Schäuble: Auch die USA müssen Schulden abbauen

Nicht nur Europa müsse seinen Schuldenberg abbauen, auch die USA und Japan seien in der Pflicht, findet Finanzminister Wolfgang Schäuble. Nur so könne nachhaltiges Wachstum entstehen. Die USA machten bisher allein die Euro-Schuldenkrise für das schwächelnden Wachstum der Weltwirtschaft verantwortlich. Wolfgang Schäuble will den Spieß nun umdrehen.

Am Sonntag und Montag findet in Mexiko wieder ein G20-Treffen statt, an dem auch Bundefinanzminister Wolfgang Schäuble teilnehmen wird. Diesmal will er jedoch verhindern, dass sich das Treffen erneut hauptsächlich um die Euro-Schuldenkrise dreht, und versucht, schon im Vorfeld den Blickwinkel auf die Schulden der USA und Japans sowie auf die Wett-Eskapaden der Banken zu wenden. „Auf Schuldenbergen kann kein nachhaltiges Wachstum entstehen”, sagte Schäuble in einem Interview mit Reuters. „Die USA und Japan tragen dabei genauso Verantwortung wie wir Europäer.” Immerhin stünde in den Toronto-Vereinbarungen von 2010, dass sich die Industrieländer verpflichten, bis 2013 ihre Defizite zu halbieren und bis 2016 ihren Schuldenstand zu stabilisieren. „Daran müssen wir uns messen lassen”, so Schäuble.

In den Monaten vor der Wahl hatte Barack Obama sich nicht davor gescheut, immer wieder die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten der USA als Folge der europäischen Schuldenkrise darzustellen. Schlechte Arbeitsmarktdaten und ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum drohten und drohen noch immer, ihn die Präsidentschaft zu kosten. So dass er regelmäßig die Europäer zum Schwarzen Peter machte. Selbst bezüglich Griechenlands Schicksal (hier) und der EU-Gipfelbeschlüsse versuchte er, Einfluss zu nehmen (hier).

Doch Wolfgang Schäuble will die Probleme in Europa nicht ganz vom G20-Tagesplan nehmen. So sagte er im Interview, er wolle beim G20-Treffen seine Vorstellungen erläutern, wie Europa langfristig zusammenwachsen solle. In Griechenland arbeite man noch immer daran, die Glaubwürdigkeit durch Reform- und Sparzusagen zurückzugewinnen (wenngleich die Koalition in Griechenland darüber zu platzen droht – hier). Spanien befinde sich jedoch auf einem guten Weg, so Schäuble. Insofern besteht für Wolfgang Schäuble auch offenbar keine Notwendigkeit, die Einführung Bankenaufsicht so schnell wie möglich voranzutreiben. „Qualität geht eindeutig vor Schnelligkeit”, wiederholte er die Worte Angela Merkels.

Ein weiterer Punkt auf der G20-Agenda sind geplante Finanzmarktreformen. Dabei gehe es Schäuble zufolge um Vorgaben für national systemrelevante Banken (davon ist vor allem die Deutsche Bank betroffen – hier). Aber auch die Regulierung von Schattenbanken und Geldmarktfonds solle weiter vorangetrieben werden.

Kommentare

Dieser Artikel hat 15 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Nostradamus sagt:

    Auch Deutschland muß Schulden abbauen … Herr Schäuble ….

    die 2 Billionen zahlen sich nicht alleine mit Neuverschuldung zurück !

    Und das Steuerkässlein sprudelt doch so schön ! 600 Milliarden Steuereinnahmen

    JUHUUUU !

    Da freuen wir uns doch !

  2. Delta120 sagt:

    Es reicht Herr Schäuble wenn sie sich auf Deutschland und auf ihre heiß geliebte Eurozone konzentrieren.
    Mögen dort die virtuellen Schulden wachsen, hier wachsen die realen Arbeitslosen!

  3. tomorrow sagt:

    Wenn sich Schäuble als jemand ganz großartiger Europäer inszeniert hat, dann kann er logischerweise nichts dagegen sagen, wenn die gesamte miserable Weltwirtschaft plötzlich den Europaländern zugesprochen wird. Obwohl die Ursache des Dilemmas in den USA liegt. Die Wirklichkeit wird in solcher Geschwindigkeit ins Gegenteil verkehrt, dass die Geschichtsschreiber kaum noch hinterher kommen.

