Spanien will staatliche Immobilien veräußern

Um seine Schulden bedienen zu können, will die Regierung in Madrid nun zahlreiche Gebäude verkaufen, unter anderem ein Schloss im Zentrum der Hauptstadt. Damit folgt Spanien dem griechischen Beispiel. Allerdings ist es in Athen bei Ankündigungen geblieben.

Die spanische Regierung erwägt derzeit unter anderem den Verkauf eines kleinen, 100 Jahre alten Schlosses im Herzen des Madrider Geschäftsviertels. Castellana 19 wurde von Architekten wie Miguel de Olabarria, der auch an der Almudeno-Kathedrale in Madrid mitwirkte, entworfen und 1903 gebaut. 2010 hatte das Gebäude einen Wert von 28,7 Millionen Euro.

Doch bei Castellana 19 soll es nicht bleiben. Insgesamt plane die Regierung, 100 erstklassige Immobilien bis 2016 zu privatisieren, sagte eine ungenannte Quelle Bloomberg. Vor allem in Madrid sollen entsprechende Immobilien verkauft oder mindestens bis zu 30 Jahre vermietet werden. Die Regierung plane aber nicht, die Immobilien zu verkaufen und sie selbst vom neuen Eigentümer wieder anzumieten, so die Quelle. Ein anderer kleiner Palast, der sich im Besitz des Wirtschafts-und Finanzministerium befindet und denkmalgeschützt ist, soll beispielsweise verpachtet werden.

Mit dem Verkauf und der Vermietung staatlichen Eigentums versucht die spanische Regierung, wieder an Kapital zu kommen und einen möglichen Antrag auf einen neuen Bailout hinauszuzögern (hier). Einer Studie von Aguirre Newman von 2010 zufolge befinden sich etwa 40.000 Immobilien allein in der Provinz Madrid im Staatsbesitz. Gebäude von staatlichen Polizeistationen, Finanzämter und Museen des Kulturministeriums sind dabei noch nicht einmal mit eingerechnet. Wenn der Staat die 777.000 ungenutzten Quadratmeter sanieren und verkaufen würde, könnte er etwa 2,87 Milliarden Euro damit einnehmen, so die Studie.

Allerdings muss ein solcher Verkauf erst einmal gelingen. Griechenland sollte im Zuge des Sparpakets bis 2015 mit der Privatisierung von staatlichen Immobilien 50 Milliarden Euro einnehmen. Daran ist die griechische Regierung vor und nun mit Antonis Samaras bisher aber kläglich gescheitert. Bis dato wurden lediglich Privatisierungen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro erreicht. Das Problem hierbei ist auch, dass die Unsicherheit über Griechenlands Lage die Nachfrage nach diesen Immobilien deutlich gesenkt hat.

Aber auch in Italien versucht die Regierung seit geraumer Zeit, die Staatskassen mit ihrem Immobilienbesitz aufzubessern (hier). Seit 2010 ist der Verkauf von Immobilien im Staatsbesitz in Europa von 1,1 auf 2,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gestiegen, so das Immobilienberatungsunternehmen CBRE Group. Privatisierungen in Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Russland, Großbritannien und Frankreich machten allerdings 75 Prozent davon aus. Selbst in Japan versucht derzeit eine Stadt, ihre Kassen aufzubessern, indem sie Leasing-Verträge anbietet – so kann etwa der Name dieser Stadt mit den entsprechenden Finanzmitteln von einem Investor geändert werden.

Kommentare

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  1. eudomi sagt:

    Spanien will ausserdem seinem angeschlagenen Immobilienmarkt neuen Schwung geben. Als Hebel dafür soll eine Aufenthaltserlaubnis für Nicht-EU-Bürger dienen die Immobilien im Wert ab 250.000€ kaufen. Wir von http://www.eudomi.de erwarten eine erhoehte Nachfrage nach reduzierten Immobilienobjekten.

  2. wolfbier sagt:

    Man sollte auch dem Elefanten-Killer Juan Carlos und seinen überflüssigen Hofschranzen die Apanagen kürzen.
    Auch sollte der bankrotte Staat dem windigen König keine Auslandsreisen finanzieren, die für Liebes-Techtel-Mechtel mit einer deutschen Prinzessin genutzt werden.
    Der Mann hat überhaupt keine Manieren und keinen Common Sense.

  3. hugin sagt:

    VERKAUF VON STAATSEIGENTUM (VOLKSVERMÖGEN)
    In Österreich wird das seit langem getätigt. Unter dem Namen „Cross Border Leasing“
    wurden alle Donaukraftwerke, Teile des wiener Kanalnetzes, Bundesbahn und vieles andere an amerikanische „Investoren“ abgegeben. Die Verträge sind bis zu 1.000 Seiten stark, in Englisch und Gerichtsstand ist Newyork ! Die Politiker haben diese Vertäge sicher nicht gelesen und schon gar nicht verstanden. Die Bevölkerung wird nicht informiert. Als Politgag hat Vizekanzler Spindelegger die Bundesbahn Frank Stronach zum Kauf angeboten, welche bereits seit Jahren an „Investoren“ abgegeben wurden. Sowird das Volk zum Narren gehalten und von brennenden Problemen abgelenkt. Auch in der BRD ist garantiert die gleiche Vorgangsweise.

    • wolfbier sagt:

      Das Gleiche haben wir schon seit vielen Jahren in Deutschland auch, und zwar lange vor den Österreichern und in ganz anderen Größenordnungen.

  4. akü sagt:

    Bürgermeister räumt Bank-Konto und stoppt Zwangsräumungen

    Manchmal sind freundliche Aufforderungen ganz falsch! Insbesondere bei Bankern kommt man nur weiter, wenn man konsequenten Druck ausübt. Wie gut das allerdings funktioniert, hat gestern der Bürgermeister von Santa Cruz de Tenerife bewiesen. Er räumte kurzerhand die 1,5 Millionen Euro Gemeindegelder vom Bankia-Konto komplett ab, weil sich die Bank geweigert hatte, über Zwangsräumungen zu verhandeln. Plötzlich waren die Banker sofort bereit, sich mit der Sachlage zu befassen.
    http://uhupardo.wordpress.com/2012/11/10/burgermeister-raumt-bank-konto-und-stoppt-zwangsraumungen/

  5. Tommy Rasmussen sagt:

    10.11.2012 – Der Bürgermeister von Santa Cruz de Tenerife räumte kurzerhand 1,5 Millionen Euro Gemeindegelder vom Bankia-Konto komplett ab, weil sich die Bank geweigert hatte, über Zwangsräumungen zu verhandeln. Plötzlich waren die Banker sofort bereit, alle in Verhandlung befindlichen Zwangsräumungen in der Hauptstadt Teneriffas sofort auszubremsen und vorerst auszusetzen.
    http://uhupardo.wordpress.com/2012/11/10/burgermeister-raumt-bank-konto-und-stoppt-zwangsraumungen/

  6. malocher: sagt:

    Durch die Krisen wird jetzt nach und nach das ganze Tafelsilber veräußert.
    Bei uns in Deutschland sind durch die BRD Finanzargentur und deren
    Geschäftsführerin Merkel alleine 2012 uber 200 Betriebe an ausländische
    Investoren verscherbelt worden.

  7. Agusta sagt:

    …schönes Foto…voll mit Chemtrails…