Paris: Deutschland muss Löhne erhöhen

Deutschland muss endlich die Löhne erhöhen, fordert der französische Industrieminister. Nur so könne die Binnennachfrage gestärkt und Wachstum in der Eurozone gefördert werden. Schließlich habe das Land eine Verpflichtung.

Die Schuldzuweisungen und Provokationen zwischen Frankreich und Deutschland gehen weiter. In einem Interview mit dem Radio Europe 1 wies Frankreichs Industrieminister, Arnaud Montebourg, auf Deutschlands Verantwortung für den Euroraum hin. „Deutschland hat eine Verpflichtung“, sagte er. Schließlich wäre es an Frankreich und Deutschland, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Doch Deutschlands Rolle ist letztlich größer, da das Land ja immerhin einen Handelsüberschuss aufweisen kann.

Vor allem kritisiert Arnaud Montebourg aber die innenpolitischen Entscheidungen in Deutschland. Das Land müsse „die Löhne erhöhen“, um die Nachfrage bei den Verbrauchern anzukurbeln. Zudem muss „Deutschland einen Wohlfahrtsstaat erreichten, der diesen Namen auch verdient“, holte Montebourg weiter aus. Das würde die Wirtschaft im Euroraum wiederbeleben.

Bereits vergangene Woche nutzte der französische Finanzminister Moscovici die guten Wirtschaftsdaten des Landes, um darauf zu verweisen, dass letztlich nicht Frankreich der kranke Mann Europas sei. Wie Montebourg reagierte der franzsösiche Finanzminister damit auf Schäubles Plan, Frankreich unter die Arme zu greifen und Reformvorschläge von deutschen Experten für das Land anfertigen zu lassen (mehr hier).

Kommentare

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  1. Tacheles sagt:

    Wie wäre es mal, wenn die Franzosen ihre 35 Stundenwoche die sie per Gesetz landesweit eingeführt haben aufgeben.

    Der Franzose arbeitet Urlaubs- und Krankheitstage eingerechnet einige hundert Stunden weniger pro Jahr als sein deutscher Kollege.

    Und der Franzose geht mit 60 oder spätestens 62 in Rente. In Deutschland istbeschlossen, dass man über kurz oder lang mit 67 in Rente geht.

    Und ein deutscher Rentner bekommt rund 1000 Euro Rente durchschnittlich, ein französischer Rentner bekommt durchschnittlich 1600 Euro!

    Aber die Deutschen sind schuld an der Misere Frankreichs 🙂

  2. Unrechts-Populist Nr.1 sagt:

    nichts gegen die Erhöhung der Löhne hier,
    aber eine Frage habe ich – im €U-Innenverhältnis – dann doch an Ms. Montebourg :
    wenn denn nun hier die Löhne steigen und die Waren teurer werden, dann zahlen die Franzosen tout al´heure die höheren Preise für die begehrten Waren ? Und dann steigt im Ergebnis doch der Deutsche Exportüberschuß? Ja / Nein ?
    Oder importieren La France und der Knoblauchgürtel einfach so wie bisher und läßt man bei der EZB (also indirekt bei der Bundesbank) anschreiben, d.h. die TARGET 2 -Salden steigen noch exorbitanter ? So geht´s derzeit auch schon; d.h. wir leihen das Geld dem Käufer auf Nimmerwiedersehn? Also was denn nun?.
    Oder muß man doch noch auf das €U-Außenverhältnis ausweichen ?
    Das hieße unsere „Partrner“ importieren vermehrt aus dem billigeren Asien und die BRDDR wird aber weiterhin zur Geld-Ader gelassen? Oder würde z.B. Frankreich die Waren in Echt zahlen, weil die Asiaten nicht so dämlich sind ohne Sicherheiten anschreiben zu lassen ? Geht also wohl auch nicht.
    Dann bleibt nur eines:
    Anpassung der Wechselkurse an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Länder der €uropäischen Plünderungsunion. Das hieße für (nahezu) jedes Land einen €uro und einen passenden Namen aus der Landessprache?
    So was gab´s schon mal und hat recht ordentlich funktioniert!

  3. Tacheles sagt:

    Die Franzosen glauben also, sie würden besser werden, wenn die Deutschen schlechter werden.

    Und was ist mit dem Weltmarkt?

    Ich dachte wir müssen mit den Asiaten und Amerikanern konkurrieren.

    Typisch Franzose! Einfach alles den anderen zuschieben und selber den Hintern nicht hoch bekommen.

