Mißtrauen: Schäuble will Gutachten über Lage Frankreichs

In Frankreich droht auch im vierten Quartal ein Abschwung. Alle Indikatoren zeigen nach unten. Nun will Wolfgang Schäuble die Franzosen kontrollieren - vorerst nur mit einem Gutachten.

Die französische Notenbank hat am Freitag gewarnt, Frankreichs Wirtschaft können auch im vierten Quartal schrumpfen. Damit würde das Land technisch in die Rezession gleiten. Die Industrieproduktion ist im September im Monatsvergleich um 2,7 Prozent gefallen. Präsident Francois Hollande hat bisher kaum Maßnahmen zu Veränderung der Lage unternommen. Neueste Umfragen zeigen, dass mehr als die Hälfte den Präsidenten für zu passiv hält.

Das Lavieren bereitet auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Sorgen. Aber anders als Hollande möchte Schäuble Taten sehen. Hinter vorgehaltener Hand wird in Berlin seit langem die Passivität der Franzosen beklagt. Nun soll Schäuble nach Informationen der Nachrichtenagntur Reuters den fünf deutschen Wirtschaftsweisen vorgeschlagen haben, ein Gutachten mit „Reformvorschlägen“ für das Nachbarland zu erstellen.

Zwar hat Schäuble ein solches Gutachten noch nicht Auftrag gegeben, sondern nur „angeregt“. Doch schon die Idee zeigt: Frankreich könnte schon bald wie Griechenland und Spanien unter eine stärkere Kontrolle der EU geraten, um seinen Haushalt nach europäischen Vorstellungen zu sanieren. Für die deutsche Wirtschaft wäre eine nachhaltige Krise in Frankreich die größtmögliche Herausforderung (mehr hier). Vor allem ist der ESM bei weitem nicht in der Lage, einen französischen Bailout zu stemmen. Die Notwendigkeit eines solchen ist wegen der akuten Probleme in Spanien bisher etwas aus dem Blick geraten, Beobachter halten Frankreich jedoch für besonders gefährdet.

Deutschland will hier eine führende Rolle spielen und hat am Freitag einen moderaten Haushalt beschlossen, bei dem die Staatsverschuldung um 9 Prozent gedrückt werden soll. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, will die Bundesregierung die Schuldenbremse drei Jahre früher und nicht erst 2016 erreichen.

Kommentare

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  1. böse falle sagt:

    es ist immer leicht alle über einen kamm zu scheren und von oben nach unten zu treten… in einem land indem arbeitsplätze rar sind und viele arbeitsverträge so aussehen das man ein viertel der arbeitszeit der leihfirma schenkt hat man keine optionen…. entweder man bleibt in transferleistungen und arm oder man lässt sich versklaven und bleibt arm… wenn armut die einzige option ist, wählt man den weg der angenehmen armut.

    und niemand lebt gerne von transferleistungen… noch dazu sind diese nicht umfassend genug ein schönes leben zu führen, auch wenn medien gern dieses bild vermitteln.

    und sie melden sich dann als erstes zur unterbezahlten zwangsarbeit oder wie?

  2. wolfbier sagt:

    Ich glaube, wir sollten einmal ein Gutachten über unseren Schuldenwart und seine Chefin machen lassen.

  3. leopoldt sagt:

    Ich liefere hier keinen Kommentar zum Thema Frankreich sondern

    * weise auf eine englische Informationsquelle hin, die ich zu Euro und Europa gerne lese:

    http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/
    Es handelt sich um die Online-Version des (ur)alten Daily Telegraph. Dessen Einstellung ist wikipedia-bekannt euroskeptisch, sein Stil ist gepflegt und die Sprache englisch klar.

    * suche ich Folgendes: Nach meiner Erinnerung tat Merkel zu Beginn der Griechenlandkrise als Bundeskanzlerin folgende oder eine ähnliche Äußerung: ‚Die Griechen sollen sich selbst helfen.‘ Für meine Unterlagen suche ich einen Link dazu, finde aber nichts in Google. Das liegt hoffentlich nur an meiner Unfindigkeit. Kann mir jemand helfen?

  4. Einweckglas sagt:

    Man zeige mir mal einen wirklichen Europaeer, wenn es an den eigenen Geldbeutel gehen soll. Die Franzosen sind keine, die Italiener sind keine, und so manch anderes Land sieht ebenfalls nur dessen Vorteile. Daher gilt auch, was schon immer galt: Laender haben keine Freunde, sondern Interessen. Das wuerde auch Deutschland mal wieder gut zu Gesicht stehen.

    In puncto Europa moechte ich mal auf einen Punkt hinweisen, der genau MEINEN Interessen als EUROPAER entspricht: Habe 10 Jahre in Deutschland gearbeitet, 4 Jahre in England und nun bereits 3 Jahre in Spanien. Habe Ueberall fleissig in die Sozialkassen eingezahlt und freue mich ueber das Europa, welches jene Anwartschaften zwar in jahre zwar anerkennt, doch ob ich anteilig aus den unterschiedlichen Laendern jemals auch monetaer etwas bekommen werde, dass richtet sich nach Laenderrecht. Bedeutet 10 Jahre Deutschland…ja…da soll ich lt. Bescheid wohl mit 67 einen Kleinstbetrag bekommen, 4 Jahre England? Voraussetzung fuer die „basic state pension“ sind eingezahlte Beitraege von 30 Jahren, 3 Jahre Spanien? …na…hier aendert man es gerade von minimum 15 Jahre auf 25 Jahre, bedeutet, dass ich, sofern es hier dann noch eine rente gibt, hier eventuell einen Anspruch auf die hier generell niedrigen Rente erlangen koennte.
    Soviel zu Europa…. am Ende wird sich meine Flexibilitaet als grober Fehler herausstellen, ebenso wie die heutige Europa-Idee allgemein.

  5. Mitleser sagt:

    Und der deutsche Michel macht auf ‚Europa‘ und wird hintenrum abkassiert. Jedem das Seine!