Gummi-Recycling: Qualitätsware aus alten Autoreifen

Mit einem neuartigen Materialmix, hergestellt aus Gummiresten, könnten künftig auch qualitativ hochwertige Waren aus Gummi hergestellt werden. Bislang wurden die Reste entsorgt oder zu minderwertigen Produkten zu verarbeitet.

Bisher wurden Gummireste entsorgt oder zu minderwertigen Produkten verarbeitet. EPMT (Elastomerpulvermodifizierte Thermoplaste) nennt sich das Material, mit dessen Hilfe künftig auch große Mengen an Altgummi und Gummiabfällen wiederverwertet und für die Herstellung von hochwertigen Gummiprodukten genutzt werden können. Dank der neuen Verfahrenstechnik können jetzt aus alten Autoreifen auch komplexe Produkte wie Rad- und Spritzschutzkappen, Griffe und Transportrollen aus dem alten Gummimüll hergestellt werden.

Entwickelt wurde diese Methode des Gummirecyclings von Wissenschaftlern des Frauenhofer-Instituts für Umwelt- Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen. „EPMT kann bis zu 80 Prozent Gummireste enthalten,” so Dr. Holger Wack über das von ihm geleitete Projekt. Damit ist EMPT nicht nur umweltfreundlicher als die Herstellung von Neuware. Mit der Verarbeitung von Abfällen und Gummiresten können auch Materialkosten eingespart werden. Bislang wurde das wiederverwertete Gummimaterial nur als Belag für Sport- und Spielstätten verwendet oder als Fußmatten in jedem Auto.

In dem neuen Herstellungsprozess wird das alte Rohmaterial zunächst granuliert und anschließend mit Flüssigstickstoff stark abgekühlt. Anschließend lässt sich der Stoff dann in einem weiteren Mahlprozess zu feinem Gummipulver verarbeiten. Erst im Schmelzprozess werden die Zusatzstoffe beigemischt, die die Qualität des neuen Gummimaterials erhöhen sollen. „Als Thermoplast verwenden wir hier beispielsweise Polypropylen“, erläutert Holger Wack, Wissenschaftler am Fraunhofer UMSICHT-Institut.

Derzeit sind die Forscher in der Lage, stündlich zwischen 100 und 350 Kilogramm des Werkstoffs in der eigens dafür gegründeten Ruhr Compounds GmbH herzustellen. Doch das Angebot des Frauenhofer Spin-Offs geht über die bloße Herstellung hinaus. „Wir ermitteln, welche Materialien des Kunden sich durch EPMT ersetzen lassen”, erläutert Wack die kommenden Aufgaben seines Teams. Desweiteren zählen die Entwicklung von kundenspezifischen Materialrezepturen und die Einstellung der Herstellungsanlagen von Kunden zum Angebot der Ruhr Compounds GmbH.

Für Unternehmen liegen die Vorteile der Nutzung von EPMT vor allem in der Möglichkeit, Produktionskreisläufe zu schließen und durch die Wiederverwertung von Abfällen Kosten zu sparen.

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  1. David sagt:

    Ich habe mich schon immer gefragt, wann die Gesellschaft fähig ist, alte Gummireifen zu recyceln. Als Kind, dass auf dem Land aufgewachsen ist, kenne ich die Probleme mit alten Autoreifen nur zu gut. Ich bin froh das es also nicht nur im Bereich der Technologie, sondern auch im Bereich der industriellen Produktionvoran geht. Auf jeden Fall ein Pluspunkt für die Zukunft unserer Kinder!