    • popper sagt:

      Es geht nicht um besser oder schlechter, sondern um Handelsbilanzüberschüsse, die Deutschland aufgrund seines jahrelangen Lohn- Renten- und Sozialdumpings erwirtschaftet hat und glaubt dies weiter fortsetzen zu können. Und dann noch auf Kosten anderer Mitgliedstaaten der Eurozone. Deutschland muss endlich etwas im eigenen Land tun und nicht dem neoliberalen Märchen anhängen, Kostenreduktion schaffe Investitionen und Arbeitsplätze. Im Übrigen, die Franzosen haben 2012 bei ihrer Wirtschaftsentwicklung bessere Zahlen als Deutschland. Nur soviel zum „A… nicht hochkriegen“.

      • Tacheles sagt:

        Die Euromitgliedschaft beinhaltete ein Versprechen, das möchte ich mal in Erinnerung rufen:

        Bei Bedarf muss ein Land so flexibel sein und intern, also über Lohnzurückhaltung und Strukturreformen, abwerten können.

        Extern abwerten über Gelddrucken und die eigene Währung abwerten geht ja nicht mehr.

        Deutschland hat sich an dieses Versprechen gehalten. Nachdem der Euro eingeführt war, gab es Geldabflüsse aus Deutschland weg in Höhe von etwa 100 Mrd. Euro jährlich. Aus diesem Grund lahmte die Wirtschaft. Deutschland wurde damals doch von der EU Kommission doch sogar gerügt, dass es mehr für Wachstum tun muss!! Deutschland der kranke Mann Europas, damals – man erinnere sich!

        Und Deutschland hat sich angestrengt: Agenda 2010, Harz4, Rente mit 67, Lohnzurückhaltung, Stichwort Leiharbeit, etc. etc. etc.

        Deutschland sah sich genötigt sich anzustrengen und hat dies getan. Es hat intern abgewertet.

        Jetzt sind mal die anderen Länder der Eurozone dran diesem Beispiel zu folgen.

        Jetzt sind mal die anderen Länder d

        • DK_Jule sagt:

          Dann landen wir in der Deflationsspirale und es wird auch kein Wachstum mehr geben. Dann gibts nämlich auch keine Nachfrage mehr in Europa. Es können nicht alle gleichzeitig „intern abwerten“

          und was macht DE danach? Die nächste Stufe der Abwertung einleiten — was für eine billige Abwärtsspirale wird das denn bitte??

          China ist übrigens so erfolgreich, weil das eben keine freie Wirtschaft ist, sondern im höchstem Maße alles staatlich kontrolliert – die halten überall den Deckel rauf.

          • Tacheles sagt:

            An dieser Diskussion ist doch eines ganz deutlich erkennbar.

            Der Euro kettet Volkswirtschaften aneinander, die in der Form nicht zusammengehören.

            Die Währung eines Landes, einer Volkswirtschaft ist nämlich wie ein Maßanzug für diese.

            Darum war von vornherein klar: Entweder der Euro zerfällt oder es wird eine Transferunion.

            Den Deutschen wurde versprochen, von Kohl und seiner €DU dass es dazu nicht kommen würde und dass Deutschland nicht für die Schulden anderer haften muss.

            Um die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs und anderer Länder wieder herzustellen, müssten diese abwerten können. Das ist das Regulativ, das jetzt eben fehlt.

            Also muss die Politik, so leid es mir tut in die Richtung gehen, dass sich der Euro gesund schrumpft. Alle Länder, die im Euro nie wettbewerbsfähig werden können, müssen ihn verlassen. Ansonsten werden sie immer am Tropf hängen müssen.

            Eine politische Union ist Quatsch. Das wollen die Franzosen eh nicht und die Deutschen im Übrigen auch nicht. Darüberhinaus: bei einer politischen Union hätten die Piigs, ClubMed und Co 70 Prozent der Stimmenanteile im EU Parlament und damit leichten Zugriff auf deutsche Steuergelder. Nein danke! Der Euro muss sich gesund schrumpfen oder ganz auflösen. Das ist der einzig vernünftige Weg.

          • redakteur sagt:

            Da haben Sie recht, in dem Artikel war einiges zu platt. Wir haben ihn jetzt überarbeitet. Danke für den Hinweis. Die Redaktion

  4. hugin sagt:

    ABLENKUNG VON EIGENEN SCHWIERIGKEITEN
    Wir brauchen keine Rezepte von Personen welche die eigenen Probleme nicht bewältigen können ! Unruhen in den Ausländervierteln, finanzielles Desaster, ständige Politlügen und Anderes. Wir wollen Politiker, die Ohne Wenn und Aber energisch unsere eigenen Iteressen vertreten !

