Südeuropäische Schattenwirtschaft boomt während der Krise

Steuererhöhungen als Mittel zur Senkung der öffentlichen Schulden tragen massiv zu einem Fortbestand der Schattenwirtschaft im Euroraum. Diese umfasst jährlich etwa 1,5 Billionen Euro. Vor allem in Südeuropa ist die Lage katastrophal.

Die Schulden in den öffentlichen Haushalten Europas sind im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Um die Schulden in den Griff zu bekommen, greifen die Staaten gern zu Steuererhöhungen. Doch dies führt zu einem Ausweichen in die Schattenwirtschaft. Dieser Zusammenhang zeigt sich vor allem in Südeuropa: In den PIGS-Staaten gelten einerseits hohe Mehrwertsteuern: Portugal (23 %), Italien (21 %), Griechenland (23 %), Spanien (21 %). Andererseits verharrt dort die Schattenwirtschaft gegen den internationalen Trend auf hohem Niveau (über 20 %), so eine aktuelle Studie der Johannes Kepler Universität (zur Studie hier). In Italien liegt diese bei 21,6 Prozent des BIPs, aber auch in Portugal (19,4%), Spanien (19,2%) und in Griechenland (24,8%) sind sie deutlich über dem Durchschnittswert für den Euroraum. Dieser liegt Bloomberg zufolge bei 17,3 Prozent, was einem Umfang von 1,5 Billionen Euro pro Jahr entspricht.

Die Ursache für diesen andauernden hohen Umfang der Schattenwirtschaft in Südeuropa liegt auch in der Wirtschaftskrise, „weil die Einkommensverluste aus der offiziellen Wirtschaft durch mehr Schwarzarbeit kompensiert werden“, so die Studie. Erholt sich das jeweilige Land von der Rezession und der auch hohen Steuerbelastung, kommt es demnach in der Regel auch zu einem Rückgang der Schattenwirtschaft. Exrem hohe Steuern, wie sie in Südeuropa zu finden sind,  wirken diesem Wechselverhältnis jedoch entgegen. Um dieser dennoch entgegen zu wirken, sieht die Studie der Johannes Kepler Universität die Politik in der Pflicht. Eine befristete Rückvergütung der Mehrwertsteuer „bei arbeitsintensiveren Dienstleistungen“ und die Einführung steuerlicher Absetzbarkeit von haushaltsnahen Dienstleistungen und Investititionen im Haushalt bis etwa 5.000 Euro pro Haushalt jährlich könnten dazu beitragen. Darüber hinaus wäre aber auch eine Erhöhung der Freigrenze der Arbeitsmöglichkeiten von Sozialhilfe- und Arbeitslosengeldempfängern ein entsprechender Schritt, so die Studie.

Die Troika hat jedoch einen anderen Weg eingeschlagen. Griechenland beispielsweise hat seit vielen Jahren ein Problem mit Korruption und Schwarzarbeit. Die aufgrund der Schuldenkrise und der Bailouts von der Troika auferlegten, diversen Steuererhöhungen bei gleichzeitiger Lohnsenkung sowie Entlassungen spielen entsprechend der Schattenwirtschaft eher zu. So dass hier die Schattenwirtschaft mit 24,8 Prozent gemessen am BIP noch immer die höchste der 21 OECD-Länder ist.

Kommentare

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  1. kravder sagt:

    Habe keine Schulden. Musste aber in die Schattenwirtschaft.

