Mehrheit der Israelis ist gegen einen Waffenstillstand

Die Israelis trauen dem Frieden nicht: Eine TV-Blitzumfrage ergab, dass 70 Prozent den Waffenstillstand ablehnen. Nur sieben Prozent glauben, dass der Frieden lange währen wird. Die israelische Regierung befindet sich damit in einer schwierigen Lage für die kommenden Wochen.

In einem Punkt haben die Raketen der Hamas in Israel ihre Wirkung nicht verfehlt: Die Israels ist durch den dauerhaften und unkontrollierten Beschuss deutlich verunsichert. Nachdem US-Außenministerin Hillary Clinton gemeinsam mit dem ägyptischen Außenminister Mohamed Kamel Amr am Mittwochabend den Waffenstillstand bekanntgegeben hatte, saß den Israelis der Schrecken noch in den Gliedern.

Der TV-Sender Channel 2 ermittelte in einer Umfrage, dass eine klare Mehrheit der Bürger den Waffenstillstand ablehnt: 70 Prozent halten nichts davon, 24 Prozent finden es richtig. Was die Haltbarkeit der Vereinbarung anlangt, ist man in Israel noch pessimistischer: Nur sieben Prozent glauben, die Waffen werden längere Zeit schweigen. 24 Prozent sagen, dass die Waffenruhe erst gar nicht wirksam werden wird. 64 Prozent glauben, dass der Friede nur eine kurze Weile halten werde. Auch über den militärischen Erfolg der eigenen Truppen äußern sich die Bürger ungewohnt verhalten: Nur 58 Prozent glauben, die Operation habe die Stärke Israels wiederhergestellt.

Die Umfrage ist natürlich nur eine Momentaufnahme, zeigt jedoch deutlich, wie sehr sich die Lage im Nahen Osten verändert hat. Gab es früher noch nach jedem noch so verlustreichen Krieg immer das Gefühl, das eigene Land erfolgreich verteidigt zu haben, so macht sich bei den Israelis eine deutliche Kriegsmüdigkeit bemerkbar. In Israel sind dieser Tage die meisten in einem Zustand der Orientierungslosigkeit: Jeder vernünftige Bürger will, dass die Palästinenser in Frieden leben können; auch ein eigener Staat Palästina ist keine Bedrohung mehr für Israel – im Gegenteil: Was den Israels wirklich Sorgen macht, ist die Tatsache, dass die verschiedenen politischen und militärischen Aktionen nicht mehr einzelnen Staaten zugeordnet werden können. Auch früher sah sich Israel einer Phalanx arabischer Gegner gegenüber. Heute jedoch weiß niemand mehr, wo der Feind sitzt. Der Nahe Osten versinkt in einem Nebel der Vedächtigungen und der Hinterhalte.

Für die Regierung Netanjahu kommen daher nun schwierige Wochen. Seine Mitteilung, er habe dem Waffenstillstand auf Bitte von US-Präsident Barack Obama zugestimmt, läßt tief blicken: Auch Netanjahus Drohgebärden geben seinem Volk keine Sicherheit. Er wird sich entscheiden müssen, ob er weiter auf Härte setzt oder doch irgendeinen Weg findet, den Israelis das Gefühl zu vermitteln, dass ihre Regierung ihre Sicherheit auch in unübersichtlichen Zeiten garantieren kann (die Bodentruppen sind in Stellung – hier).

Auch im Gaza herrscht dieselbe Kriegsmüdigkeit – zumal die Zivilbevölkerung hier noch stärker von den israelischen Luftschlägen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Anders als in Israel werden jedoch auch noch nach dem sinnlosesten Waffengang ideologische Jubelgeänge angestimmt. Man kann den Eindruck gewinnen, als wäre die Hamas-Führung bereit, ihr gesamtes Volk als Geisel für ein kollektives Selbstmord-Kommando zu nehmen (Analyse der Situation im Gaza Streifen bei den DWN– hier).

Daher ist der israelische Pessimismus wohl nicht unbegründet. Und selbst wenn die kleine Minderheit recht behalten sollte und die Kämpfe tatsächlich für eine Weile aufhören: Von einem Frieden im Nahen Osten merkt man gegenwärtig so wenig wie schon lange nicht.

Kommentare

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  1. fan sagt:

    Ja, ich bin auf der Seite Israels, nicht nur aus historischen Gründen.

    Seit über 60 Jahren haben die GAZA- / Palästina-Radikalinskis nur Terror im Kopf. Was könnten die Menschen dort in einem glücklichen Land leben, wenn sie mit den vielen jährlichen Millionen-Geldern von UNO- und EU ihre Infrastruktur, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung usw. aufbauen würden.

    Aber nein, alles dreht sich um Terror, um Gewalt, Zerstörung und Attentate, weil die permanent nachwachsenden hirnlosen neuen „Führer“ ja nichts anderes gelernt haben – es ist nur noch abartig. Da können unsere vielen Gutmenschen von Rot, Grün und ähnlich naiven Menschen, die in unseren schönen Vorstädten wohlig und sorgenlos ihr angenehmes Leben und Wohnen genießen, so viel Unsinn absondern wie sie wollen – es geht um Israel, die mir x-mal näher stehen als die im permanenten Protest-Rausch verharrenden Menschen..!

  2. rundertischdgf sagt:

    Wer sind denn in diesem Krieg die Spieler oder Gegenspieler? Kämpfen die freien Kräfte aus dem Gaza und Israel jetzt in Syrien oder gar gleich Iran?

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/11/20/nahostkonflikt-spieler-und-gegenspieler/

  3. Franke sagt:

    Israel sucht neues Land und nutzt jede Chance, sein Hoheitsgebiet auszudehnen. Und nutzt jede kleine Aggression, um „zurückschlagen“ zu können. Solange Israel Geld und Waffen bekommt, wird im Nahen Osten keine Ruhe sein.

  4. EU-Skeptiker sagt:

    Sehr merkwürdig, laut Nachrichten heute morgen beim SWR1, befürworten über 60% der Israelis den Waffenstillstand. Ein Schelm wer böses…………

    • Werner sagt:

      Tz , tz , tz , wer hört oder sieht noch „Zwangsgebühren Sender“ ?

      Was für ein Glück dass ich trotz keinem Fernseher trotzdem Gebühren zahlen darf !
      Die Gerechtigkeit der öffentlich rechtlichen Diebe !

      Aber offensichtlich gibt es ja noch welche die den öffentlich rechtlichen Gebühren-Dieben Glauben schenken .

      mfg. Werner