Italiens Wirtschaft steht vor einer Rezession

Schlechte Nachrichten aus Italien: Die Industrieaufträge sind im Vergleich zum Vorjahr dramatisch eingebrochen. Nicht nur die Euro-Zone, sondern auch Asien und die USA wenden sich von Italien ab. Mario Montis Aussage, sein Land werde niemals Geld von der EU brauchen, ist in diesem Kontext als Hilferuf zu verstehen.

Neben der hohen Staatsverschuldung rutscht die italienische Wirtschaft nach und nach immer weiter in Richtung Rezession. Im September sanken die Industrieaufträge im Monatsvergleich um vier Prozent, wie die italienische Statistikbehörde ISTAT am Montag mitteilte. Damit liegen sie nun 12,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auf dem heimischen Markt sank der Umsatz im September um 3,7 und in den ausländischen Märkten um 5,3 Prozent.

Doch nicht nur die Nachfrage in Italien selbst und in der Eurozone war schwach. Vielmehr sind im September nun auch die Aufträge aus Übersee um 7,4 Prozent gegenüber dem August eingebrochen. Besonders im Metall verarbeitenden Gewerbe gab es einen starken Rückgang um 18,4 Prozent. Im dritten Quartal war das BIP um ein Viertel auf 0,2 Prozent gesunken. Der derzeitige italienische Finanzminister Vittorio Grilli forderte angesichts der schlechten Nachrichten bereits mehr Einsparungen und entsprechende Steuersenkungen (hier).

Erst Ende September ließ es sich Italiens Premier Mario Monti jedoch nicht nehmen, darauf zu verweisen, dass Italien von der „Liste der Länder, die eine Quelle der Probleme für die Eurozone sind, verschwunden“ ist. Die Notwendigkeit, italienische Anleihen von der EZB kaufen zu lassen, um die Refinanzierungskosten für das Land zu drücken, lehnte er ebenfalls erst einmal ab. Immerhin sehe man am Ende des Tunnels bereits Licht. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung im eigenen Land könnte das Land aber schneller Hilfe benötigen, als es Monti lieb ist. Zumal einige einen Bailout für Italien sogar begrüßen würden, um sicher zu stellen, dass die zukünftige Regierung den Sparkurs Montis einhalte.

Kommentare

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  1. www.makrointelligenz.blogspot.de sagt:

    Italien leidet, so stark wie keine anderes Land der Eurozone, unter einer Vertrauenskrise. Italien hat den größten Haushaltsüberschuss vor Zinsen in Europa und bräuchte bei den negativen Realzinsen, die beispielsweise in Deutschland herrschen nicht mal einen Überschuss vor Zinsen, um die Schuldenquote konstant zu halten. Daher sehe ich die Entwicklung dort auch nicht ganz so pessimistisch, denn das Vertrauen ist teilweise zurückgekehrt und kann schnell ganz zurückkommen. Italien ist zwar in einer Rezession, aber die Haushaltssituation ist eigentlich besser als die in Spanien, vielleicht sogar besser als die in Frankreich. Hier wird die Lage in Italien einmal detailliert analysiert:
    http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/warum-zahlt-italien-hohere-zinsen-als.html