Lohndumping: Bilfinger Berger bekommt Bauverbot in der Schweiz

Ein Tochterunternehmen der deutschen Baufirma Bilfinger darf in den kommenden zwei Jahren in der Schweiz keine Aufträge mehr ausführen. Weil sie zu niedrige Löhne an die Arbeiter auf der Baustelle des Roche-Turms in Basel gezahlt hat, wurde die Bilfinger Berger Spezialtiefbau GmbH außerdem zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die Bilfinger Berger Spezialtiefbau GmbH wurde nun wegen Lohndumpings mit einer zweijährigen Sperre für die gesamte Schweiz bestraft. Im Jahr 2011 war das Tochterunternehmen des zweitgrößten deutschen Baukonzerns Bilfinger beim Bau des Basler Roche-Turms tätig. Dabei zahlte es 15 Mitarbeitern einen zu niedrigen Stundensatz und zu geringe Zuschläge für Samstags- und Nachtarbeit. Bereits Ende August zahlte der Konzern die Löhne nach (rund 74.000 Euro) und entrichtete eine Geldbuße von 31.000 Euro. Besonders pikant: Vorstandsvorsitzender von Bilfinger ist der christlichsoziale ehemalige hessische Ministerpräsident, Roland Koch.

Vor einer Woche zog der Konzern auch seinen Einspruch gegen die drohende Sperre zurück, sagte eine Sprecherin des Amtes für Wirtschaft und Arbeit in Basel auf Nachfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Damit ist die Sperre rechtskräftig. Ein Sprecher von Bilfinger in Mannheim bestätigte gegenüber Reuters die zweijährige Sperre, wollte jedoch keine weiteren Angaben machen.

Die anhaltende Stärke des Franken hat auch den Druck auf die Löhne in der Schweiz erhöht. Kritiker fordern inzwischen eine stärkere Kontrolle der Löhne, die ausländische Unternehmen bei Aufträgen in der Schweiz zahlen, um die Wettbewerbsfähigkeit Schweizer Unternehmen zu erhalten. Für Unternehmen aus der Eurozone würde dies allerdings bedeuten, dass Aufträge in der Schweiz weniger attraktiv sind.

Eine ähnliche negative Entwicklung zeigt sich schon seit geraumer Zeit bei Produkten aus der Schweiz: Der starke Franken macht Importe aus der Schweiz für andere Länder deutlich teurer. Dies bekam die Schweizer Exportwirtschaft bereits stark zu spüren, die Ausfuhren gingen deutlich zurück.

Kommentare

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  1. manfred sagt:

    Sowas wünschte ich mir von deutschen Politikern!

  2. wooddragon sagt:

    Gut so. Leider ist den Menschen nicht klar, dass sie Macht haben. Wenn wirklich niemand für lächerliche Löhne arbeiten würde, wäre das Spiel aus. Es funktioniert, weil Angst im Spiel ist. Angst ist der hauptsächliche Kontrollmechanismus, und bislang läuft das gut für die Elite.

  3. lurchi sagt:

    Roland Koch – christlich-sozial? Welch ein Hohn. Dder Name steht für Menschenverachtung, Tricksereien und rücksichtslosen Lügen. Bestes Beispiel: der Frankfurter Flughafen. Nachtflugverbot und wenig Fluglärm vorgauckeln und dann gegen das Nachtflugverbot klagen (sein Nachfolger Bouffier) bzw. klagen lassen (Lufthansa9 und das Rhein-Main-Gebiet mit Fluglärmterror überziehen. Und so ganz nebenbei Bilfinger – Berger mit dem Bau der neuen Landebahn einen Milliardenschweren Auftrag vermitteln. Und dann ist Bilfinger auch noch der spätere neue Auftraggeber. Zufälle gibt’s….

  4. andres sagt:

    Diese Strafe war überfällig, aber umgekehrt fehlen mir noch Strafen für die Verbrechen in der anderen Richtung, die Auszahlung von Mangerlöhnen die nicht mit dem Erfolg eines Konzerns überein stimmt. Damit meine ich etwa die Summen die in der Finanzindustrie für die Konzernchefs ausbezahlt wird, al Capone würde vor Neid erblassen.

  5. Kora sagt:

    Rein fiktiv: Stellt euch vor, in Deutschland würden alle Firmen mit Lohndumping zumachen müssen. Ich nehme an, dass ich mit 1/3 übriggebliebener Arbeitnehmer noch zu hoch ansetze.

    Wobei schon interessant wäre, wie hoch die gezahlten Löhne der Bilfinger Berger Spezialtiefbau GmbH gewesen waren und wieviele Bauarbeiter insgesamt am Bau beteiligt waren. Bei dem zweitgrößten Bauunternehmer Deutschlands sind 15 AN „Peanuts“.

  6. ledavi sagt:

    Die Schweiz scheint die letzte Bastion Europas für Wohlstand, Menschenverstand und Gerechtigkeit zu sein. Die Schweizer können stolz auf ihr kleines Land sein. Die durchgedrehten Euro-Fanatiker sollten sich an der Schweiz ein Beispiel nehmen. Größer ist eben nicht besser !

    • KClemens sagt:

      So etwas stößt n der EU natürlich auf harsche Kritik und vollkommenes Unverständnis. Deshalb wird in der Schweiz stark für einen EU-Beitritt lobbyiert.

      Ganz vorne mit dabei, deutsche Lobbyisten, denen sich der Magen umdreht, ob der Zustände in der Schweiz. Manche wollen sogar die Kavallerie schicken.

    • Friedensbomber sagt:

      Gerechtigkeit spielt da offensichtlich keine Rolle. Sozialdarwinismus wird uns doch als der große Fortschritt der Menschheit verkauft! Das ist halt Globalisierung: eine kleine Minderheit lebt wie die Made im Speck – der Rest soll bitte sozial verträglich ableben. Frau Merkel ist es doch offensichtlich egal, wenn in dieser Bundesrepublik, die Arbeitslosigkeit bei 60 Prozent liegt!Sie könnte dies auch ganz offen äussern und würde immer noch von einigen Betonwählern Beifall bekommen!

      • Unrechts-Populist Nr.1 sagt:

        Made in Germany

      • Robert sagt:

        Also mit Sozialdarwinsimus hat das Ganze nun wirklich nichts zu tun.
        Die Theorie Darwins („Survival of the Fittest“) besagt, dass das fitteste VOLK sich durchsetzt und bezieht sich nicht auf den Einzelnen. Die Schwachen innerhalb eines Volkes müssen in bestimmten Bereichen von den stärkeren unterstützt werden. Der innere Zusammenhalt ist wichtig zum Überleben. Ansonsten wird ein Volk von einem andern verdrängt.

        Diese Theorie Darwins ist übrigens völlig logisch und korrekt, wird jedoch leider immer verfälscht wiedergegeben.

        Auch hier gilt also mal wieder: Das Gegenteil von der veröffentlichten Meinung ist richtig.