  5. bendix sagt:

    , um die Exportindustrie der Franzmänner zu stäken. Wenn D die Löhne anhebt, dann wird das Produkt teurer und warscheinlich unverkaufbar, weil es preiswertere Alternativen gibt. Billigschrott aus Franzland und aus den Südstaaten hätten einen enormen Vorteil auf dem Markt. Aus diesem Grund dieses Gebrüll !
    Um diesen Wettbewerbsvorteil zu verhindern müsste Franzland um das selbige die Löhne erhöhen und dann sind wir wieder am Ausgangspunkt der Diskussion.
    Die Steuern in D müssen runter, weil dann funktioniert der Export auch mit einem niedrigen Lohnniveau. Schäuble hat dann die Arschkarte, aber er muß nicht mehr so viel Steuergeld exportieren. Das große Geschrei um die vielen unerwarteten Steuereinnahmen macht doch sowiso nur die Faulstaaten der EU glücklich. Die Zahlungsfähigkeit der dummen deutschen Rammelhunde liegt jedem bequemen Süd- staatler am Herzen und damit wären wir wieder am Ausgangspunkt dieses Artikels.
    Fakt ist,: Andere Staaten machen sich schon Gedanken um die Zahlungsfähigkeit Deutschlands, jetzt bekommen wir schon Tipps wie wir diese aufrecht erhalten.
    Mein Tipp,: Hört mal auf zu denken und fangt mal an zu arbeiten und zu wirtschaften ,denn ich habe keinen Bock mehr mein Knochengerüst für Euch Süd- staatler zu ruinieren. Habe fertig.

    • popper sagt:

      Können Sie uns verraten, woher Sie diesen ganzen Unsinn haben, den Sie hier ausbreiten. Sie haben nicht die geringste Vorstellung von makroökonomischen Zusammenhängen. Wer zahlt denn unseren Export? Doch diejenigen, die sich verschulden. Unsere Produkte würden auch gekauft, wenn Sie etwas teurer wären. Wenn wir mit Kostendumping die anderen niederkonkurrieren, werden diese nicht mehr durch eigene Wirtschaftsleistung das Geld verdienen können, um unsere Waren zu kaufen und ihre Schulden zurück zu zahlen. Auch die Billigländer können nicht unbegrenzt exportieren, nur weil ihre Waren billig sind. Die Gewinne des einen sind immer die Schulden des anderen. Deshalb ist die Vorstellung, die einen könnten immer nur verkaufen ökonomisch unsinnig. Das sehen wir in Europa. Hier hat Deutschland jahrelang andere niederkonkurriert. Mit dem Ergebnis, dass die ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können. Was bleibt ist, dass wir unsere eigenen Exporte finanzieren und damit ein Nullsummenspiel veranstalten, das uns am Ende mit auffrisst, weil sich herausstellt, dass wir unsere Schuldner todgespart haben.

      • Tacheles sagt:

        Dumping, das ist höchstens der Sozialstaat der Franzosen mit dessen Hilfe sich die Bevölkerung dort vermehren konnte wie die Stallhasen.

  6. DK_Jule sagt:

    Deutschland muss vor allem mal im Inland investieren! Z.B. hatte DE seit ca. 2002 meines Wissens die niedrigste Neubauquote und jetzt hört man von überall her Geschrei, dass zu wenig günstiger Wohnraum in vielen urbanen Zentren vorhanden ist.

    Um inländische Nachfrage zu entfalten und gleichzeitig viele Leute von den hohen Mietkosten zu entlasten schlage ich für vielen Regionen die Neuauflage des Sozialen Wohnungsbaus vor.

    Das würde den Binnenmarkt beleben und hat zeitgleich eine soziale und kostenentlastende Komponente. Die Wohneinheiten sollen aber auch Leuten aus der mittleren Einkommensschicht zur Vfg. stehen.

    Das würde schon mal ein bisschen die Konjunktur stützten und hätte ne soziale komponente, die direkt nachfragewirksam ist bei Handwerk und Firmen.

    2. Maßnahme ist die Einführung des Equal Pay wie in Frankreich. In den Niederlanden gilt ab 2013 auch ab dem 1. Tag Equal Pay.

    außerdem muss das Lohngefüge durch Mindestlöhne/Tariflöhne stabilisiert werden. Im Handwerk gibt es auch tarifliche Mindestlohnstandards und das hat keine Arbeitsplätze vernichtet, sorgt aber für fairen Wettbewerb. Für Gelernte mit Ausbildung sollten diese immer höher liegen als für Ungelernte, damit sich Ausbildung und Arbeit auch noch lohnen.