    Von der Politik als Betriebsprüfer bis zum Steuernnehmer missbraucht und meine Freiheiten genommen. Mithin vom Gegner zum Macher befähigt.
    Vergleichbar so, als wie wenn ich auf Geheiß des Staates bei einem Gastwirt wegen Hinterziehungen dessen Tageseinnahmen zu pfänden habe und mich dieser Gastwirt dann aus Dankbarkeit und Sympathie zum Spanferkel essen einladen würde. Weiter noch, von diesem Gastwirt und anderen von mir verfolgten Arbeitgebern auch noch erwarten zu können, mich bei sich als Servicekraft oder dergl. einstellen zu sollen.
    Faktisch so, als wie für diesen Staat/Land (D/DD) Jahre lang dessen Forderungen eintreiben müssen und dann für meine gezeigte Loyalität für den Rest des Lebens in den Arsch getreten zu bekommen. Diese Freiheit habe ich nicht gewollt.

    kravder

  2. Unrechts-Populist Nr.1 sagt:

    Auch die in allen Ländern der €uropäischen Plünderungsunion vorkommende Schattenwirtschaft ist ein wesentlicher Bestandteil der inneren €U-Deppenlogik:
    je höher die Verbrauchs-Steuern für Normalbürger (nicht für „globale Player“)
    umso größer die Schattenwirtschaft.
    Je mehr Schattenwirtschaft umso weniger Real-Wirtschaft und umso weniger „BIP“.
    Je weniger Bip, umso weniger Steuern & umso weniger Beiträge an den €U-Molch.
    Also zahlen wiederum diejenigen, die am meisten gegängelt werden am meisten in diesen €U-Saftladen ein.
    Die Südländer machen es also in ihrem Sinne eigentlich schlau. Aber die sind ja auch souverän und wollen es bleiben.

  3. hugin sagt:

    SCHATTENWIRTSCHAFT WIRD WIETER WACHSEN
    Die Kaufkraft sinkt ständig und die Preise bestehen zu 70% us Steuern und Bankzinsen! Wenn ein Handwerker eine Stunde arbeitet, erhält er einen Nettolohn. Um genau die gleiche Arbeit von einer Firma durchführen zu lassen muss der Handwerker den Nettolohn von 6-7 Stunden aufwenden. Das zeigt, dass dieses System auf Dauer nicht funktionieren kann.

  4. Hans-Peter sagt:

    Kein Land ist so korrupt wie wir:
    http://www.welt.de/wirtschaft/article13924503/Korruption-kostet-Deutschland-250-Milliarden-Euro.html

    Die Redaktion der DMN müsste dies wissen.Aber kritische Berichterstattung findet hier auch nicht mehr statt.Daher die Frage wer diese Seite eigentlich noch lesen soll ausser Denjenigen die sich an der „die Südländer sind böse und wir ganz toll“-Propaganda ergötzen?

  5. www.makrointelligenz.blogspot.de sagt:

    Die vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen führen letztlich zu einer Stützung der Binnenkonjunktur, das ist nicht das, was diese Staaten in der aktuellen Situation brauchen. Spanien, Italien, Griechenland und Co. brauchen Arbeitsplätze in der Exportindustrie damit sie ihre Auslandsverschuldung reduzieren können. Wie diese Förderung zustande kommen könnte, ohne das dafür die Inflation oder Arbeitslosigkeit in den betroffenen Ländern steigen müsste, das wird hier sehr eindrucksvoll dargelegt:
    http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/wie-die-ungleichgewichte-in-der.html

  6. cashca sagt:

    Diese ganzen „Macher der Politik“ schaufeln sich immer mehr ihr eigenes Grab.

    Wer den Bürger so anzapft, das ihm die Existenz wegbricht, der sucht eben Auswege- Umwege, dem ein Schnippchen zu schlagen. Wer kein Geld mehr hat, den Handwerker zu bezahlen, der organisiert das eben anders- Schwarzarbeit- Tauschwirtschaft u. v. a. mehr.
    Fakt ist doch: sind existenzelle Dinge kaputt, müssen sie repariert oder ersetzt werden. Ist der Wasserhan – die Clospülung-das Auto oder was auch sonst kaputt, muß es wieder funktionsfähig gemacht werden.
    Also, hilf dir selbst, dann ist dir geholfen. verlasse sich niemand mehr auf den Staat.
    Dieser wird das angebliche Problem nie in den Griff bekommen, solange er den „Normalo Bürger“ .auszieht bis aufs Hemd, während die Geldeliten nicht wissen, wohin mit dem Reichtum und diesen ausser Landes schaffen- zum Wohle des Staates und der Gemeinschaft.

