschwemmt werden. Die Realisierung dieser Konzepte würde den Lärmpegel weit unter den heute gültigen Grenzwert senken.

Gegenwärtig sind in Deutschland etwa 200 MW Offshore-Windleistung am Netz. Die Bundesregierung plant bis zum Jahr 2020 Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 10.000 und bis 2030 von 25.000 MW zu installieren. Dies bedeutet zusätzlichen Druck für Innovationen zu Schutzmaßnahmen, in Anbetracht des Mehrs an Offshore Windparks und der damit verbundenen Gefährdung durch gesteigerten Lärm. Hinzu kommt die Analyse der bisher kaum berücksichtigten Naturrisiken wie der Fischerei, Ölförderung, seismischen Untersuchungen und des Schiffsverkehrs.

Auf der anderen Seite forderte die Offshore-Industrie in einem Positionspapier Übergangsfristen für die Windkraftanlagen, die vor 2008 genehmigt wurden.

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