Finanzminister: Spanien-Bailout würde Italiens Haushalt massiv belasten

Der Beitrag Italiens für einen neuen Bailout Spaniens würde Italien wieder eine Menge Geld kosten, warnt der italienische Finanzministers Vittorio Grilli. Fast 20 Prozent wäre der Anteil Italiens an einem solchen Bailout. Damit steigen auch Italiens Schulden weiter.

Ein spanischer Bailout wird teuer für die europäischen Staaten: „Wenn es einen Bailout für Spanien von nicht weniger als 100 Milliarden Euro gibt, wäre Italiens Anteil daran 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“, warnte Italiens Finanzminister Vittorio Grilli in einem Interview der Zeitung La Repubblica. Italiens BIP lag im Januar 2012 bei rund 1,25 Billionen Euro nach Angaben von Trading Economics. Davon würden theoretisch 18,75 Milliarden Euro für ein spanisches Bailout über den ESM von Italien in Form von Kapital und Garantien geleistet werden. Italien wäre  somit mit rund zwanzig Prozent an Spanien neuen Schulden beteiligt.

„In den letzten zwei Jahren sind unsere Schulden wegen Krediten an Griechenland, Irland und Portugal um vier Prozentpunkte gestiegen“. Der Minister wiederholte jedoch, dass Italien einen Bailout nicht beantragen müsse. Man müsse allerdings mit Vorsicht die Auswirkungen dieser Ereignisse auf Italiens öffentliche Ausgaben prüfen. „Wir befinden uns immer noch in einer sehr, sehr schwierigen Phase“, sagte Grilli. Das Land ist dabei, sein Rentensystem und den Arbeitsmarkt komplett zu reformieren.

In Italien finden nächstes Jahr Parlamentswahlen statt. Dabei ist noch immer unklar, ob Regierungschef Mario Monti weiterhin die Zügel in der Hand halten wird. Obwohl Monti kürzlich Wachstumsimpulse für die italienische Wirtschaft durch Steuersenkungen gesetzt hat, hatte dies keine positiven Effekte auf die Finanzmärkte: Die Zinsen für italienische Staatsanleihen sind wieder gestiegen. Hinter Deutschland und Frankreich muss Italien als drittgrößter Beitragsleister zum ESM rund 125 Milliarden Euro beitragen – der Verteilungsschlüssel für den ESM liegt für Italien bei 17,914 Prozent. Deutschland ist mit 27,146 Prozent und Frankreich mit 20,386 Prozent beteiligt.

Italiens Wirtschaft befindet sich seit zwei Jahren in der Rezession. Die Schulden sind mit 120,9 Prozent des BIP immens hoch. Die Gesamtverschuldung des Landes beläuft sich auf 1,9 Billionen Euro.

Kommentare

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  1. Stojan sagt:

    Ich blicke da nicht durch.
    Inwiefern ist das anders als bei einem Ponzi-Schema? Wie soll denn das funktionieren?

  2. wolfbier sagt:

    Natürlich werden die Italiener nach Spanien ebenfalls einen Bail-out beantragen müssen.
    Nach den Franzosen sind dann wir an der Reihe.

  3. wuggi sagt:

    Wenn Spanien zum bailout bläst – spätestens nach der US-Wahl, dann müssen alle solidarisch zahlen. Italien wird sagen, wir haben ja selbst nichts. Die Franzosen werden sagen, die Deutschen haben aber der Krieg verloren. Die anderen werden behaupten, sie seien viel zu klein, um so ein großes Land zu bezahlen. Und unsere Politiker? Die werden sagen, ja gut, irgendeiner muss ja blechen. Uns wurde ja die Wiedervereinigung geschenkt und da muss man sich solidarisch zeigen. Wir sitzen ja alle in einem EU-Boot…

    • homo_sapiens sagt:

      Eine brilliante Vorhersage der nahen Zukunft!

      Man könnte darüber schmunzeln … wenn’s nicht so abgrundtief ernst wäre.

    • Unrechts-Populist Nr.1 sagt:

      wir haben (so Verheugen) eine dauerhafte und alternativlose Erbschuld, egal welcher Jahrgang. Wichtig ist da nur die Reichsdeutsche Ahnenschaft.
      Oder erlebe ich wie Farau Roth, Frau Nahles oder andere den Kulturen – vorausgesetzt sie zahlen Steuern – erklären, daß sie mitzahlen müssen ?
      Das kann ich mir nicht vorstellen. Die wollen doch keinen Ärger.
      Und daher darf halt AAA-Steinbrück den Erbschuldnern erläutern, warum nur sie zahlen werden und daß es trotzdem Gerechtigkeit gibt in diesem (nicht mehr ganz so) unserem Land.
      Das kann er. Das trau ich ihm zu, da ist er ganz Sozialdämokrat.