Schweizer Mittelstand leidet unter hohen Steuern

In der Schweiz werden mittlere Einkommensbezieher immer mehr strapaziert. Während reichere und ärmere Haushalte reale Lohnzuwächse einfahren, hinkt die Entwicklung der Löhne beim Schweizer Mittelstand hinterher.

Als offene und kleine Volkswirtschaft befindet sich die Schweiz in starker Abhängigkeit von der globalen Konjunktur. Dennoch hat das Land auch hausgemachte Probleme: Die Ursache für die schwachen Lohnentwicklung des Schweizer Mittelstands ist die massive staatliche Umverteilung. Hinzu kommen der technischer Fortschritt und die demographische Entwicklung, belegt die neue Studie „Der strapazierte Mittelstand“ des Schweizer Think Tanks Avenir Suisse.

Eine Möglichkeit, den Mittelstand oder die Mittelschicht zu definieren, geschieht mit Hilfe von Quintilen. So zählen zur Mittelschicht die mittleren Einkommen (Zweites bis Viertes Quintil). Die Einkommensgrenzen liegen demnach in der Schweiz bei 67.300 Franken und 149.100 Franken. Betrachtet man die unteren zehn Prozent der Einkommen, so zeigt sich ein Lohnzuwachs im Zeitraum von 1994 bis 2010 um acht Prozent. Die oberen zehn Prozent der Einkommen stiegen im selben Zeitraum sogar um 15 Prozent.

Die Einkommen der Mittelschicht liegen darunter. Dadurch nähren sie sich den unteren Einkommen an, während sich die hohen Einkommen immer mehr entfernen. Diese Entwicklung resultiert aus mehreren Gründen. Zum Einen lassen sich einfache Tätigkeiten nur selten automatisieren. Dagegen laufen komplexere Aufgaben, wie die Buchhaltung, immer mehr Gefahr, aufgrund von technischem Fortschritt überflüssig zu werden. In der Folge stehen die Löhne für diese Tätigkeiten unter Druck. Ein anderer Faktor ist die relativ hohe Frauenquote bei mittelständischen Festanstellungen. Deren Löhne sind tendenziell geringer, wodurch die Lohnhöhe der Mittelschicht insgesamt geringer wird.

Ein weiterer Grund ist die staatliche Umverteilung in der Schweiz. Mittlere Einkommen haben eine deutlich höhere Steuerlast zu tragen als die oberen und unteren Einkommensgruppen. So kommen die Transferleistungen vor allem den einkommensschwachen Haushalten zugute. Dies bewirkt, dass sich deren Reallöhne an die Einkommen der Mittelschicht angleichen. Nach der Umverteilung verfügt der Mittelstand dann über 40.000 bis 70.000 Franken im Jahr (Siehe obere Grafik).

Diese Ursachen schlagen sich auch in dem Gini-Koeffizienten der Schweizer Einkommen nieder, der Auskunft über die Gleichverteilung der Einkommen in einem Land gibt. Je niedriger er ausfällt, desto näher sind die Einkommen beieinander. In der Schweiz liegt er mit 0,275 deutlich unter den Werten der meisten Industrienationen. Zum Vergleich: Der OECD-Durchschnitt liegt bei 0,32 und Deutschland weist einen Gini-Koeffizienten von 0,29 auf.

Der Schweizer Mittelschicht werden auch Personen mit Abschlüssen der Sekundarstufe II zugerechnet. Auch hier zeigt sich, dass die Mittelschicht im Vergleich zu höheren und niedrigeren Schulabschlüssen bei den Lohnzuwächsen hinterher hinken. So habe sie sich von den Personen mit Sekundarstufe I-Abschlüssen monetär nicht absetzen können. Personen mit Hochschulabschlüssen kassierten dagegen deutlich höhere Löhne, so die Autoren der Studie. Vor Arbeitslosigkeit muss sich der Schweizer Mittelstand dagegen weniger fürchten. Die Arbeitslosenquote blieb auch während der Krise konstant niedrig (Siehe untere Grafik).

Kommentare

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  1. Greg sagt:

    Gerne unterschlagen wird, dass durch den Zuzug von EU Personal die Löhne „schlecht“ wachsen können. Darin ist hauptäschlich Reallohnabnahme zu verzeichnen.

    Es ist zum Mäusemelken, dass der Mittelstand die hohen Gewinne der Unternehmen mit SUBVENTIONIERT. Leider fehlt dem „Stimmvolk“ die nötige Einsicht. Das würde in „Deutschland“ gleichbedeutend mit „muttis“ alternativlosem Wachs(d)um ….

    & Zum Schluss bezahlen die entstandnen Überkapazitäten durch Zuwanderung (Infrastrukur) wieder der dumme Steuerzahler.

  2. wolfbier sagt:

    Ist ja auch klar, wenn man den zugereisten Steuervermeidern, wie unseren Rennfahrern, nur Ministeuern abknöpft, den normalen Schweizer aber normal besteuert.
    Ich habe nie verstanden, wieso die auf ihre Volksabstimmungen so stolzen Schweizer das geduldet haben.