Europäische Auto-Industrie wird nie wieder zu alter Stärke gelangen

Die Produktionskapazitäten der europäischen Autohersteller werden schrumpfen - und zwar auf Dauer. Dadurch wird sich der Industriestandort Europa deutlich verändern.

In Europa sind derzeit 15 Automobilwerke so schwach ausgelastet, dass die Hersteller sie auf den Prüfstand stellen müssen, so der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC). Die Auslastung in den 15 Werken mit Produktionskapazitäten von über 100.000 Einheiten pro Jahr liegt momentan bei nur circa 50 Prozent. Als untere Profitabilitätsgrenze für Automobilwerke gilt eine Auslastung um 75 Prozent. Um die europaweiten Überkapazitäten abzubauen, seien Werksschließungen unausweichlich, sagt Felix Kuhnert, Leiter des Automobilbereichs bei PwC.

Die Rekordzahlen aus dem Jahr 2007 mit 16 Millionen Neuzulassungen scheinen für die europäische Automobilbranche vorerst unerreichbar. Mit 12,5 Millionen neu zugelassenen Fahrzeugen wird die Autoindustrie im Jahr 2012 voraussichtlich den Tiefpunkt markieren, auch die Zahlen für das Jahr 2013 werden schwach ausfallen. Erst 2014 dürfen die Automobilbauer wieder mit einem moderaten Wachstum auf 13,1 Millionen Neuzulassungen rechnen. Diese Vorhersagen decken sich zum Teil mit Vorhersagen der Wirtschaftsweisen.

Ursache für die schwachen Absatz- und Produktionszahlen der europäischen Automobilindustrie sind unter anderem die Schuldenkrise in Europa und die Verlagerung der Produktion in die Emerging Markets. Denn anders als in Europa wird die weltweite Automobilproduktion von 79,1 Millionen Einheiten im Jahr 2012 auf 83,9 Millionen Einheiten im Jahr 2013 steigen, so die PwC-Prognose. Die Verschiebung der Produktion aus Europa in andere Teile der Welt setzt eine jahrzehntelange Entwicklung fort. Noch im Jahr 1995 kamen 32 Prozent der weltweit produzierten Autos aus der Europäischen Union, im Jahr 2011 waren es nur noch 22 Prozent. Dieser Trend wird den Standort Europa deutlich und auf Dauer verändern.

Zu kämpfen haben in Europa vor allem die großen Hersteller. Deutschlands Autobauer profitieren noch von der Nachfrage nach ihren Fahrzeugen auf Märkten außerhalb der Europäischen Union. Vor allem das Premiumsegment läuft gut. Außerdem ist die Produktivität in Deutschlands Automobilwerken in den vergangenen Jahren stärker gestiegen ist als in anderen europäischen Ländern. „Die deutschen Automobilwerke stehen mit einer Auslastung von durchschnittlich 85 Prozent gut da“, sagt Felix Kuhnert.

Kommentare

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  1. otto f. krammer sagt:

    Wenn man in einem chin Portal „e-car“ als Suchkriterium eingibt , erhält man
    3,468 Product(s) from 165 Herstellern.
    Selbst USA-Erzeugnisse firmieren dabei und die Chinesen haben eine riesige Auswahl an E-Cars, aller Kategorien, nur etwas deutsches findet sich dort nicht und das ist ein Zeichen, dass es sowas eben nicht gibt. Merkel hat offenbar mit ihrem Physikdiplom nicht gelernt, was ein E-Car ist.
    http://www.alibaba.com/trade/search?fsb=y&IndexArea=product_en&CatId=&SearchText=+e-car
    Auch sind Preise in US-Dollar angegeben, also zum Kurs von derzeit 1,27$/€
    Wenn sich das mehrere Personen zusammentun, können solche Vehikel importiert werden.