    Die Lüge wird über die Wahrheit siegen. Das ist das erklärte Ziel.
    Jeder wird das glauben müssen.

  4. Stefan Wehmeier sagt:

    Die Geldvermögen der wenigen Reichen und Superreichen wachsen durch Zins und Zinseszins exponentiell und erzeugen auf der Kehrseite der Medaille eine (fast) spiegelbildliche Verschuldung von Mittelstand und Staat. Kann die mittelständische Privatwirtschaft keine weiteren Schulden mehr aufnehmen, muss sich der Staat weiter verschulden, um den Geldkreislauf aufrecht zu erhalten. Es gibt also in einer Zinsgeld-Ökonomie keine Möglichkeit, die Verschuldung jemals abzubauen – es sei denn, durch einen Krieg! Dazu ein Zitat aus der Zeitschrift des Sparkassenverbandes von 1891:

    „Die Ursache für das Sinken des Zinsfußes wird vorzüglich darin gefunden, daß die besonders rentablen Kapitalanlagen großen Maßstabes heute erschöpft sind und nur Unternehmungen von geringer Ergiebigkeit übrig bleiben. …Nur ein allgemeiner europäischer Krieg könnte dieser Entwicklung Halt gebieten durch die ungeheure Kapitalzerstörung, welche er bedeutet.“

    Bekanntlich gab es danach zwei „allgemeine europäische Kriege“, die sich sogar weltweit ausdehnen ließen, um soviel Sachkapital zu zerstören, dass der globale Zinsfuß wieder auf eine für den Kapitalismus lukrative Höhe angehoben und somit wieder neues Zinsgeld in neue Sachkapitalien investiert werden konnte. Dieses sinnlose Spiel von Zerstörung und Wiederaufbau betreibt die Menschheit schon solange, wie sie Zinsgeld (anfangs Edelmetallgeld) benutzt und es ein privates Bodeneigentumsrecht gibt. Wird über einige Jahrzehnte, solange die Volkswirtschaft noch wachsen kann, an der Vermehrung von Sachkapitalien (Häuser, Fabriken, etc.) gearbeitet, sinkt aufgrund marktwirtschaftlicher Konkurrenz der Kapitalmarktzins, was an sich positiv ist, weil dadurch die Arbeitslöhne steigen. Weil aber ein a priori fehlerhaftes Geld mit parasitärer – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden – Wertaufbewahrungsfunktion (Zinsgeld) nur gegen eine Liquiditätsverzichtsprämie (Urzins) mittel- bis langfristig verliehen und somit in Sachkapital investiert werden kann, aus dem jegliche Wertschöpfung und auch der Urzins erarbeitet werden, wird nicht mehr investiert, sondern nur noch spekuliert, wenn der Zinsfuß auf die Liquiditätspräferenzgrenze von etwa 3 Prozent absinkt (der Anstieg des Zinsfußes etwa in Griechenland ist allein auf einen überproportionalen Anstieg der Risikoprämie zurückzuführen, während die Liquiditätsverzichtsprämie weiterhin sinkt). Dann kommt es zu der von Keynes beschriebenen Liquiditätsfalle – und am Ende zur globalen Liquiditätsfalle! Die Heilige Schrift bezeichnet dieses Ereignis als „Armageddon“.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

    • hagen von biesenthal sagt:

      also, stephan, das haste ja gut geschrieben. wenn dem so ist, warum steht niemand auf und erklärt der zinsknechtschaft endlich einmal das ende dieser art von versklavung. der anfang wurde einmal gemacht, indem der bank das „eigenkapital“ vom kto. genommen wurde….leider nur mit wenigen kto-inhabern.
      hier könnte doch unsere bundeskanzlerin einmal klartext reden und die wahrheit ihren wählern einmal nahe bringen, bevor die londoner bank wieder einmal beide seiten finanziert (nachlesbar in „das ungeheuer von yakil island“). hier sind sich alle einig, einschließlich der falschspieler steinbrück, merkel, genscher usw., weil sie wissen, dieses system auszuhebeln würde einen neuen weltkrieg auslösen, denn sie kennen die wahren strippenzieher…
      doch welcher hohn spricht aus der zeitschrift vom sparkassenverband..“ungeheure kapitalzerstörung“… von welchem kapital wird hier gesprochen?? vom buchkapital, wie 2012. billionen auch nur auf dem pc. was passiert, wenn der pc keinen strom mehr hat, dreht sich die welt dann nicht mehr? fällt der mond auf die erde? geht der bauer nicht mehr in seinen stall, oder was? seit 2000 jahren ist dieses system installiert worden. selbst ramses hat sich vom geldverleiher schon finanzieren lassen, weil es am anfang irgendwie logisch klingt, dass der verleiher ein risiko eingeht..
      das ganze verlogene system muss endlich das stigma erhalten, wozu es installiert wurde, versklavung, rennen im hamsterrad…. na, dann mal wieder los…

      • Stefan Wehmeier sagt:

        Die Lösung der Sozialen Frage ist heute in rein technischer Hinsicht (für den, der es schon weiß) relativ einfach. Die Schwierigkeit (für alle, die es noch nicht wissen oder wissen wollen) besteht allein in der Überwindung einer künstlichen Programmierung des kollektiv Unbewussten (selektive geistige Blindheit gegenüber makroökonomischen Konstruktionsfehlern), die vor Urzeiten erforderlich war, um den Kulturmenschen im wahrsten Sinn des Wortes „wahnsinnig genug“ für die Geldbenutzung zu machen, lange bevor diese seitdem grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung wissenschaftlich erforscht war. Anderenfalls hätte das, was wir heute „moderne Zivilisation“ nennen, gar nicht erst entstehen können. Denn kein vernünftiger (nicht programmierter) Mensch wäre dazu bereit, in einer a priori fehlerhaften Marktwirtschaft zu arbeiten, wenn er weiß, dass ein nachhaltiges Wirtschaften unmöglich und der nächste Krieg – zwecks umfassender Sachkapitalzerstörung, um den Zinsfuß hochzuhalten – unvermeidlich ist. Doch der Krieg konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab!

        Die gegenwärtige „Finanzkrise“ ist keine gewöhnliche Konjunkturschwankung, sondern führt entweder zurück in die Steinzeit oder – was wahrscheinlicher ist – zum eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation. Dazu muss die reale Angst vor der bevorstehenden, größten anzunehmenden Katastrophe der Weltkulturgeschichte (globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch Armageddon) insgesamt größer werden als die seit Urzeiten eingebildete Angst vor dem „Verlust“ der Religion:

        http://www.swupload.com//data/3-Verwandlungen.pdf

        Weil die Natürliche Wirtschaftsordnung die „hohe Politik“ überflüssig macht, verfügt sie nicht einmal ansatzweise über die Kompetenz, eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform praktisch durchzuführen, ohne dabei eine Katastrophe in der Katastrophe auszulösen.

  5. Werner sagt:

    Anstatt auf die USA zu schauen sollte dieser Politik-Kasper lieber vor seinem eigenen Schulden-Haufen kehren .

    mfg. Werner

  6. Pedro sagt:

    „Spanien befinde sich auf einem guten Weg…“
    350’000 tausend Zwangsräumungen von Häusern und Wohnungen, einer der sich, als die Polizei die Räumung vollstrecken wollte, bereits aufgehängt hatte, ein anderer, der sich aus dem Fenster stürzte, weil er keinen Ausweg mehr fand…das soll der gute Weg der Spanier sein?! Ein Zyniker wird solche Begebenheiten wohl als „Kollateralschäden“ bezeichnen.

