Sozialverband: Hürden für Zuschussrente zu hoch

Die von der Bundesregierung angekündigte Zuschussrente ist nach Ansicht des Sozialverbandes realitätsfremd. Es gäbe zu hohe Hürden, die ein Geringverdiener praktisch nicht überspringen kann.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Position vertritt der SoVD bezüglich des Plan der Regierung, die Renten für ärmere Haushalte aufzustocken?

Adolf Bauer:Das Ziel, die wachsende Gefahr der Altersarmut zu bekämpfen, ist richtig. Allerdings ist mit dem jetzt beschlossenen Vorhaben von Schwarz-Gelb nichts gewonnen. Denn die Hürden für die Inanspruchnahme der sogenannten Lebensleistungsrente sind viel zu hoch. 40 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung und dazu eine zusätzliche private Altersvorsorge als Voraussetzung – das geht an der Lebensrealität der betroffenen Menschen vorbei.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten:  Ist die Höhe der Aufstockung angemessen?

Adolf Bauer: Über die genaue Höhe der Rente streitet die Koalition seit einer Woche. Insofern bleibt abzuwarten, um welchen Betrag es am Ende geht. Fest steht aber schon heute, dass die bisher bekannten 10 oder 15 Euro über der Grundsicherung nach 40 Arbeitsjahren den Namen ‚Lebensleistungsrente‘ nicht verdienen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Präferieren Sie die Lebensleistungs- oder die Zuschussrente?

Adolf Bauer: Der Sozialverband Deutschland warnt seit Jahren vor dem Problem der Altersarmut. Wir waren von Beginn an in den Rentendialog der Bundesregierung eingebunden und haben neben unseren Forderungen auch konkrete Vorschläge auf den Tisch gelegt. Aus unserer Sicht müssen sich Rentenbeiträge auch für Kleinstrentner rechnen. Dafür sind Rentenfreibeträge in der Grundsicherung erforderlich. Unser Modell sieht bei einer Rente von 300 Euro ein Alterseinkommen aus Rente und Grundsicherung von rund 850 Euro vor.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sollte die Rente aus Steuermitteln oder von den Rentenbeitragszahlern finanziert werden?

Adolf Bauer: SoVD und Verdi haben im Juni den Vorschlag „Rentenzuschuss statt Zuschussrente“ vorgelegt. Um den Rentenzuschuss zu bekommen, reichen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Ergeben sich daraus Renten unterhalb der Grundsicherung, sollen diese dann auf rund 850 Euro aufgestockt werden. Dieses Modell hat den Vorteil, dass die vorgeschlagene Leistungsverbesserung in der Grundsicherung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe in vollem Umfang aus Steuermitteln finanziert wird. Der Rentenbeitragssatz bliebe unberührt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Können Sie abschätzen, wie hoch die insgesamten Kosten der Aufstockung der Renten ausfallen?

Adolf Bauer: Diese Frage muss die Bundesregierung beantworten, wenn sie sich über die Höhe der Aufstockung einigt.

Kommentare

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  1. Miesepetra sagt:

    ja, ja, ja, Lohnaufstocker, Rentenaufstocker, und was wird als naechstes aufgestockt?! Und vor allem, was bringt das, ausser dass man nach wie vor weiterhin am untersten Ende vor sich hinvegetiert!?!?!?!

  2. Carmen Fischer sagt:

    alles nur ne Masche um die Bürger in die private Vorsorge durch Banken zu zwingen. Denn für die 15 Euro mehr pro Monat muss eine „private Vorsorge“ also Rentenversicherung, Sparvertrag abgeschlossen werden.
    Die Politiker können sich freuen, ihnen sind Boni von den Konzernen gewiss.
    Korruptes System 🙁

  3. Eber sagt:

    Es ist doch vollkommen wurscht, dass diese sogenannte „Zuschussrente“ zu niedrig ist, um etwas zu bewirken. Das ist ein typisches Wahlgeschenk, mit dem uns Sand in die Augen gestreut werden soll. Hauptsache, die Politik erhält positive Schlagzeilen.
    Denn: wer von den Wählern liest schon das Kleingedruckte ???

