Umweltschonend: Bakterien zur Schädlingsbekämpfung

Bakterien könnten in Zukunft helfen, Nutzpflanzen demnächst ohne den Einsatz von Insektiziden vor Schädlingen wie Läusen zu schützen. Grundlage hierfür ist ein komplexes biologisches Prinzip.

Cardinium und Wollbachia heißen die beiden Bakterienstämme, in die alle Hoffnungen des Forschungsteams von Mikrobiologen unter der Leitung von Professor Matthias Horn an der Universität Wien stecken. Zytoplasmatische Inkompatibilität – dahinter ein im Detail sehr komplexer Lösungsansatz. Die Bakterien werden in die nicht angepassten Insekten eingeschleust. Dies hat zur Konsequenz, dass die Nachkommenschaft deutlich reduziert ist. Die stachellose Schlupfwespe Encarsia pergandiella“, kaum einen Millimeter groß und extrem leicht, ist der Wirt des Bakteriums Cardinium hertigii.

Die zytoplasmatischen Inkompatibilität hat zur Folge, dass sich ausschließlich infizierte Weibchen fortpflanzen. Bei der Fortpflanzung von nicht infizierten Insektenweibchen mit infizierten Insektenmännchen könnenkeine Nachkommen gezeugt werden. Die Bakterien, mit denen die Männchen infiziert werden, produzieren Faktoren, die eine normale embryonale Entwicklung der Insekten stören. Dabei sind diese Bakterien weder selten noch exotisch, geschweige denn ein Produkt des Reagenzglases. Zwei Drittel aller weltweit vorhandenen Insekten tragen diese Bakterie in sich.

Diese Bakterien könnten nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt werden, sondern auch zur Bekämpfung von Krankheiten, wie Denguefieber oder Malaria, die von Insekten übertragen werden. Derzeit forschen die Mikrobiologen noch an dem Prinzip. Es werden wohl noch Jahre vergehen, bevor die zytoplasmatische Inkompatibilität vollends entschlüsselt ist und die Ergebnisse markttauglich umgesetzt werden können. Aber der Ansatz verspricht einen für den Menschen und viele Lebewesen deutlich verträglicheren Kampf gegen Schädlinge.

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