Italien: Zahl der Haushalte mit Finanzproblemen steigt

Immer mehr italienische Privathaushalte verschulden sich, sind nicht mehr in der Lage, ihre monatlichen Kosten zu decken: Mittlerweile liegt die Zahl derer bei 18 Prozent. Das könnte zum Problem für die nationalen Banken werden. Steigt ihre Verschuldung kann sich das schnell in einem Anstieg fauler Kredite in den Bankbilanzen widerspiegeln.

In den vergangenen drei Monaten konnten 18 Prozent aller italienischen Privathaushalte – 4,5 Millionen Italiener – mit ihrem Einkommen ihre Rechnungen nicht mehr begleichen, so eine gemeinsame von Censis und Confcommercio durchgeführte Studie. 56 Prozent der Haushalte greifen inzwischen auf ihre Ersparnisse zurück. 21 Prozent nehmen Hypotheken auf oder sind zahlungsunfähig, so die Studie. Die Schere zwischen Inflationsrate und Lohnanstieg liegt inzwischen bei 1,8 Prozent, bedingt durch den geringen Lohnanstieg von 1,4 Prozent und der gestiegenen Inflationsrate von 3,2 Prozent. Über ein Fünftel der Befragten sehen die Gründe für ihre Finanzschwierigkeiten besonders in der hohen Steuerbelastung  und mehr als die Hälfte gibt der Regierung und ihrem orientierungslosen Kurs die Schuld für ihre Notlage.

Die überragende Mehrheit aller italienischen Haushalte sind inzwischen gezwungen, ihren Haushaltsplan der Situation anzupassen: 94 Prozent vermeiden Müll, 83 Prozent schauen bei Lebensmitteln nach speziellen Angeboten. 65 Prozent der Befragten lassen das Auto stehen, um Benzin zu sparen. Die Ursachen für die finanziellen Probleme liegen jedoch nicht grundsätzlich im falschen Haushalten der Italiener. Vielmehr ist in Italien bisher im Gegensatz zur Staatsverschuldung die Verschuldung der privaten Haushalte sehr gering gewesen. Einer der Gründe, warum die italienischen Banken bisher noch keinen wirklichen Crash erlebten, trotzdem es in der Tat eine Immobilienblase gibt. Die zunehmenden finanziellen Schwierigkeiten der Privathaushalte erhöht nun die Gefahr, dass die faulen Kredite auch in den Bilanzen der italienischen Banken ansteigen.

Kommentare

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  1. Stefan Wehmeier sagt:

    1. Die aggregierten Sparguthaben einer Ökonomie entsprechen genau den aggregierten Schulden. Die Verzinsung von Sparkapital und der dadurch bedingte Anstieg der Sparguthaben erzwingt eine symmetrisch zunehmende Verschuldung und entsprechende Zinszahlungen der Unternehmen.

    2. Wächst das Bruttoinlandsprodukt weniger stark als die Zinsanteile, so verringern sich die Einkommen in der Ökonomie. In diesem Fall fließt ein größerer Teil des Bruttosozialprodukts über Zinszahlungen an die Geldkapitaleigner, während sich der Lohnanteil entsprechend verringert. Damit erzwingen Bestrebungen, den Zinsanteil im Bruttoinlandsprodukt zu begrenzen, ein ständiges Wirtschaftswachstum.

    3. Die Haushalte mit geringem Lohneinkommen können sich den Konsum bei wachsendem Zinsanteil im Bruttoinlandsprodukt zunehmend weniger leisten und verschulden sich schließlich. Dies kann als Verarmung oder als Beschäftigungslosigkeit charakterisiert werden. Die Verarmung eines zunehmend größeren Prozentsatzes der Haushaltsgruppen destabilisiert schließlich die Ökonomie.

    4. Gruppen mit vergleichsweise geringem Vermögen verfügen über geringfügige oder keine Zinseinnahmen, zahlen aber über ihren Konsum soviel Zinsen, dass sie Netto-Zinszahler sind. Bei Gruppen vergleichsweise vermögender Haushalte überwiegen dagegen die Zinseinnahmen über die Zinszahlungen. Diese Gruppe besteht aus Netto-Zinsempfängern. Damit fließt in der Ökonomie ein stetiger Zinsstrom von den Netto-Zinszahlern zu den Netto-Zinsempfängern. Es ist ein auf den ersten Blick nicht sichtbarer Umverteilungsmechanismus, dessen negative Auswirkungen bei hohen Wachstumsraten der Wirtschaft kaum erkennbar sind. Zerstörerisch wird dieser Mechanismus aber dann, wenn das Wachstum nachlässt.

    Der blinde Fleck der Volkswirtschaftslehre
    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/11/der-blinde-fleck-der.html

  2. Elisabeth Wehmeier-Püthe sagt:

    Es gibt immer mehr Menschen die gut leben wollen. Wir in Europa haben noch nicht registriert, dass es uns nur deshalb so gut geht, weil es anderen so schlecht geht.

    Wenn es in den Bevölkerungsreichen Schwellenländern zu Massenwohlstand wie in Europa kommen soll, und sie haben sich tatsächlich rasant entwickelt, dann müssen wir ihnen zwangsläufig ein Stück nach unten entgegengehen, weil die Resoucen einfach nicht für alle reichen werden.

    Das regelt dann der Markt über die Preise wenn man ihn lässt und nicht manipuliert. Das Zauberwort Globalisierung vernebelt dabei die Tatsache, dass die bisherige Ungleichverteilung des Wohlstands nicht durch Wohlstandsmehrung der armen oder ärmeren Mehrheit (immerhin 80-90 Prozent) der Weltbevölkerung ausgeglichen werden kann, sondern nur durch Umverteilung.

    Der simple Grund ist doch: die Erde wächst nicht mit und wird schon seit Jahrzehnten für das gute Leben der glücklicheren 10 Prozent der Menschheit maximal ausgebeutet. Der Kuchen ist praktisch komplett verteilt in ca. 1 Milliarde große Stücke und 6 Milliarden kleine. Es können sich nicht alle überfressen, höchstens alle gleich hungern.

  3. Franke sagt:

    Das gilt nicht nur für Italien. Das gilt auch für Deutschland. Das sind also schlechte Argumente, um in Deutschland Geld für eine „Rettung“ Italiens locker zu machen!

  4. www.makrointelligenz.blogspot.de sagt:

    Die überlfüssige Sparpolitik in Italien hinterlässt Wirkung. Die Arbeitslosigkeit steigt von 8 auf über 11% während das Defizit anstatt auf geplante 0,5% lediglich auf 2,6% gefallen ist. Italien hat also Einsparungen von cirka 1% des BIPs erreicht und dabei die Arbeitlosigkeit um 3% erhöht, keine gute Bilanz. Besser für das Land wäre dabei eine Politik der finanziellen Repression, was die Sparer natürlich nicht gerne höhen werden. Dabei wird die Nachfrage kaum beeinflusst und eine für die Bevölkerung weniger schmerzhafte Konsolidierung wäre möglich. Mehr dazu hier: http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/warum-zahlt-italien-hohere-zinsen-als.html