  4. Ullrich Strakow sagt:

    Herr Norbert Blüm formulierte einst den legendären Satz,; Die Rente ist sicher!
    Im Prinzip hat der Mann nach wie vor Recht trotz demographischer Verschiebungen wurden viele Begehrlichkeiten anderer Ministerien geweckt und nicht zweckgebunden verwendet.Das Schweitzer Renten Modell wo alle auch die Staatsbedienstete in die Rentenkasse einzahlen, ermöglicht faire Renten für alle Schweitzer Bürger.Bekennende Transatlantiker vom sich landesväterlich gebenden Ex Sachsen-häuptling Prof.Herrn Biedenkopf bis zur genialen Frau von der Leyen appelierten schon vor Jahren bis auf den heutigen Tag private Altersvorsorge zu leisten.
    Doch schaut man genauer hin,gibt es einige Faktoren die dagegen sprechen.In den USA sind von den fünf größten Pansionsfonds drei Pleite.Wer in den ,,Genuß“ der staatlichen Zuschußrente kommen soll,muß 40 Beitragsjahre vorweisen und Privat schon vorgesorgt haben.Wer bereits am unteren Limit verdient,hat kaum Geld für private Altersvorsorge übrig.Selbst wer sein Leben äußerst sparsam gewirtschaftet hat und alt und gebrechlich ist und aus der Schnabeltasse schlürft und pro Tag fünf Pampers braucht ,wird entsetzt registrieren das Kosten ab ca 3000 Euro von Ihm oder seinen Kinder wenn vorhanden fällig werden können. Alternativen wären ohne Ironie Pflege durch arbeitslose Angehörige oder slowakische Pflegeeinrichtungen oder Thailand mit einer Pflegekraft pro Heiminsasse.Wenn sogar Landesbanken mit Ex Finanzministern wie Herrn Prof.Milbrand in Sachsen im Aufsichtrat Millionen verzockt haben und die aktuelle Finanzkrise alle Finanzeinlagen gefährden, dann kann man nur empfehlen entweder Leben und Leben lassen sprich konsumieren oder wenn möglich Wohneigentum erwerben.Viele schimpfen auf die hohen Benzin und Diesel Preise ohne zu wissen das sogar mittlerweile die Renten durch die Mineralölsteuer quer finanziert werden müssen. Also immer schön Gas geben und große durstige Autos kaufen dann geht es Oma und Opa gut.Auf alle Fälle besser als windigen Finanzanlage Zockern ein Nimmerwiedersehen,,Darlehen“zu gewähren.Spenden für U -Boote neuester Bauart oder für afghanischen Opiumplantagen bewacht durch díe Bundeswehr sind jederzeit möglich.

  5. KClemens sagt:

    In den Rentenbeschlüssen ist ja generell das Abschmelzen der Renten auf ein 43%-Niveau des letzten Einkommens festgeschrieben worden.

    Ist das überhaupt verfassungsgemäß, daß man die Renten auf ein solch niedriges Niveau absinken lassen kann? Denn das dürfte in keiner Relation mehr zu den gezahlten Beiträgen stehen, auch wenn es ein Umlageverfahren ist.

    • B. B. sagt:

      Verfassungsmäßigkeit schert diese Regierung schon lange nicht mehr !!

      • Zeitzeuge sagt:

        @ B. B. : Die BRD hat keine Verfassung, nur ein Grundgesetz und was das taugt, beginnen wir gerade zu erleben, auch die 95%, die bisher der Opportunistenbagage zuzurechnen sind – ob sie wollen oder nicht: Der „große Zahltag“ kommt und deshalb ist es müßig, das Thema überhaupt zu diskutieren (Austerität wurde schon von Schröder eingeführt, in der Renteversicherung haben wir jetzt schon „griechische Verhältnisse“).

      • Mitleser sagt:

        Auch das sogenannte Bundes’verfassungs’gericht nicht.

    • Dietmar Fuerste sagt:

      Natürlich nicht! Die in die GVR eingezahlten Beiträge sind im Umlagesystem zweckgebunden für aktuelle Rentenzahlungen einzusetzen und sichern gleichzeitig den Einzahlern lt. SGB einen Eigentumsanspruch auf die spätere eigene Rente zu.

      Politisch gewollte Zusatzleistungen der GVR (auch die nach dem Fremdrentengesetz) muss der Staat bezuschussen. Indem sich der Staat aber aus der Rentenkasse bedient, indem er diese Zuschüsse um mehrere Milliarden senkt, wie gerade geschehen, oder indem er willkürlich die Renten senkt, indem er neue Berechnungsverfahren und Nullrunden einführt, vergreift er sich am Eigentum der Rentner und Versicherten.

  6. KClemens sagt:

    Guten Morgen an die Redaktion,

    leider ist Ihnen ein kleiner Fehler unterlaufen. Die Titelzeile passt nicht zum Zwischentext……….