    DE hätte niemals so stark zum Lohndrücker mutieren dürfen – die Anpassung jetzt wird viel schmerzhafter, als hätte man das gleich vernünftig gemacht — Lohnsteigerungen im Rahmen der französischen Wirtschaft — dann wären die seit 2002 um ca. 16% höher als sie es jetzt sind. Das hätte kein Unternehmen umgebracht, da die Produktivität ebenfalls gestiegen ist — der gesamte Mehrwert ist jetzt einseitig verteilt worden und fehlt als Nachfrage.

  7. popper sagt:

    Diese Forderung ist absolut zutreffend. Deutschland ist nämlich Verursacher der Probleme in „Euroland“ mit seinen Dumpinglöhnen.

    • Tacheles sagt:

      Warum führt Frankreich nicht parallel zum Euro wieder den Franc ein?
      Dann kann es wieder so viel davon drucken wie es braucht und muss nicht mehr sparen.
      Die Folgen dieses Treibens darf es dann auch wieder selber tragen und muss es nicht der „Gemeinschaft“ aufs Auge drücken.

      Wir leben nun mal in einer Marktwirtschaft. Deutschland zu beschuldigen der Verursacher der Krise zu sein, so eine Behauptung kann nur von kommunistisch veranlagten Jammerlappen kommen.

  8. flonic sagt:

    Es ist leider erwiesen, das seit gut 10 Jahren in Deutschland faktische Netto-Reallohnkürzungen gibt. Nicht nur Löhne und Gehälter werden Inflationiert, auch alle Renten durch den fehlenden Inflationsausgleich faktisch abgesenkt.

    Auch wenn es immer noch einige Schwafler hier nicht war haben wollen, die Regierung und die Tarifparteien bestehlen den Arbeiter, Angestellten und Rentner gleich mehrfach (Reallohnabsenkung, Steuerprogressionsbauch, Rentenkürzung, fehlender Inflationsausgleich etc.).

    Wer das nicht verstehen will oder im schlimmsten Fall nicht kann, sollte sich einfach mal morgens vor einer Essensausgabestelle der Tafel umsehen und erkennt dann ganz schnell das hier was ganz schief läuft.

    Es tut mir Leid, aber das bornierte, haltlose und dumm-dreiste Talkshow-Gerede ist nicht mehr zu ertragen. Besseren Wissen werden Lügenmärchen von angeblichen Erfolgen z.B. im Kampf gegen Armut verbreitet, die nachweisbar falsch sind. Es ist unglaublich.

    • Einweckglas sagt:

      @flonic. Richtig. Wobei man nicht vergessen sollte, was ein solcher Wohlfahrtsstaat kostet. Und wenn jene geforderten Lohnerhöhungen dann zum Arbeitsplatzabbau führt, ist niemandem gehofen. Ausser vielleicht kurzfristig der französischen Wirtschaft, die sich dann aber leider auch nur kurzfristig über höhere Exporte freuen darf und in Folge dieses zu kurz gedachten Ansatz noch mehr Leute in den Staatsdienst beruft, der dann wiederum nur mit Schulden und Steuererhöhungen finanziert würde. Aber was sage ich? Die Gehälter steigen ja schon marginal und der Verbraucher konsumiert aufgrund der Furcht vor Wertverlust des Ersparten. Mal schauen, wenn die Crew der Lufthansa dann in 2-3 Jahren massenhaft entlassen werden, weil die Airline verluste schreibt. Also so Frankreichs mangelnde Wettbewerbsfähigkeit dadurch steigern. Hahahaha…Grossartige Idee. Wer solche Nachbarn hat….hat auch immer was zu Lachen!

      • popper sagt:

        Der Wohlfahrtsstaat (besser Sozialstaat) ist längst geschleift worden und kostet immer weniger. Außerdem sind in den letzten 37 Jahren, gemessen am BIP, die Kosten gleich geblieben (ca. 30%). Insoweit ist das Märchen vom teuren Sozialstaat längst widerlegt. Auch kosten höhere Löhne kine Arbeitsplätze, wie immer behauptet wird. Der Arbeitsmarkt ist nämlich kein Kartoffelmarkt. Alles ist eine Frage der Nachfrage und die entsteht, wenn die Bürger mehr Geld in der Tasche haben. Kostenreduktion, wie sie die neoliberale Ideologie seit 30 Jahren propagiert, stellt die ökonomischen Wirkursachen auf den Kopf. Das sieht man in den Südländern, die ihre Kosten reduzieren und die Kaufkraft ihrer Volkswirtschaften dadurch empfindlich schwächt und die Verschuldung weiter hochtreibt.