    • pedrobergerac sagt:

      Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie ruhiger schlafen.

      Würde der Staat, das Volk, wie es ihm eigentlich zustände, sein Geld selber aus der Luft schöpfen, und dieses ungerechtfertigte Monopol nicht den Privatbanken überlassen, hätte der Staat keine Schulden.

      Unser Geldsystem ist darauf ausgerichtet, die Menschen zugunsten der Eliten zu versklaven. Mit dem ESM wurde dieses Versklavungssystem von der BRD auf EU Ebene gehoben.

      Der Euro ist das Instrument dazu. Europa wird gerade in eine Bankendiktatur transferiert.

      Die Politiker fürchten den Zusammenbruch des jetzigen Geldsystems wie der Teufel das Weihwasser. Aus gutem Grund. Ist nämlich erst mal das Geldschöpfungsmonopol von den Privatbanken zum Staat gewandert, bräuchten wir alle keine Steuern mehr zu bezahlen.

      Diese Umstellung auf ein anderes Geldsystem wäre für die Menschheit so enorm wichtig, bedeutet es doch eine Abkehr von Willkürherrschaft, Machtmissbrauch und sinnloser Kriege.
      Wir könnten dann nämlich mit unserem Geld eine wirklich lebenswerte Welt erschaffen.

      Über diese Tatsache traut sich niemand sprechen, schon gar nicht, wenn er ein von Banken abhängiger Politiker ist. Unsere Ökonomen sind damit völlig überfordert. Investoren und Anleger wollen sich weiterhin dem Hütchenspielen hingeben.

      Die Medien, die darüber schweigen, degradieren sich damit zu Lohnschreibern und Pressehuren. Nicht umsonst sind Liz Mohn und Friede Springer die Duzfreundinnen von Angela Merkel.

      Für Unternehmer des Mittelstands sind die Steuern nichts anderes als „Schutzgeldzahlungen“ an die Finanzmafia, welche in Deutschland zweirädrig unterwegs verzweifelt versucht, dieses System mittels Aushebelung des GG zu retten.

  7. Kalle sagt:

    Ich komme gerade aus Irland. Das hier beschriebene trifft dort auch zu. Die Werte in der Statistik halte ich für viel zu niedrig, denn dort läuft bei Handwerkern fast nichts mehr mit Rechnung.
    Bar, ohne Quittung. Inzwischen wird auch Silber teilweise als Zahlungsmittel genommen wie ich selbst getestet habe.(Verrechnungswert 30-40 Euro pro Unze) Steuererhöhungen wirken sich also kontroproduktiv aus und treffen nur die Verbraucher die sich dann beim Konsum noch weiter einschränken müssen.

  8. bate sagt:

    Tja, kein Wunder!!!

    Der größte Steuerbetrug aller Zeiten ist das Einziehen von Steuern, denn wenn die Verräter der Staaten die Geldschöpfung nicht an PRIVATE Banken ausgelagert hätten, könnten sie selbst ihr Geld produzieren, und bräuchten keine Steuern!

  9. Joshui sagt:

    Wenn man sie kennen würde, die Schattenwirtschaft, könnte man sie besteuern, dann wäre es keine mehr. Was soll das Jonglieren mit Prozentzahlen, die keiner überprüfen kann. Wenn ich nen Kaffee schwarz verkaufe und das Geld einfach nirgends deklariere, dann kann es schlicht auch in keiner Statistik erscheinen. Diesbezügliche Statistiken können nur frei erfunden sein. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälsch hast. Aber reden wir doch mal Klartext….. wenn die einkommen immer niedriger werden und die Staatsabgaben immer höher, dann bleibt dem Bürger gar keine andere Wahl mehr, als schwarz zu arbeiten. Von irgendwas muss er ja leben.
    Einfach weiter Steuern erhöhen ist sicher die ungeeignetste aller Lösungen.