  7. Der Monetarian sagt:

    Schuldenabbau – ein Wort, welches häufig zu lesen ist. Was viele nicht wissen, und offensichtlich Herr Schäuble auch nicht. Geld entsteht durch Verschuldung. Wenn man nun Schulden abbaut, Schulden tilgt, dann verschwindet auch die durch die Verschuldung entstandene Geldmenge. Würden sämtliche Schulden getilgt werden, wäre folglich auch kein Geld mehr da. Die Wirtschaft käme zum Erliegen, weil niemand mehr Geld hätte. Zudem, die komplette Schuld inklusive der Zinsen kann niemals vollständig getilgt werden, weil das Geld für die Zinsen letztlich nie entstanden ist. Es wurde und wird ja nicht mit dem Kredit mitverliehen. Daraus folgt: Die Rückzahlung sämtlicher Schulden ist weder möglich, noch gewünscht. Es geht auch gar nicht um die Schulden i.e.S. Es geht um die Zinsen. Die treiben die Schuldner (insb. den Staat) immer tiefer in die Schuldenfalle. Systematisch und systembedingt. Und je tiefer der Schuldner in der Schuldenfalle sitzt, desto mehr raubt man ihn aus. Schulden müssen gedeckt sein. Durch Sicherheiten. Durch reale Werte. Kann der Schuldner seine Kredite nicht mehr bedienen, nimmt man ihm das, was er als Sicherheiten hinterlegen musste. Letztlich geht es nie ums Geld. Es geht immer um Macht und Besitz. Geld ist nur Mittel zum Zweck. Sozusagen das Transportmittel. Der Treibstoff, der das Ganze antreibt, ist der Zins.

    • mike sagt:

      Meiner Meinung nach wird der Kampf gegen den Terror tatsächlich gegen den Islam geführt, da dort der Zinseszins verboten ist. Diese Religion ist weit genug verbreitet und es steht genug Macht dahinter die der Globalen Zinsversklavung gefährlich werden könnte.

      Derjenige der den höchsten Zinssatz erhält, auch wenn er nur 0.00001% höher liegt als alle anderen wird auf längere Sicht zum Alleinherrscher des Universums – rein Mathematisch gesehen. Außerdem führt das exponentiell wachsende Zinsgeld auch zu einem immer schnellerem Voranschreiten der Situation. Wie wir aus der Schule kennen (e^x)’=e^x

      • nicht von Bedeutung sagt:

        Ich stimme inhaltlich völlig zu, nur:
        leider verstehen eben viele die e-Funktion halt doch nicht wirklich und lernen in der Schule nur schematisch immer gleichartige Aufgaben abzuarbeiten, statt mathematisch zu denken, sonst hätte es dieses Schwachsinns-Zinseszins so nie gegeben, weil jedem klar würde, dass das nur was für soziopathische Zocker ist.

  8. Franke sagt:

    Da soll doch erst einmal Deutschland mit dem Schuldenabbau anfangen und nicht immer nur über andere reden. Deutschland schafft das doch auch nicht, obwohl die Einnahmen immens ansteigen. Und dieser Herr Schäuble wäre sogar in der richtigen Verantwortung, um das zu tun. Aber es ist nun mal immer einfacher, auf andere zu zeigen als selbst beispielhaft voranzugehen. Deutschlands Politiker reden seit vielen Jahren vom Sparen, machen auch Gesetze zum Sparen, wirklich gespart aber wurde bis jetzt kein einziger Euro. Es wurden immer nur neue Schulden gemacht!

  9. whisky sagt:

    Wenn auch die USA sparen wie die Griechen und die Spanier, dann wird alles gut.
    Dann ist die Weltwirtschaftskrise endgültig da.
    IWF-Prognose bisher: 1% Senkung der Staatsausgaben = Sinken des BIP um 0,5%,
    nach neuer Prognose: Sinken des BIP zwischen 0,9% und 1,7%.
    NZZ: „Beträgt der fiskalische Multiplikator nicht wie bisher verwendet 0,5 – das heisst, bei einer Kürzung der Staatsausgaben um 1% fällt das Bruttoinlandprodukt um 0,5% –, sondern bewegt er sich in Wahrheit in einer Bandbreite von 0,9 bis 1,7, dann rücken Austeritätsprogramme in ein neues Licht: Bei einem Multiplikator von über 1 wird Austerität zur falschen Medizin, denn die Wirtschaft schrumpft rascher als der Staatshaushalt, und die Schuldenproblematik verschärft sich.“
    http://www.nzz.ch/finanzen/uebersicht/boersen_und_maerkte/austeritaetspolitik-in-neuem-licht-1.17681807

    • NickFury sagt:

      Was soll denn die Alternative sein, wenn bereits jetzt ein erheblicher Teil der Staatsausgaben auf Schulden beruht? Noch mehr Schulden? Oder woher sonst soll das Geld kommen, um *nicht* zu sparen?