Rohstoff-Förderung: Pilz spült Erdöl aus Gestein heraus

Wissenschaftler haben einen Pilz entdeckt, der in der Lage ist, Wasser die gleiche Viskosität wie Erdöl zu verleihen. Die Ölförderung könnte somit um 50 Prozent gesteigert werden.

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Deutsche Wissenschaftler eines Kooperationsprojekts der Universität Jena, Wintershall und der biotechnischen Einheit von BASF haben einen Pilz entdeckt, der dazu geeignet ist, Wasser die gleiche Konsistenz wie Erdöl zu verleihen. Bei dem Pilz handelt es sich um den Gemeinen Spaltblättling. Bekannt ist der Pilz bisher vor allem wegen seiner holzzersetzenden Eigenschaft. So kann er große Schäden an gelagertem oder verbautem Holz verursachen und durch massenhaftes Auftreten auch Waldschäden hervorrufen.

Die Forscher von BASF und Wintershall haben jedoch das große Potenzial des Spaltblättlings für die Ölförderung erkannt: „Der Schleim dieses Pilzes kann so eingestellt werden, dass er Wasser die Gleiche Viskosität wie Erdöl verleiht”, sagte Erika Kothe von der Universität Jena über die besondere Eigenschaft des Pilzes. Presst man das modifizierte Wasser in ausreichender Menge in eine Erdöllagerstätte, kann es verbliebenes Öl aus den Poren des Gesteins verdrängen und an die Oberfläche befördern. Nachdem die Flüssigkeit abgeschöpft worden ist, wird das Öl von der Pilzflüssigkeit wieder getrennt.

Bisher kamen zu diesem Zweck Wasserdampf oder Lösungsmittel, sogenannte Tenside, zum Einsatz, um das Erdöl aus dem Gestein zu lösen. Die alten Verfahren erlaubten jedoch nur eine Förderung von maximal 30 Prozent eines Vorkommens. Der Pilzschleim könnte hingegen eine Förderung von bis zu 45 Prozent eines Erdölvorkommens ermöglichen.

Das Hauptaugenmerk der Forscher lag zunächst darauf, die Schleimproduktion des Pilzes dem wirtschaftlichen Bedarf anzupassen. Vor allem den Wissenschaftlern der Universität Jena ist es dabei zu verdanken, dass die Schleimerzeugung der Pilzstämme gesteigert werden konnte. Der als Glucan bezeichnete Pilzschleim ‌„kann in großem Maßstab im Fermenter hergestellt werden”, sagt Kothe über die Fortschritte ihrer Arbeit. Bei einem Fermenter handelt es sich um eine Art Bioreaktor zur Züchtung von Mikroorganismen oder Pflanzen.

Der Pilz ermöglicht dabei nicht nur eine effizientere Förderung von Erdöl. Der Pilzschleim ist auch komplett biologisch abbaubar und kann daher an ökologisch empfindlichen Orten zum Einsatz kommen. Noch in diesem Jahr wird Wintershall mit einem ersten großen Praxistest des Pilzschleims an einem Vorkommen in Niedersachsen beginnen. Dort soll das durch den Pilz veränderte Wasser zwei Jahre lang die verbliebenen Erdölreste ausspülen. Je nachdem, wie das Ergebnis des kommenden Tests ausfällt, könnte dem Pilz eine bedeutende Rolle bei der zukünftigen Gewinnung von Erdöl zukommen.

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Kommentare

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  1. sirik sagt:

    ….mit einem ersten großen Praxistest …………………… beginnen.
    ?…..?….!

  2. otto f. krammer sagt:

    Erdöl als Treibstoff gelangt lediglich mit etwa 0,04 bios 0,06% der darin enthaltenen Solarenergie über den Verbrennungsmotor auf die STrasse. Das ist äußerst verschwenderisch. Daher wird sich der Elektroantrieb durchsetzen, welcher mit über 10% die Sonnenstrahlung über den E-Motor auf die Strasse bringt.